F�rstlich Waldecksche Hofbibliothek Arolsen
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Bausteine zu einer Arolser Bibliotheksgeschichte

von

Hartmut Broszinski



Zuerst abgedruckt in:
AROLSEN: indessen will es glänzen; eine barocke Residenz.
Hg. von Birgit Kümmel und Richard Hüttel
Im Auftrag der Stadt Arolsen und des Wilhelm Bing Verlages.
Korbach 1992. S. 112-128.

Inhalts- und Stichwortverzeichnis

Bibliothek des Augustiner-Chorherrenstiftes Volkhardinghausen

Johannes von Deventer
Konrad Klüppel
Salbuch der Grafschaft Waldeck von 1602
Inventar von 1641
Pfarrer Hermann Quant aus Landau

Kloster Flechtdorf

Buchauktionen in Arolsen
Fürstin Christiane (1. Auktion von 1820)
Wilhelm von Humboldt
August Speyer
Zweite Auktion von 1856
Verkaufte oder vernichtete Werke
Die Wiener Bibliothek des Prinzen Christian August

Die Schaumburgische Lesegesellschaft

Die Glanzzeit der Bibliothek: Das 18. Jahrhundert

Die Bibliothek Carl August Friedrichs
Die Bibliothek Friedrich Anton Ulrichs und seines Nachfolgers Carl August

Die Bibliothek Friedrichs

Vorbemerkung: Zahlen - Daten Fakten


Die Bibliothek des Augustiner-Chorherrenstiftes Volkhardinghausen

Eine der Quellen, aus denen sich die Arolser Bibliothekl in alter Zeit speiste, war das 1576 aufgelassene, nahebei und übrigens idyllisch gelegene Stift in Volkhardinghausen.2 Ein kurzer Blick auf die ältere Geschichte des Klosters mag genügen: Zuerst war offensichtlich das Dorf da. Irgendwann vor 1221 wurde dort, möglicherweise von den Herren von Gudenberg, ein Augustiner-Chorfrauenstift gegründet. Besetzt wurde es mit adligen und nichtadligen Töchtern aus der im Umland wohnenden Bevölkerung. Große Bedeutung hat es in dieser ersten Phase nicht erlangt, und auch wirtschaftlich war es nicht auf Rosen gebettet, obwohl es mit der Zeit den ganzen Ort in seinen Besitz brachte. Nach außen wurden die Nonnen durch einen Propst vertreten. Klagen über mangelnde Zucht sind nicht bekannt; auch als es Mitte des 15. Jahrhunderts so verarmte, daß sich bloß noch zwei Nonnen mit Mühe dort halten konnten, ist nur die wirtschaftliche Not der Anlaß für eine grundlegende Reform des Klosters gewesen, die der Landesherr, Otto IV., 1461-1469 durchführte. Er ließ es mit Augustiner-Chorherren besetzen und veranlaßte den Anschluß an die von Holland ausgehende Windesheimer Kongregation. Als Otto am 29. September 1465 dem Prior Johannes Stolte aus Böddeken das neue Stift übergab, waren die Grundlagen für einen raschen Aufschwung gelegt: die äußeren, weil der Landesherr es zwar unter seinen Schutz nahm, aber auf Dienste und Rechte verzichtete, die inneren, weil durch die Windesheimer Kongregation ein aus der neuen Frömmigkeit gespeister geistlicher Schwung übergriff, der sich nicht im Dogmatischen und in äußeren Formen erschöpfte, sondern bei aller frommen Versenkung in die Heilsbotschaft seine Aufgabe in der caritativen Hingabe zum Nächsten, dem Christentum in der Welt sah.
1520 lebten in Volkhardinghausen 20 Chorherren und 100 Laienbrüder, dazu eine Reihe von Kommensalen, also Leute, die einen Mittagstisch im Kloster hatten. Viele Konventualen kamen vom Niederrhein, was sicher mit der Zugehörigkeit zur Windesheimer Kongregation zusammenhing.3 Es nimmt nicht wunder, daß in einem solchermaßen blühenden Gemeinwesen eine beachtliche Bibliothek zur Verfügung stand. Inventare von 1571, 1574 und 1576 weisen rund 400 z. T. mehrbändige Werke auf, die an zwei Orten, nämlich in der eigentlichen Liberey und in der Zelle des Priors standen. Das ist für die damalige Zeit eine beachtliche Zahl. Von den Büchern der Augustiner-Chorfrauen, den Vorgängerinnen der Chorherren, ist nichts bekannt. Inwieweit die Handschriftenfragmente, die sich in zahlreichen Bänden der heutigen Hofbibliothek in Arolsen als Bindemakulatur befinden, aus zerlegten Codices des alten Stiftes stammen, ist ungewiß. Fast möchte man annehmen, daß dies nicht der Fall ist, denn es sind lateinische Fragmente, und Chorfrauen waren im allgemeinen des Lateins nicht mächtig. Freilich standen jedem Nonnenkloster lateinische liturgische Handschriften zur Verfügung, das Allernötigste, denn ein Priester mußte ja die Messe lesen. Die Chorherren der Windesheimer Kongregation waren nach den Statuten angehalten, zwischen Prim und Terz sowie zwischen Non und Vesper Bücher abzuschreiben.4 Zumindest einer beherrschte auch das Buchbinden.5
Besonders Johannes von Deventer, 1531-1542 zunächst Prokurator, dann bis 1556 Prior, sowie Matthias Ercklens, Subprior von 1548-55 und 1556-1571 Prior6 taten sich als Schreiber von Handschriften und als Glossatoren in gedruckten Büchern hervor. Daneben wurden selbstverständlich auch Bücher gekauft, besonders unter dem gelehrten Johannes von Deventer, der übrigens seit 1543 auch reformatorisches und humanistisches Schrifttum erwarb.7 Freilich behielt er sich diese brisante Literatur für die Bibliothek in seiner Zelle vor, während in der allgemein zugänglichen Liberey neben Bibelausgaben die üblichen Breviere, Predigtsammlungen, Heiligenlegenden und Schriften der Kirchenväter standen. In den Rechnungsbüchern tauchen um die Mitte des 16. Jahrhunderts auch ein Buchhändler Heriche - wo er seinen Standort hatte, ist unbekannt -und Buchhändler Philipp aus Korbach auf.8
Als wichtiger erwiesen sich freilich die engen Kontakte zu dem Volkhardinghäuser Kommensalen Konrad Klüppel, dem Humanisten und Verfasser einer lateinischen Waldeckischen Chronik.9 Klüppel - er schreibt sich nach humanistischer Manier später Kluppel, sofern er nicht seinen Gelehrtennamen Conradus Scipio vorzieht. Klüppel ist ein unruhiger Geselle gewesen: Viermal hat er studiert -dreimal in Köln, einmal in Erfurt -und dreimal geheiratet, wobei ihm ersteres besser gefallen hat als letzteres. Zu seiner letzten Heirat hatte ihn, wie er unverblümt berichtet, die "dira necessitas" getrieben, die verwünschte Notwendigkeit, denn er war mal wieder in schlimmer Geldnot. Eine 50jährige reiche Witwe half ihm aus den Nöten. Dabei scheint er nicht einmal ein Bruder Leichtfuß gewesen zu sein, er studierte nur einfach zu gern, ob nun an den Universitäten oder in den für teures Geld gekauften Büchern. Um 1490 mag er geboren sein, 1509 erwarb er in Köln das Baccalaureat, nachdem er zuvor schon in Erfurt studiert hatte. Dann ging ihm das Geld aus; er fand sich 1511 in Wolfhagen wieder, 1512 in seiner Vaterstadt Korbach, wo er sich als Stadtschreiber sein Geld verdiente. Dann kam wieder etwas Studium der Rechte in Köln - ein Kollegheft hat sich in der fürstlichen Bibliothek erhalten. Danach wird er Stadtschreiber in Fritzlar und nach einem weiteren Studium Syndikus des St.-Peters-Kollegiatstiftes in Fritzlar. Um 1541 ist er gestorben. Was uns hier neben seiner Chronik und den Briefen, die nach der in Humanistenkreisen gepflegten Epistolographik aufgebaut sind, interessiert, ist seine Verbindung mit Volkhardinghausen. 1512 wird er zusammen mit anderen vom Konvent des Klosters zu dessen Anwalt ernannt. Von seinen Korbacher Eltern her hatte er aus Klostergütern "stervens halber" eine Rente in Form eines Freitisches an der Tafel. Es gibt Briefe von Köln aus an Prior und Prokurator, die von seiner Anhänglichkeit - und Geldnot -zeugen,10 aber auch beweisen, daß er für das Stift 1518 eine Bücherbestellung erledigt hat. Leider sind die Titel nicht erwähnt. Heute sind nur noch sechs Bücher aus der Zeit vor 1518 aus Kölner Offizinen vorhanden (Kat. Nr. 220) - natürlich kann er in der Weltstadt Köln die ganze europäische Buchproduktion vor Augen gehabt haben. Erwähnt sei stellvertretend die Predigtsammlung des Vincentius Ferrerius, die Heinrich Quentell 1487 in Köln gedruckt hat.11 Vielleicht hat Klüppel diesen Band nach Volkhardinghausen geschickt.

Kat. Nr. 220: Johannes de Bromyard, Opus trivium pertilium materiarum praedicabiblium. Köln, um 1473.

Auf sichererem Boden bewegen wir uns bei den 15 bzw. 16 von Paul Jürges ermittelten Titeln der Hofbibliothek Arolsen, die Klüppels Besitzeintrag aufweisen. Er hatte eine Ausgabe des Alten Testamentes, herausgegeben und kommentiert von Erasmus von Rotterdam, erschienen bei Froben in Basel 1522,12 des Erasmus Kommentar der Paulus- Briefe, erschienen in Basel ebenfalls 1522,13 Luthers Galaterbrief-Kommentar von 1519.14 Dieser Titel, dem vierzehn weitere Schriften Luthers sowie einige von Melanchthon angebunden waren, ist freilich 1856 verkauft worden.15 Über die von Jürges ermittelten Bücher hinaus besaß Klüppel noch eine Ausgabe von Sallusts "Vita duodecim Caesarum" , Venedig 1506,16 was anhand von Klüppels Randnotizen zu ermitteln war. Es ergibt sich aus der Gesamtheit seines Werkes, seiner Briefe und der Bibliothek das Bild eines Mannes, der wohl das Neue, Reformatorische interessiert betrachtete, sich aber doch mehr bei der alten Lehre hielt. Damit gehört er genau zu seinen Volkardinghäuser Freunden, die sich auch erst verhältnismäßig spät der Reformation öffneten. Seine Bibliothek muß er dem Stift vermacht haben, obwohl über diesen Vorgang nichts bekannt ist und er ja in Fritzlar starb. Jedenfalls sind alle seine Bücher im Salbuch der Grafschaft Waldeck von 160217 nachzuweisen, will sagen, es kommen darin solche Titel vor, wie sie Klüppel besessen hat.
Nebenbei bemerkt gibt es vom August 1641 ein weiteres Inventar von Arolser Buchbeständen.18 Es enthält bereits rund 1100 Katalogeinträge und natürlich das, was schon 1602 vorhanden war. Besagtes Inventar von 1602, das offenbar alle aus der Grafschaft in Arolsen zusammengeführten Bücher verzeichnet - der erste Waldecker Gesamtkatalog -, enthält darüber hinaus unter der Rubrik Libri juridici einen interessanten Eintrag: neun geschriebene Bücher in folio und quarto durch Cunradum Scipionem. Neun Handschriften? Sind damit seine Reportata, Köln 1517-1519,19 seine Consiliorum miscellanea -u.a. Rechtsgutachten20 -sind damit die Briefbücher gemeint? Das sind im ganzen aber erst vier Einheiten. Wo ist der Rest? Immerhin beweist der Eintrag, daß Klüppels Nachlaß damals schon im Waldeckischen war. Übrigens gibt es Bücher, die laut Besitzeintrag unserem Konrad Klüppel gehört haben, die aber nicht in den Inventaren zu identifizieren sind. Wir werden ferner unten sehen, daß der größte Teil des Bestandes an Büchern des 15. und 16. Jahrhunderts später aus der Hofbibliothek Arolsen verschwand; so müssen wir auch damit rechnen, daß Klüppels Bibliothek einst erheblich größer gewesen war. Es hatte sich doch gelohnt, das Studieren! Auch andere Kommensalen werden ihre Bücher dem Stift vermacht haben.21 Ziemlich sicher wissen wir es von Pfarrer Hermann Quant aus Landau, der sich 1531 mit 100 Gulden einkaufte.22 Er besaß eine Handschrift der Gesta Romanorum aus dem 15. ]ahrhundert,23 die für uns so wichtig ist, weil Quant auf den Vorsatzblättern bald nach 1500 Listen von Namen Landauer Einwohner eingetragen hatte - im ganzen rund 190 -, die ihm wegen geistlicher Verrichtungen Geld schuldig waren, eine bedeutende Quelle für die Familienforschung.24 lm Volkhardinghäuser Inventar von 1571 kommt eine Handschrift der Gesta Romanorum vor, auch im Salbuch von 1602, nicht jedoch im Inventar der Landauer Gemächer des 1597 gestorbenen Franz III. - Neue Landauer Linie. Also mag der Codex direkt aus der Hand des Pfarrers Quant nach Volkhardinghausen gelangt sein.
Noch einmal zurück zum Salbuch der Grafschaft Waldeck von 1602. 530 Bücher hatten die Beamten aus ganz Waldeck - ausgenommen Wildungen -zusammengetragen. Davon sind heute noch 155 Bände bzw. etwa 200 Titel erhalten. Rund 400 waren 1576 aus Volkhardinghausen gekommen. Aus der Zeit vor diesem Datum sind in der Hofbibliothek Arolsen 150 Titel in 113 Bänden vorhanden, die Differenz stammt aus der Zeit nach 1576. Heute lassen sich mit Sicherheit nur 38 Titel für Volkhardinghausen nachweisen. Ein trauriger Rest.

Kloster Flechtdorf

Noch schlimmer ist es freilich der Klosterbibliothek von Flechtdorf gegangen.25 Von deren einstigem Glanze - die Inventare nennen über 100 Bücher - zeugen nur noch klägliche Reste eines Antiphonales vom Ende des 15. ]ahrhunderts,26 das nach der Plünderung am 12. Oktober 1546 durch den Landdrost von Westfalen, Graf Bernhard von Nassau-Beilstein, als Einbandmakulatur für das Itinerarium Wolradi von 1548 sein trauriges Ende fand.27 So liest sich denn auch der Bericht des Beamten, der das Inventar von Volkhardinghausen für das Salbuch 1602 aufzunehmen hatte, recht melancholisch: "Der Kreutzgang. Mitt allen dabei gelegenen und zugehörigen Zellen und gemachen ist gantz und gar ledigk undt gar verwüstet befunden. Uffm Chor: Ein Predigtstuel. Etzliche Münchstüele so nichts werth. Ein thür vom Cohr hinwegk. Drey altezerbrochene glaßfenster [...]."

Buchauktionen in Arolsen

Zweimal haben die fürstlichen Büchersammlungen in Arolsen erhebliche Verluste hinnehmen müssen: einmal durch die Versteigerung der Bibliothek, der Kupferstichsammlung und der Gemälde aus dem Nachlaß der Fürstin Christiane (1725-1816) am 1. Mai 1820 und den folgenden Tagen, zum anderen durch jene Auktion, die am 16. Juni 1856 begann und die Geldnot des Fürsten Georg Heinrich lindern sollte. Beide wurden vom Arolser Bibliothekar, Buchhändler und Verleger August Speyer (1785-1865) generalstabsmäßig vorbereitet und abgewickelt. In seinem kleinen Verlag erschienen die Auktionskataloge; dies sind gewissermaßen die ersten gedruckten Kataloge von fürstlichen Buchbeständen. Wilhelm von Humboldt (1767 -1835) hatte als Student in Göttingen während seines durch sein Tagebuch28 berühmt gewordenen Besuches in Arolsen vom 19. bis 20. September 1788 auch der verwitweten Fürstin-Mutter Christiane seine Aufwartung gemacht. Er beschreibt sie als geistig rege und liebenswürdige Dame, die für ihr Alter sehr lebhaft und munter sei, außerdem bemerkt er mit Genugtuung, "dass der Fürst und die Fürstin die Künste und Wissenschaften lieben". Ihre Bibliothek, die sich Humboldt natürlich sofort ansah, "besteht aus etwa 6000 Bänden, und ist vorzüglich wichtig in Absicht auf Kirchenhistorie, Philosophie, und Naturgeschichte". Wenig später heißt es dann "[...] bemerkte ich manches ascetische Buch. In ihrem Cabinet lagen Bücher, Papiere unordentlich herum. Unter den Büchern fiel mir die sonderbare Wahl sehr auf [...]". Tatsächlich nahmen religiöse, kirchengeschichtliche und pietistische Werke mindestens ein Drittel der 3568 Titel, das sind über 10 000 Bände der umfassenden Sammlung, ein, die der Auktionskatalog29 ausweist. Wenn also Humboldts Schätzung von 6000 Bänden stimmt, muß Christiane seit 1788 in den ihr noch vergönnten 28 Jahren weitere 4000 dazuerworben und vermutlich auch gelesen haben. Fast die ganze Bibliothek bestand aus Titeln des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts, nur weniges reichte ins 17., so gut wie nichts ins 16. hinauf. Der durchschossene und mit den erzielten Preisen versehene Auktionskatalog läßt erkennen, daß so gut wie alles verkauft worden ist: 2144 Reichstaler und 2 Groschen wurden erzielt. Dabei lohnt ein Blick auf einige bekannte Titel: Nr. 3061 ist die allbekannte Topographia von Merian; 20 Teile in sechs Bänden erbrachten acht Taler. Büschings neue Erdbeschreibung von 1764, 9 Bände, Nr. 2890 des Kataloges, ging für vier Taler an die fürstliche Domänenkammer, die heutige Domanialverwaltung in Arolsen, in deren reicher Bibliothek sie sich noch heute befindet, zusammen mit manch anderem Buch aus Christianes Sammlung. - Der Büsching übrigens war Humboldt schon bei seinem Besuch aufgefallen.30
Zurück zur Auktion: August Speyer, damals noch fürstlicher Bibliothekssecretarius und zugleich um das Wohl seiner Firma besorgter Verleger, hatte treulich neben jedem Titel den Erlös vermerkt. Er steigerte übrigens für eine ganze Reihe auswärtiger Kunden; 1500 Taler hat er in Kommission ausgegeben, dies geht aus einem Brief Speyers an den Regierungsrat von Müller vom 8. Juni 1820 hervor. 31 Das ist eine interessante Geschichte, die zu erwähnen sich lohnt, weil sie ein Licht auf die nicht eben großzügige Behandlung Speyers durch die fürstliche Beamtenschaft wirft eines Mannes, der mit dem Erstellen des Kataloges und der Durchführung der Auktion ein riesiges Arbeitspensum für das fürstliche Haus erledigt hatte. 350 Auktionskataloge verschickte er an auswärtige Buchhändler und 50 an sonstige Privatleute. Das war nach den Gepflogenheiten des damaligen Buchhandels zwar für ihn nicht mit Kosten verbunden, der Versand erfolgte unfrei; als Gegenleistung hatte er aber die Portokosten für anderweitige Sendungen zu entrichten, die ihm von auswärts zugeschickt wurden. Es kam also im Grunde auf das Gleiche hinaus. Indem er mit dem Verschicken der Kataloge seine Firma eingespannt hatte, waren der Staatskasse Ausgaben erspart geblieben, im ganzen mehrere hundert Thaler, wie er in einem Brief vom 31.7.1820 an die Regierung berichtet. Er möchte, so bemerkt er submissest, wenigstens 50 Taler ersetzt bekommen. Dieses Ansinnen wird in der fürstlichen Kanzlei hin und her erwogen, man windet sich, fragt zurück, fordert weitere Stellung nahmen an. Ein unwürdiges Schauspiel. Schließlich wird dann doch mit einem Erlaß vom 5.10.1820 die Zahlung der 50 Taler angeordnet. Nicht nur durch die versandten Kataloge übrigens hatte Speyer auf die Auktion aufmerksam gemacht, er ließ auch Annoncen in die außerwaldeckische Presse einrücken, etwa in die Kasselsche Allgemeine Zeitung vom 13.4.1820, S. 427 und öfter, in die Frankfurter Oberpostamtszeitung, Beilage zu Nr. 71 vom 11.3.1820 usw. Für die Geschichte der Fürstlich Waldeckschen Bibliothek, in die auch manches Buch aus dem Besitz Christianes gelangte - französische Opernpartituren des frühen 18. Jahrhunderts, eine prächtige

Elzevier-Bibel (Kat. Nr. 226) in Folio von 1669,32

einiges Religiöse, einiges Naturwissenschaftliche -, für die Geschichte unserer Bibliothek also ist ein Brief des Rates Wilhelm von Hadel an den Ministerialen von Stockhausen vom 30.3.1819 von Bedeutung. Danach hatte Christiane wohl, wie nicht anders zu erwarten, Bücher aus der fürstl. Haus-Bibliothek, also der des Fürsten Friedrich, und einige vom Nachfolger Friedrichs, seinem Bruder Georg, entliehen. Es heißt da: "Die Bücher aus der Schloß-Bibliothek pflegen das fürstl. Wappen, die des verewigten Fürsten Georg aber nur die Buchstaben GW auf dem linken Deckel zu führen [ ...] ." Speyer fand neun GW-Titel und brachte die Angelegenheit in Ordnung. Da solche Supralibros viele Bücher der heutigen fürstlichen Bibliothek zieren, ist dieser Brief für die Provenienzbestimmung nicht unwichtig.
Einen viel gravierenderen Eingriff in die Substanz der fürstlichen Bibliothek stellt aber jene zweite Auktion dar, die August Speyer im Auftrag des Fürsten Georg Viktor vom 11. bis 16. Juni 1856 durchzuführen hatte. Zwar handelte es sich diesmal nicht um 10 000 Bände, denen freilich eine Reihe beigebundener Titel hinzuzufügen ist; verwunderlich genug übrigens, daß Speyer einmal Titel zählt und ein andermal Bände. Obwohl Speyer auch diesmal wieder in seinem Verlag einen sorgfältig erarbeiteten Katalog erscheinen ließ,33 gedruckt in der Weigelschen Hofbuchdruckerei in Mengeringhausen, und das Bändchen auch bibliographisch nachgewiesen ist, geriet diese Auktion völlig in Vergessenheit:'Die Akten34 lagen nicht, wie im Falle Christiane, im Waldeckischen Archiv, das seit 1897 an das Staatsarchiv Marburg abgegeben wurde, sondern bei den Waldeccensien, die in der Bibliothek verblieben. Dort waren sie in der Versenkung verschwunden. Dabei hatte Speyer wieder in bewährter Manier Reklame gemacht; auf dem Umschlag des Kataloges werden fast 200 Buchhandlungen in 117 Städten Europas aufgeführt, denen er offenbar je ein Exemplar geschickt hatte. Im übrigen nähmen ,,[...] sämmtliche Buchhandlungen und Antiquare des ln- u. Auslandes" Aufträge an.
Die Akten enthalten zwei Auktionskataloge, die in einander ergänzender Weise auf eingebundenen Blättern Angaben zu Käufern und erzielten Preisen enthalten, ob Bücher unverkauft blieben, ob sie vom Käufer zurückgeschickt worden waren, weil sie Schäden hatten, oder - horribile dictu - ob sie makuliert werden sollten. Der Katalogtitel spricht von "Doubletten der Fürstl. Waldeck. Hofbibliothek in Arolsen, welche, nebst vielen anderen, meist seltenen und werthvollen Werken versteigert werden sollen". Dubletten - das kann man noch nachvollziehen, aber die anderen seltenen und wertvollen Werke? Ein Brief Speyers an Georg Victor vom 28. Mai 185535 gibt Auskunft: "Eur hochfürstl. Durchlaucht gnädigem Befehl gemäß habe ich das Verzeichniß der aus höchstdero Bibliothek zum Verkauf bestimmten Doubletten so wohl, als auch des(!) aller im 15ten, 16ten und 17ten Jahrhundert gedruckten Werke bereits seit zwei Monaten beendigt [...]." Er spricht dann davon, in Leipzig (mit der Buchhandlung T. 0. Weigel) einen potentiellen Käufer gefunden zu haben, der alles en bloc erwerben wolle - was dann nicht geschah -, ein Emissionär der Leipziger Firma wolle kommen und sich die Bibliothek ansehen. Dann fährt er fort: "Bevor ich aber diesem Beauftragten die Einsicht zusage, halte ich es für nöthig bei Höchstderenselben unterthänigst anzufragen: ob ich auch recht verstanden habe, wenn ich annahm, daß nicht allein die in höchstdero Bibliothek befindlichen Doubletten, sondern auch alle vorräthigen, im 15ten, 16. und 17. Jahrhunderte gedruckten Werke, welche nur einmal vorhanden, mithin keine Doubletten sind, verkauft werden sollen? Wobei ich bemerke, daß grade unter letztern eine Menge seltene sind, die am besten bezahlt werden." Und am Rande steht die Antwort: "Das ist allerdings meine Meinung gewesen! Arolsen den 22. Juni 1855. Georg Victor p.m." Nebenbei bemerkt: Speyers letzter Halbsatz von den am besten bezahlten Werken trägt nun vollends zur Ernüchterung bei. Hatte man aus dem Beginn des Briefes noch etwas von der Sorge des Bibliothekars um die ihm anvertrauten Bücher - er hatte zu der Zeit den Titel Fürstlich Waldeckischer Hofbibliothekar - zu verspüren geglaubt, so blieb am Ende doch nur Beflissenheit.
Nach der Auktion berichtet Speyer dem Fürsten, wie die Angelegenheit verlaufen sei. In einem Brief vom 27. Juni 1856,36 der in der Abschrift eines seiner Angestellten erhalten ist, heiße es: "Die Bücherversteigerung ist am 16. d. geendet worden; fast alle die beßeren Werke sind und meist zu gutem Preise verkauft, wiewohl auch ein Theil derselben und eine ziemliche Portion, meist sehr werthloser und für die Stampfmühle geeigneter unverkauft geblieben ist [...]". Dann berichtet er stolz von dem Urteil eines Berliner Antiquars - Stargardt -, solche hohen Preise seien weder in Berlin noch in Leipzig zu erzielen gewesen. Schließlich teilt er dem Fürsten mit, er rechne mit etwa 800 Reichstalern brutto, und dann folgt der schreckliche Satz: ,,[...] die zum Zerstampfen demnächst bestimmten Bücher werden auch noch circa 10 Reichstaler eintragen[...]". Tatsächlich brachte die Auktion nach Abzug aller Unkosten - Speyers Honorar betrug 68 Taler - ganze 554 Taler und 27 ½ Groschen ein. Darin enthalten waren 21 Taler, 17 Groschen und 6 Pfennig für 10 Zentner und 35 Pfund "Makulatur" , gezahlt von der Wrexer Papiermühle. So steht es auf der letzten Seite eines der beiden Auktionskataloge. Zum Vergleich:

1809 und 1810 war Prinz Georg Heinrich, seit 1813 regierender Fürst auf Kavaliersreise in Dresden. Seine Miete dort für ein halbes Jahr betrug 150 Taler, für Tuch zu einem Frack mit Überrock bezahlte er 65,7 Taler.37

Es lohnt sich, bevor wir einen kurzen Blick  auf einige der verkauften Buchtitel werfen noch einen Augenblick bei den Zahlen zu verweilen, wobei noch einmal darauf verwiesen sei, daß vor allem im 15. und 16. Jahrhundert, dem Brauch der Zeit gemäß, vor allem kleinere Schriften mit einem größeren Titel in einem Buchblock vereinigt wurden, eine physische Einheit bildeten, ohne daß sie ihre bibliographische Selbständigkeit ganz aufgegeben hätten. So kommt das etwas unsichere Jonglieren mit den Zahlen zustande. Dies nur nebenbei. 61 Inkunabeln, also Drucke des 15. Jahrhunderts, 565 des 16. und 504 des 17. Saeculums waren angeboten worden. 91 des 15./16. Jahrhunderts und 56 des 16. blieben unverkauft. Davon wanderten 55 des 15./16. und 29 des 17. Jahrhunderts nach Wrexen, der Rest von 36 bzw. 27 Bänden wurde - aus welchen Gründen auch immer- zurück in die Bibliothek verbracht. Dort bildet er zusammen mit anderen Büchern dieser Zeitspanne, die offenbar nicht auf Speyers fürchterliche Liste gesetzt worden waren, den von uns heute sorglich gehüteten Altbestand der Fürstlich Waldeckschen Hofbibliothek.
Nun zu einigen der verkauften oder vernichteten Werke: Von Erasmus von Rotterdam (1465/66-1536), dem Fürsten des mitteleuropäischen Humanismus, bot der Katalog unter den Nummern 997-101418 Bände an, die 33 Titel enthielten, wobei zu bemerken ist, daß nicht alle beigebundenen Werke von Erasmus stammten; es sind unter anderem zwei Schriften von Plutarch darunter, ein Ulrich von Hutten, ein Sasger. Die erzielten Preise: zwischen drei und 27 Groschen. Zwei Bände blieben unverkauft, wahrscheinlich weil die Einbände -braunes, mit Einzelstempeln und Streicheisenlinien verziertes Kalbsleder über Holzdeckel - zu desolat waren, ein Zustand, in dem die schönen Bücher sich auch noch präsentierten, als die Gesamthochschule Kassel sich ihrer annahm: Ein gütiges Schicksal hatte sie vor Wrexen bewahrt. Zum Teil kamen die 18 Erasmus-Bände übrigens aus Volkhardinghausen. Einige wurden von Speyer für einen Prager Interessenten ersteigert, zwei für die Universitätsbibliothek Marburg - wo sie heute noch vorhanden sind -, in einem Fall, bei der Christiani matrimonii institutio, Basel: Froben 1526, hatte der Prager Interessent mit zwölf gebotenen Groschen gegenüber acht aus Marburg die Nase vorn. Ein Exemplar der "Schedelschen Weltchronik", Nürnberg: Koberger 1493, mit 9 Talern ausgezeichnet, blieb unverkauft, weil es defekt war; allerdings fehlt das Urteil Maculatur am Rand. Der Band wurde dann Anfang unseres Jahrhunderts verkauft.
Verkauft wurde für zusammen 8 Groschen Johann Bugenhagens (1485-1558), des Lutherfreundes Johannesbrief-Auslegung, Hagenau 1527, zusammengebunden mit Luthers Schrift von der "Babylonischen Gefangenschaft der Kirche" (1524); verkauft wurden Luthers "Galaterbrief-Kommentar" von 1524 mit angebundenen Titeln von Bugenhagen und Oecolampadius für 22 Groschen sowie zahlreiche weitere Lutherwerke, verkauft wurden viele Schriften der wichtigsten Reformatoren, darunter Melanchthon und Bucer.
Nicht alle diese theologischen und historischen Werke des 15. und 16. Jahrhunderts können aus dem Augustiner-Chorherrenstift Volkhardinghausen stammen: Dort waren, wie erinnerlich, nach den Inventaren von 1571, 1574 und bei Aufhebung des Stiftes 1576 nur - immerhin! -rund 400 Werke vorhanden, allein der Auktionskatalog weist aber schon rund 620 für diese Zeitspanne aus (allerdings bis Jahrhundertende gerechnet). Wo kommt die Differenz her? Kaum aus anderen Klöstern, wie wir sahen, manches wohl sammelte sich so en passant bei Hofe an. Darüber hinaus lag es nahe, in einer ganz bestimmten Richtung zu suchen: Graf Wolrad II. von Waldeck-Eisenberg (1509-1578), Humanist und Reformator seines kleinen Landes, war ein Mann, der den geistigen Auseinandersetzungen seiner Zeit dank charakterlicher Integrität und einer für seinen Stand außergewöhlichen Bildung wohl
gewachsen war. Erzogen im katholischen Lüttich, bekannte er sich doch früh schon zum evangelischen Glauben und wurde zu einem der treuesten Anhänger Luthers. Er hatte die Angewohnheit, Tagebücher zu führen, in nicht unüblem Latein übrigens. Zwei dieser Diarien sind veröffentlicht: die seiner Reisen zu den für die Reformationsgeschichte bedeutsamen Reichstagen in Regensburg 1546 311 und in Augsburg 1548.39 In diesen beiden Itinerarien hat er sich immer wieder mit der theologischen Literatur seiner Zeit,40 aber auch mit der klassischen und der Historiographie auseinandergesetzt; er zitiert gerne antike Autoren und humanistische Zeitgenossen. Schultze führte eine ganze Reihe von Büchern auf, die Wolrad besessen hat, eine beachtliche Bibliothek. Diese Vermutung wird durch ein Inventar bestätigt, das nun gefunden wurde.41 Es enthält rund 220 Titeleinträge. Da aber viele beigebundene und mehrbändige Werke dabei sind, kommt man auf beachtliche Zahlen. 27 Werke von Luther in über 40 Bänden sind darunter, manches von Spangenberg, Brentius, Huberinus usw., viel Andachtsliteratur, deutsche Ausgaben lateinischer Klassiker, Naturwissenschaftliches. Ein Vergleich mit dem Inventar von 1641 und dem Auktionskatalog von 1856 brachte nun allerdings das wenig befriedigende Ergebnis, daß Wolrads Bücher ganz überwiegend offenbar nicht in die Arolser Bibliothek inkorporiert wurden, ein Schicksal, das sie mit der Büchersammlung seines Enkels Christian (gest. 1637, jüngere Wildunger Linie) geteilt haben.42 Da hingegen einige wenige Reste von Wolrads Büchern - so wie auch von denen Christians - in der heutigen Fürstlich Waldeckischen Hofbibliothek nachweisbar sind, muß man eigentlich damit rechnen, daß sie bei der Zerstörung von Schloß Eisenberg 1621 durch die Hessen zum großen Teil vernichtet worden sind, wenn er sie nicht 1577 auf seinen Alterssitz in Eilhausen im Orpetal mitgenommen hat, wo sie dann verschwanden. Eines der zu verifizierenden Relikte ist eine handschriftliche Sammlung von Maximen und Auslegungen Wolrads von Bibelstellen zur christlichen Lebensführung.43 Möglicherweise aus Wolrads Besitz stammt die Mansfeldische Chronik des Cyriax Spangenberg von 1572,44 die Speyer in seinem Auktionskatalog unter Nr. 762 für 19 Groschen anbietet. Spangenberg hatte sie dem Grafen irn Erscheinungsjahr mit Begleitbrief zugeschickt. Das Buch blieb unverkauft, entging der vorgesehenen Makulierung und steht heute am angestammten Platz. Welches Schicksal Christians Bibliothek erlitten hat, ist noch nicht bekannt. Speyer hatte recht: Was da verkauft oder vernichtet wurde, wäre heute die Zierde einer jeden Bibliothek. Allein das Schrifttum aus der Reformationszeit war ein außergewöhnlicher Schatz. Aber das ist ja nicht alles! Das Entsetzen packt den Bücherfreund, wenn er den ominösen Katalog liest:

Paracelsus-Ausgaben von 1516-1584, die acht Bücher "geographicae enarrationis" des Claudius Ptolemaeus, hrsg. von Willibald Pirckheimer, Straßburg 1525, die Rostocker Ausgabe von 1592 des Reinecke Fuchs, Rüxners "Turnierbuch", Frankfurt 1566 in zwei Exemplaren - sie erbrachten übrigens je 4 Taler -, Johannes de Sacroboscos "Opus sphaericum", Köln 1508, oder "der Merian", die berühmte" Topographia Zeileri" , 31 Teile in 11 Bänden für stolze 17 Taler. Das muß übrigens tatsächlich eine Dublette gewesen sein, denn heute verfügt die Bibliothek noch über ein vollständiges Exemplar .

Schließen wir dieses traurige Kapitel mit der eigentlich noch deprimierenderen Feststellung, daß der offenbar weitgehend intakt gebliebene Buchbestand eines bis weit ins 16. Jahrhundert hinein blühenden Klosters und der eines gelehrten Landesherren mitten im aufgeklärten 19. Jahrhundert verschleudert wurden. Zwei einmalige Quellen zur Kulturgeschichte eines Landes wurden drangegeben, und das ist schlimmer als Bibliophilenschmerz.
Kehren wir noch einmal zurück zur Fürstin-Mutter Christiane, deren damals noch 6000 Bände umfassende Bibliothek Wilhelm von Humboldt am 19. und 20. September 1788 gesehen hatte. In seinem Tagebuch vermerkt er unter dem 19.45 bei der Beschreibung der Büchersammlung des regierenden Fürsten Friedrich, daß "[...] bald die Bibliothek der verwittweten Fürstin, und die des Prinzen Christian dazu stossen werden". Und diese Mitteilung Humboldts wurde fortan als fait accompli angesehen. Nach Christianes Testament von 1787 freilich46 sollten wohl das Naturalienkabinett, die Kupferstiche und II[...] die Bücher, welche auß beiliegendem Zettel [nicht beiliegend!] verzeichnet sind [...]", als Fideikommiß an Friedrich gehe die eigentliche Bibliothek aber an ihre Tochter Louise von Nassau. Doch wie es so geht,  es wurde nichts daraus. Im Juli 1806 schreibt sie: "Da mir die kleine Capitalien genommen; sind, so bleibt nichts übrig, als meine Schulden zu bezahlen, als das Verkaufen meiner Mobilien, meiner Bücher [...]". Ein Glück nur, daß Friedrich offenbar doch einiges wenige von der Mutter übernommen haben muß. Christiane aber, die 1788 dem 21jährigen Wilhelm von Humboldt als "bald" reif für einen Erbfall vorgekommen war, lebte bis 1816, vier Jahre länger als ihr Sohn. Auch mit der Bibliothek des erwähnten Prinzen Christian August (1744-1798), des jüngeren Bruders von Friedrich, wurde es nichts oder doch fast nichts. Der begeisterte Antikensammler Christian, der österreichische General und spätere Generalfeldmarschall von Portugal, ist in der Literatur vor allem durch seine aus Neapel datierende Bekanntschaft mit Goethe zu kleinem Ruhm gelangt: Er verfolgte den Dichterfürsten geradezu, wie wir das dem Italienischen Tagebuch und Briefen entnehmen können.47
Christians zu versteigernde Bibliothek in seiner Wiener Wohnung umfaßte 113565 grosse und kleine Werke in 7160 Bänden".48 Vertreten waren die Fächer Militaria, Geschichte, Geographie, Reisebeschreibungen, Archäologie, Religion, Mythologie, Philosophie, antike und zeitgenössische, z. T. wissenschaftliche Autoren. Militaria, die Archäologie und die antiken Autoren bildeten die Schwerpunkte.49 Die Versteigerung erfolgte 1799 und 1800. Auch bei ihm gab es Schwierigkeiten mit dem Testament.50 In dem 1787 in Arolsen verfaßten Letzten Willen heißt es unter Nr. 2: "Von der Bibliothek soll der regierende Fürst, was er deren braucht, der seinigen einverleiben, das übrige soll der Frau Herzogin von Nassau [der Schwester Friedrichs] zufallen [...]." Wieder lief nicht alles so, wie geplant und testamentarisch verfügt, wieder aus dem ~eichen Grund: Schulden. Am 3. Mai 1814 berichtet der fürstliche Rat Georg August Frensdorff aus Arolsen vom Bezahlen der Schulden Christians aus dessen zu verkaufendem Nachlaß. Bei den Büchern aber gab es Schwierigkeiten: "Von den Büchern hat der Portugiesische Gesandte in Wien, Commandeur de Lirna, in Rücksicht seiner geleisteten Dienste [...] verschiedene schätzbare Werke bekommen. Die andern sind, der testamentarischen Verfügung gemäß, dem Fürsten und der Frau Herzogin von Nassau zu gefallen. Von den Büchern und Karten die hierherkommen, hat aber auch der hochsel. Fürst etwas zu sich genommen [Friedrich oder Georg?]. Der verstorbene Bibliotheksaufseher Reg. Rath Bunsen hat alles dieses besorgt, davon aber kein Verzeichnis zurückgelassen; und es bleibt jetzt wohl nichts anderes zu thun übrig, als daß man die Absonderung nach den Bänden und Wappen etwa mit Zuziehung des Wiener Catalogs [des Nachlaßinventars von 1798] so gut wie möglich zu bewirken suche. Von den Büchern die I. D. die Frau Herzogin erhalten, habe ich in Wien ein Verzeichnuß gemacht, welches bey den Acten liegt. Die Frau Herzogin hat dem aber nur weniges gewählt; der Überrest ist in Wien offenlich verkauft[ ...] ."51
Demnach umfaßte der gedruckte Wiener Katalog bei weitem nicht die ganze Büchersammlung Christians, sondern nur jenen Teil, der nicht nach Arolsen und an die Herzogin von Nassau gegangen war; oder wurden die für Arolsen bestimmten Werke zwar mit in dem Katalog verzeichnet, aber von der Auktion ausgenommen? Ferner sind nach 1814 dieser Aussage gemäß viele von Christians Büchern und Karten wieder aus der fürstl. Bibliothek ausgesondert worden. Wieviel letzlich, weil unauffällig, in Arolsen blieb, ist noch nicht klar. Ins Auge springend nur der großformatige, aber in einen unauffälligen Pappband gebundene Katalog der von Wilhelm Tischbein und seinen Schülern gestochenen Harniltonschen griechischen Vasensammlung in Neapel, der Christians handschriftlichen Besitzeintrag enthält. Vorhanden sind die ersten beiden Bände dieses vierteiIigen Werkes.52 Aber was ist das schon gegen Jenen Schatz, der ernst vorhanden war!

Die Schaumburgische Lesegesellschaft

Im Raum II der fürstlichen Bibliothek, und zwar in der Abteilung Deutsche Literatur, stehen knapp 50 unscheinbare, beigefarbene Pappbändchen in Kleinoktav, die weder zu ihren Regalnachbarn in goldverzierten Ganz- und Halbledereinbänden noch zu den ebenfalls nicht seltenen originalen Verlegerbroschuren passen wollen; dazu kommen einige in Raum I und III: Schlägt man sie auf, springt sofort eine handschriftliche Liste mit Namen und Tagesdaten ins Auge, mit geübter Feder auf den vorderen Spiegel und das Vorsatzblatt eingetragen. Darüber steht dann meist "Gehört zur Lesebibliothek zu Schloß Schaumburg" oder ähnliches. Diese Einträge reichen, soweit bislang bekannt, von 1781 bis 1817. Auf die Gefahr hin, heftigen Widerstand bei der zünftigen Wissenschaft auszulösen, sei die Aussage gewagt, daß es sich nicht durchweg um allererste Literatur handelt, die da zirkulierte: Erbauliches, Unterhaltliches, gelegentlich ein bißchen Grusliges, auf jeden Fall staatspolitisch Unverfängliches - das war's, was Serenissimus und die Mitglieder der Hofgesellschaft in der Hauptsache lasen. 1809 hatte man z. B. Friedrich Launs Roman "Der Mädchenhofmeister, oder: das Buchzeichen Ein Seitenstück zu dem Manne auf Freiers Füßen", Freiberg 1800, gekauft,53 1783 Sophie von La Roches "Briefe an ihre Freundinn Mariane von St**" , Band 2, Frankfurt und Leipzig 1781,54 im Jahre 1794 Christian Friedrich Thormeyers Opus "Theodor's Morgengespräche mit seinen Freunden, der bedrängten Menschheit gewidmet" , Halle 1792,55 und so weiter. Das meiste trägt eindeutig Journalcharakter. Aber eben nur das meiste! In der Ausgabe von Georg Christoph Lichtenbergs" Vermischten Schriften" Band 1, hrsg. von Ludwig Christian Lichtenberg und Friedrich Kries, Göttingen 1800,56 einem Bändchen, das auf Schloß Schaumburg 1801 zirkulierte, finden sich auf dem vorderen Spiegel vor der eigentlichen Leserliste Einträge. Erst kündigt der Schreiber der Liste an: "Zugleich mit Schilters Jungfrau von Orleans." Dann schreibt Pfarrer Caesar darunter: "Schillers Jungfrau von Orleans ist nicht mit diesem Bande angekommen; auch habe ich sie noch nicht vorher erhalten. Caesar." Vermutlich war für die Schloßbibliothek also die erste Ausgabe des 1801 erschienenen Schillerschen Dramas gekauft worden. Ein solcher Band ist in der heutigen Hofbibliothek Arolsen nicht vorhanden. Kann daraus geschlossen werden, daß Teile der Lesegesellschafts-Lektüre verlorengegangen sind?
Fast scheint es so. Wir haben sicher mit mehr zu rechnen als mit den schütteren 50 Titeln, reichen doch die auf einigen Buchrücken erhaltenen Nummern bis um die 80. Ein Lesezirkel beachtlicher Größe hat sich da in und um Schaumburg zusammengefunden: Bei einem der ersten Bände, nämlich der 3. Auflage der anonym erschienenen "Physiognomischen Reisen [...]", Altenburg 1781,57 waren es 19 Leser, die den Band jeweils 14 Tage bekamen, vom 18. Januar 1783 bis zum 15. Oktober; bei Veit Webers 2. Auftage seiner I/Sagen der Vorzeit", Frankfurt und Leipzig 179258- die Sagen hören auf die beziehungsreichen Titel "Männerschwur und Weibertreue", "Der Harfner" und "Das Ritterwort" -, bei Veit Weber also waren es über 30 Personen, welche sich diesen Genuß nicht entgehen lassen wollten und vom 13. Dezember 1792 bis zum 3. April 1794 lasen, an welchem Tage vermerkt ist "[...] zur Bibliothek" zurück. Serenissimus bekam häufig 14 Tage Verlängerung. Zu einem Außenseiter in der sonst schöngeistigen Umgebung, dem ungemein trockenen Titel"Wichtige bisher noch ungedruckte Acten-Stücke aus dem Religions-Proceße des Prediger Schulz zu Gielsdorf", erschienen 1794,59 findet sich aparterweise der Vermerk: "Zirkulirt wegen seines gröbern Drucks, weil sich's geschwind weg liest, wie ein Journal 7 Tage personne," und dann nach der Leserliste noch einmal "[...] es wird um jedesmalige accurate Versendung um so angelegentlicher gebeten als sie ein nothwendiges Mittel zur fortdaurenden Bestehung unserer Lesegesellschaft ist". Das ist ganz moderne Bibliothekspraxis, wo es für Zeitschriften, wenn überhaupt, nur eine verkürzte Leihfrist gibt.
Wer waren die Leser? Außer dem Fürsten und - manchmal - der Fürstin und einmal einem Prinzen finden wir den Pfarrer Manderbach, den Hofrat Hupfeld, den Jäger Pabst, Rentmeister Wenzel usw. Dank einer sehr gründlichen familienkundlichen Arbeit zur Einwohnerschaft im Schaumburger Land60 können wir die Mehrzahl der Leser dingfest machen, wesentliche Grundlage für die Beschäftigung mit der gesellschaftlichen Komponente der Angelegenheit.
Nun zu der bislang zurückgestellten Frage, wie die Bücher von Schloß Schaumburg an der unteren Lahn nach Arolsen kamen -und um dieses nassauische Schaumburg handelt es sich, nicht etwa um die Grafschaft Schaumburg an der Weser. Ein kurzer Blick auf ein Segment der Geschichte jener hoch über der Lahn an der Straße von Limburg nach Bad Ems thronenden Burg läßt sich nicht vermeiden: Für uns relevant wird diese Geschichte erst Anfang des 18. Jahrhunderts, als Fürst Viktor I. Amadeus von Anhalt- Bernburg Schloß Schaumburg erbte. Diese Linie nannte sich fortan Anhalt-Bernburg-Schaumburg. Er starb 1772;61 seine Nachfolger Karl Ludwig und ab 1806 Viktor II. Karl Friedrich sind die Serenissimi unserer Lesegesellschaft. Als der letztere 1812 starb - von da an taucht nur noch seine Witwe in den Leserlisten auf -, hinterließ er vier Töchter, von denen die erste, Hermine, den Erzherzog Joseph von Österreich heiratete, den Bruder des Kaisers Franz I. Aber auch die drei anderen sind in dieser Geschichte wichtig: Die zweite Tochter, Adelheid (1800-1820), und die vierte, Ida (1804-1828), wurden nacheinander die Gemahlinnen des Großherzogs von Oldenburg, während Tochter drei, Emma (1802-1858), den Fürsten Georg von Waldeck und Pyrmont heiratete. Hermine erbte Schaumburg. Ihr Sohn, Erzherzog Stephan von Österreich, wie sein vater Palatin von Ungarn,62 verscherzte sich die Gunst seines kaiserlichen Vetters, als er sich 1848 auf der einen Seite zu sehr für ungarische Unabhängigkeitsbestrebungen einzusetzen schien, und er verscherzte sich ein gut Teil Ansehen bei den Ungarn, weil er andererseits zu sehr die habsburgische Sache vertrat. Er wurde vom Kaiser des Landes verwiesen und auf das von seiner Mutter geerbte Schloß Schaumburg verbannt. Alsbald begann er, die Burg umzubauen, legte eine Münzsammlung und eine Bibliothek an und bestätigte sich caritativ. In seinem 1859 abgefaßten Testament vermachte er die Burg dem Prinzen und nachmaligen Großherzog Georg von Oldenburg, die Bibliothek aber seinem Bruder Joseph. Besonders erwähnt er in dem Testament63 die Schaumburgische Schloßbibliothek, worunter wir sicher die alten Anhalt-Bemburgischen Bücher, mithin auch die unserer Lesegesellschaft zu verstehen haben. Sie seien im Katalog besonders gekennzeichnet; falls also der Erbe der Burg - die Oldenburger - darauf Anspruch erhöben, könnten sie sie leicht herausfinden. Er befürworte allerdings, diese Bände bei der übrigen, also seiner eigenen Büchersammlung zu belassen und sie ebenfalls dem Bruder zu übergeben. Die Anhalt-Bernburgischen Bücher verblieben aber nach dem Tode Erzherzog Stephans im Jahre 1867 offenbar auf der Burg; diese gelangte auch nicht in den Besitz der Oldenburger, sondern entgegen der testamentarischen Bestimmung und nach einem über 20 Jahre währenden Rechtsstreit an die Nachfahren der dritten Anhalt-Bernburgischen Prinzessin, die, wie erinnerlich, einen Waldecker geheiratet hatte, und damit an das Haus Waldeck-Pyrmont. So wurden die Bücher um die Jahrhundertwende - wann genau, ist noch nicht sicher, jedenfalls vor der Katalogisierung der Hofbibliothek Arolsen - an ihren heutigen Standort verbracht. In den achtziger Jahren unseres Jahrhunderts wurde die Burg verkauft; über den Verbleib der einst sicher noch vorhanden gewesenen Akten zu unserer Lesegesellschaft ist nichts bekannt.

Die Glanzzeit der Bibliothek: Das 18. Jahrhundert

Für die Jahre 1726-1730 liegen im staatsarchiv Marburg64 die Abrechnungen über die "erhobenen herrschaftlichen Bibliothec-Gelder" des Hofrats Joachim Christoph Nemeitz vor. Worum es im einzelnen geht, macht ein Erlaß des regierenden Fürsten Carl August Friedrich (reg. 1728-1763) vom 5. Dezember 1730 deutlich, mit dem er die Prüfung der Nemeitzschen Abrechnungen anordnet:

"Demnach es nöthig ist, daß die von unserem Regierungs-Rath Nemeitz und lieben Getreuen, Vermög unsers in Gott ruhendenHerrn Vatters [Anton Ulrich] Gnaden ertheilten Befehle, zu Vermehrung unserer Hoff-Bibliothec, auch Anschaffung der Musicalien, Instrumenten und anderer dahin gehörigen Nothwendigkeiten, in Empfang genommene Gelder, vor dessen Abreyße ordentlich berechnet werden [...]."

Über die Musikalien wird andernorts gehandelt; wichtig für uns ist die Feststellung, daß schon unter Anton Ulrich ein offenbar regelmäßiger Vermehrungsetat bestanden hat. Es liegen bei der Akte die Lieferscheine bzw. Rechnungen der Buchhändler, mit denen Nemeitz verkehrt hat - meist Förster in Frankfurt oder Gleditsch in Leipzig -, und, was noch interessanter als die ohnehin bekannten Buchpreise ist, die Rechnungen der durchweg aus dem heimatlichen Waldeck stammenden Buchbinder. Am 6. Dezember war man mit der Rechnungsprüfung durch - 363 Reichstaler Ausgaben, verbleibendes Guthaben 49 Taler -Nemeitz wurde entlastet. Und dann werden wir über die Quellen informiert, aus denen diese Gelder kommen: "Die Einnahme bestehet in jährlich 100 rthlr. halb aus der Kriegs- und halb aus der Pyrmonter Brunnen Cassa." Aus der Kriegskasse! Wie sympathisch, daß wenigstens 50 Taler nicht für Militärisches ausgegeben wurden. Dann folgt die Information, daß die jährlich fälligen je 50 Taler zwar regelmäßig aus der Kriegskasse, aus der Brunnenkasse aber nur 1726 und 1729 geflossen seien.
Nemeitz hat säuberlich alle Ausgaben für gekaufte Bücher, Musikalien und die Ausgaben für Buchbinder addiert - das Verhältnis ist, grob überschlägig, 10-15 zu 2 zu 1 -, und die von ihm aufgeführten Titel korrespondieren mit den Originalrechnungen. Viele Bände - durchweg Neuerscheinungen -lassen sich im heutigen Arolser Buchbestand nachweisen; nebenbei bemerkt sind einige an Nemeitz gerichtete Rechnungen überhaupt nicht zu verifizieren, so daß man versucht ist zu glauben, es handele sich hierbei um Bestellungen für seine Privatbibliothek, die ja nicht unbedeutend war .
Die Bibliothek Friedrich Anton Ulrichs und seines Nachfolgers Carl August hatte ein völlig anderes Profil, als es der eminent belesene Friedrich oder auch sein Bruder Georg für ihre Sammlungen realisierten. Man kaufte damals juristische Literatur, staatspolitische Schriften und Journale, wohl auch Historisches und Enzyklopädisches, Andachtsliteratur und weniges Poetische. Es waren in der Hauptsache Werke wie - um die Rechnung des Buchbinders Jost Henrich Jäger aus Mengeringhausen vom 27.8.172865 zu zitieren - Lünigs "Thesaurus juris corniturn" von 1725,66 Bindkosten 24 gr., oder die übliche "Staats Cantzley 47, 48, 49 theil"67 Bindekosten ebenfalls 24 gr., oder Lünigs "Corpus juris feudalis" in zwei Bänden,68 Bindekosten 1 Taler 12 gr., das Werk selbst übrigens kam bei Förster -natürlich ungebunden - 1728 auf 8 Taler; alle diese Bücher wurden gebunden in helles Pergament über Pappen, z.T. mit den grünen Bandschließen. Da wir bereits im 18. Jahrhundert sind, wenn auch erst dessen Anfang, dürfen wir mit Fug und Recht auch die nun modern werdenden Halb- oder Ganzlederbände mit Goldverzierung und Buntpapierüberzügen bzw. -spiegeln und -vorsätzen erwarten. So stellte denn auch Johann Georg Jäger aus Korbach zum Beispiel für Lünigs "Corpus juris militaris in folio"69 für 24 gr. einen Franzband her; Johann Conrad Ritter quittiert mit ungelenker Hand und ohne Datum Johann Casparsons, des Vaters unseres Kasseler Carolinum-Professors "gespräche in dem Reiche derer todten 6 bände in frantzband Ein gebunden ist von jedem bande Ein zubinden 16 gr. Macht 2 rthlr. 24 gr."; das Werk ist 1720-1737 erschienen.70 Nach einer weiteren Rechnung kostete ein Band aber nur 16 gr . Für Band 9 dieses Werkes hat Nemeitz 2 Taler laut Abrechnung vom Jahre 1730 bezahlt. Dies ist etwa die stets wiederkehrende Relation Buchhändlerpreis - Bindepreis.
Geordnete Verhältnisse herrschten also zu Friedrich Anton Ulrichs und zu Carls Zeiten. Dennoch wurden die Buchbestände im Schloß nicht nur sozusagen offiziell über den vorgesehenen Etat vermehrt: So erhielt Louise (1678-1753), Witwe des 1728 verstorbenen Friedrich Anton Ulrich, nach einer Rechnung von 1748 in den Jahren 1742 und 1743 in Pyrmont 19 Werke zum Gesamtpreis von 22 rthl., fast alles deutsche Andachtsliteratur Riegers "Herz-Postill", Rambachs "Rath Gottes von der Seligkeit" -, aber auch Reisebeschreibungen wie den "Fatalen Schiffs Capi-taine" .71 Die Bücher sind übrigens heute nicht mehr in Arolsen vorhanden.
Carls Gemahlin Christiane - von ihrer reichen Bibliothek, die seit 1776 in ihrem neuer- bauten Witwenpalais stand, war schon oben die Rede - Christiane bestellte ebenfalls außerhalb des festen Bibliotheksetats. Von der gleichen Försterschen Buchhandlung in Hannover mit Büro in Pyrmont, die schon an Louise geliefert hatte, bezog sie 1755 in pyrmont französische Werke im Werte von 13 rthl., und Carl hatte lateinische, deutsche und französische Titel für 63 rthl. geordert - beide bezahlten prompt. Auch spätere Rechnungen, die sich z. T. bis auf 150 rthl. beliefen, werden bald beglichen oder doch wenigstens mit einer Abschlagszahlung bedacht. Dieses Verfahren empfahl sich generell auch aus der Sicht der Buchhandlung, denn Förster schickte bisweilen zur Ansicht: Am 20. Juli 1755 bestätigt die Firma den Eingang einer Zahlung von 24 rthl. auf eine Rechnung von 128 Talern - meist Französisches -,,[...] weil von obigen Büchern vermuthlich einige möchten wieder zurückgegeben werden [...]". Daneben blieb aber die Bestellung nach Buchhandlungskatalogen die Regel. Das Interessante an den von 1748-1774 dauernden recht reibungslosen Geschäftsbeziehungen zwischen der Försterschen Buchhandlung und dem fürstlichen Haus72 sind nicht nur die Rechnungen mit den Titeln, von denen sich viele - bis auf die an Christiane gelieferten -in der heutigen Bibliothek wiederfinden, sondern die begleitenden Briefe, in denen der Buchhändler, das ist später der Angestellte Conradi in Hannover, auf einige der gelieferten Werke eingeht. Er berichtet etwa 1771 über die annoymen Autoren im Leipziger Musenalmanach: ,,[...] und haben sich verschieden hiesige Männer zu entdecken vergebens bemühet [...]". Auch der "Göttinger Musenalmanach" wird so behandelt. Förster hatte übrigens allen Grund, sich mit dem Fürstenhaus gut zu stellen, denn zumindest das Pyrmonter Standbein der Firma war von Waldecker Gunstbezeugungen abhängig: Am 16.7.1755 wird um das Privileg gebeten, zwölf oder fünfzehn Jahre während der Brunnenzeit in pyrmont Bücher verkaufen zu dürfen. Aus diesem Grund habe man dort "zwei Boutiquen" gebaut. Am 30.12.1773 teilt er übrigens dem Fürsten Friedrich mit, daß die Buchhandlung an Helwing in Lemgo käuflich übergehe. Helwing schickt ihm am 11.9.1774 von Lemgo aus die "Memoires de Petrarque" als Morgengabe für die nun erhofften guten Beziehungen, doch Friedrich hat seinen Stolz. Er antwortet: "Dieses Werk habe ich zwar nicht, aber eben so wenig habe ich auch von Herrn Helwing einigen Dank verdienet." Er wollte dem Buchhändler nicht verpflichtet sein, und dazu hatte er allen Grund.

Bei Friedrich wurde nämlich alles anders

Vom Beginn seiner Regierungszeit an (1766) bis zu seinem Tode (1812) hat er zwar fast wie besessen Bücher gekauft, aber so gut wie nie pünktlich - wenn überhaupt - bezahlt. Auf das Bild dieses in der Literatur gemeinhin als gütig, edelmütig und freisinnig gezeichneten Fürsten73 fällt ein dunkler Schatten, denn seine hinlänglich bekannte Schuldenmacherei war kein Kavaliersdelikt, wie dies gelegentlich beschönigend dargestellt wird. Der Briefwechsel mit der Buchhandlung Johann Georg, später Friedrich Esslinger,74 liest sich geradezu ergreifend, denn Esstingers Briefe sind ein einziges Lamento über die mangelnde Zahlungsmoral des Fürsten bzw. des Regierungsrates Georg August Frensdorffs in Arolsen, schier unerschöpftich ist die Palette der Bitten, Beschwörungen, Klagen in den verzweifelten, bitteren, resignierten Briefen. Frensdorff antwortet einfach nicht. Am 15.3.1765 heißt es "[...] den 11ten dieses in einen Arrest [Schuldhaft] gerathen [...]", am 31.10.1769 " [...] geschrieben im Arrest, weil ich nicht bezahlen kann [...]", am 8.5.1774 "[...] als hätte ich groses Unrecht mich zu beklagen [...]", am 3.10.1777 "[...] Gott bewahre Jedermann vor dergleichen Correspondenz [...]."
Ähnlich, wenn auch nicht ganz so drastisch sieht der Verkehr mit Friedrichs anderen Buchhändlern aus: Mit Pierre Gosse jun. & Pinet im Haag,76 wo französische Literatur gekauft wird, mit der schon erwähnten Helwingschen Buchhandlung in Hannover,77 von der nach einer Aufstellung von 1804 ca. 450 Titel, darunter viele mehrbändige Werke und Zeitschriften geliefert wurden; ferner mit Treuttel & Würtz aus Straßburg,78 Frederic Staatman im Haag,79 vor allem aber Johan Friedrich Hemmerde in Kassel,80 von dem Friedrich die berühmte Enzyklopädie von Diderot/d' Alembert in Lieferungen bezog, sowie mit Friedrich Nicolai,81 dem berühmten Berliner Aufklärer, Schriftsteller, Verleger und Buchhändler (Kat. Nr. 250). Nicolai (1733-1811)82 wäre nicht Nicolai, wenn er nicht gelegentlich seine Briefe an den Rat Frensdorff mit Bemerkungen zur Literatur seiner Zeitgenossen würzte, und wäre er selbst dieser Zeitgenosse. Er hatte dem Fürsten den 1. Band seines dreibändigen Romanes "Leben und Meinungen des Herrn Magisters Sebaldus Nothanker (1773
-1776)" mit Widmung geschickt.83 Nun schreibt er am 18.2.1775 - neben einer Bemerkung darüber, daß der Kasseler Rat Rudolf Erich Raspe gerade in Berlin sei (davon gleich mehr) - er schreibt also
"Daß sich die schönen Leserinnen in Arolsen, die freuden [sir!], ist mir gewiß sehr angenehm. Vermelden Sie Ihnen meinen ergebensten Dank dafür, besonders derjenigen die sich nach der Fortsetzung der Geschichte des Sebaldus hat erkundigen wollen. Sie wird zwar auf Ostern erscheinen, diese Fortsetzung, aber ich zittere dafür, wenn sie in die Hände der Frauenzimmer kommen wird. Sie erwarten vermuthlich das Leben zu lesen, und der 2te Theil ist voll von Meinungen, die das schöne Geschlecht [...] nicht interesssiren werden [...]".

Von Nicolai bezieht der Fürst natürlich Nicolaische Verlagsprodukte, aber auch sonst ganz überwiegend deutsche Literatur.

Kat. Nr. 250: Das Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker. 3 Bde. 1773-76

Drei Zahlen zu den vom Fürsten aus Verlags- und Meßkatalogen bestellten Büchern: 1780 sind es 105 Titel inklusive Fortsetzungen, 1781 79, 1782 dann 91 usw. Nicht nur indirekt über seine literarisch interessierten Buchhändler und die Bücher selbst natürlich hielt Friedrich Kontakt zum Geistesleben seiner Zeit. Im Staatsarchiv Marburg haben sich Briefe zahlreicher Schriftsteller und Gelehrter nach Arolsen erhalten.84 Zwei Briefe bedeutender Kasseler Literaten sollen hier mitgeteilt werden: Einmal von R. E. Raspe (1736-1794), dem bedeutenden Bibliothekar und Schriftsteller, Aufseher des fürstl. Antiquitäten- und Münzkabinetts, welch letzteres er dahin interpretierte, daß er, als ihm der Landgraf fortgesetzt das Salär schuldig blieb, 1775 mit der Münzsammlung durchging.85 Was ihn jedoch wirklich unsterblich machte, waren seine im englischen Exil geschriebenen Münchhausen-Geschichten, die Gottfried August Bürger 1786 in deutscher Bearbeitung bekannt machte.

Dieser Raspe schrieb Briefe an Frensdorff,86 in denen er sich u. a. über Kasseler Verhältnisse beschwert und Arolser rühmt. Am 15.2.1773 heißt es: "Heute vor 8 Tagen kahmen [...] Landgr. Durchlaucht, und hochdero Gemahlin [ ... ] zu Weißenstein an. [...]. Sie können sich nicht vorstellen was für dummes zeug bei der Gelegenheit unsere Poeten gemacht haben. Rosen [ ... ] ließen sie durch fieffen Schnee hervorkommen [ ... ], andere heraldisch-witzig ließen sich Löwen und Adler gatten und freuten sich ihrer künftigen engeance. Kurz es ist mit unserer LandesPoesie ein jämmerlich elend Ding." Und da sucht er nun Kühlung an Frensdorffs Brust. Der andere Autor ist J. W. Chr. G. Casparson (1729-1802),87 unter Landgraf Friedrich II. und später in Kassel hochgeachtet - freilich nicht von Raspe, denn auch Casparson war so ein Festgedichteschreiber! -, Literat und Verfasser praktisch-technischer Schriften. Auch er beklagt sich über Kassel und hofft auf Arolsen. Den 3.11.1773 heißt es:

"[...] Klopstock wird sich über Cassel verwundern, die herrschende französische Le-serey, der niemand mehr ihren wahren Werth laßen mag als ich, hat mich eht genöthigt den Leuten hier zu sagen daß nie Klopstock existirte. Von hier bekommt Er also der Subscribenten wenig. Sollten nicht dort [in Arolsen] noch einige zu haben seyn?" Übrigens und nebenbei: Der Brief des Abenteurers Alessandro Cagliostro (1743-1795)88 an Friedrich, der sich im Staatsarchiv Marburg erhalten hat,89 stammt nicht von ihm, sondern von seinem Sohn, und dieser Sohn bittet ganz flehentlich um Hilfe für seinen Vater, der in Rom - übrigens nicht ganz zu Unrecht -einsaß. Geschichten, die man schier unendlich so fortspinnen möchte. Jede neue kann das Bild, was wir von dieser Bibliothek haben, zurechtrücken. Aber keine wird den Grundtenor verändern, den hierzulande einmaligen und bis heute fortschwingenden Einklang der schönen Künste in Arolsen. Es ist das Gewachsene dieser Büchersammlung, die Geschichte, in der jedes Buch hier steht, die ihren wahren Wert über das kostbare Individuum hinaus erst so recht reizvoll machen.


Anmerkungen

Vorbemerkung: Die Fürstlich Waldeckische Hofbibliothek (FWHB) besteht aus rund 35.000 Bänden. Dabei handelt es sich um etwa 34 % Monographien aus dem 19. und 63 % aus dem 18. Jahrhundert. Der Rest verteilt sich auf das 15. bis 17. und das 20. Saeculum. Von dem nicht unbedeutenden Zeitschriftenbestand entfallen 46 % auf das 19. und 54 % auf das 18. Jahrhundert. 50 % der Monographien sind deutschsprachig, 40 % französisch, 8 % englisch und 2 % lateinisch; bei den Zeitschriften sind nur 10 % französisch, 5,5 % englisch und 3,5 % holländisch. Das meiste übrige ist deutsch. Die seit etwa 1840 kaum wesentlich mehr erweiterte Bibliothek enthält Literatur aus fast allen damals vorherrschenden Wissensgebieten. Die Schwerpunkte liegen jedoch bei den Fächern Geographie, Geschichte, Theologie, Literatur und Militaria. Hervorzuheben sind besonders die 75 m Länder- und Reisebeschreibungen. Die Bibliothek ist seit der Jahrhundertwende in vier ineinander übergehenden hohen Räumen im Erdgeschoß des westlichen Seitenflügels untergebracht; zuvor war sie auf drei Räume beschränkt. Vgl. StAM l18 a 2498, Schreiben der Bibliothekare Kleinschmidt und A. Speyer vom 17.10.1812 an den Fürsten: "3 Räume [im westlichen Verbindungstrakt]. wovon beim ersten beyde Fenster nach den Arcaden gehen[...]." Im Raum IV der jetzigen Bibliothek waren bis ca. 1897 auch die Antiken und Münzen untergebracht. Erst danach konnte sich die Bibliothek auf die heute noch genutzte Fläche ausdehnen; s. Speyer, August: Einige Worte über die Fürstliche Bibliothek in Arolsen, in: Waldeckische gemeinnützige Zeitschrift 1, 1837, 5.203-211. Hadeln, H. Freiherr v.: Die Fürstlichen Sammlungen im Residenzschlosse zu Arolsen, in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont 1, 1901, S. 115-122, hier S. 120. Weinitz, Franz: Das Fürstliche Residenzschloß zu Arolsen. Leipzig 1907, S. 42. Mit dieser Erweiterung ging die Vergabe der standortgebundenen Signaturen einher, die sich aus der Nummer des Raumes (I-IV), der Regalbrettnummer, systematischer Feingliederung (a-g) und laufender Titelnummer pro Brett zusammensetzen. Anfang unseres Jahrhunderts wurde der Bestand katalogisiert (Akten der Fürstl. Hauptverwaltung Arolsen, XXI. Bibliothek und Sammlungen Bd. 2, No.2, Fach 20: v. Keller berichtet 1904/05 über seine Katalogisierung der Bibliothek in Zettelform -in gestörter Ordnung erhalten -, auf dem der dann wohl in den 20er Jahren angelegte Bandkatalog aufbaute.). Dieser Bandkatalog wurde jetzt von der Gesamthochschul-Bibliothek Kassel durch einen modernen Katalog ersetzt. Die Mittel dafür stellten die VW-Stiftung und die Kulturstiftung des Landes Hessen zur Verfügung.
2 Monasticon Windeshemense. Wilhelm Kohl u. a. (Hrsg.), T. 2: Deutsches Sprachgebiet, Brüssel 1977, 5.437-449: Volkhardinghausen (Karl Heinemeyer) (Archives et Bibliotheques de Belgique, Extranr., 16).
3 Boer, Elisabeth: Reformbestrebungen in dem Waldecker Kloster Volkhardinghausen 1465-1576. Diss. Marburg 1923, hier T. 1, 5.23.
4 Boer T. 2, S. 19.
5 BoerT. 2, S. 58A 172.
6 BoerT. 2, 5.84.
7 Boer T. 2, S. 20 u. S. 59 A 181.
8 Boer T. 2, 5.58 A 169.
9 Konrad Kluppels Chronik und Briefbuch. Paul Jürges (Hrsg.), in: Waldecker Chroniken. Paul Jürges u. a. (Hrsg.). (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck VII, 2). Marburg 1914, S. 1-179.
10 BoerT. 2, 5.16.
11 W 9836, FWHB Arolsen, III e-f/30.
12 FWHB Arolsen, III 45 b 21.
13 FWHB Arolsen, III 46 c-d/25.
14 Nicht mehr vh., s. Jürges S. XVII.
15 S. Auktionskatalog Nr. 1888.
16 FWHB Arolsen, IV 12 b 13.
17 StAM 127 Generalia 9.
18 StAM 111, 27/1.
19 FWHB Arolsen, IV Hs. 94.
20 FWHB Arolsen, IV Hs. 19.
21 Jürges S. XVIII: Theodericus Loysman.
22 Boer T. 2, S. 54 A 128.
23 FWHB Arolsen, IV Hs. 25.
24 Vgl. auch Kloppenburg, Walter: Landauer Bürger nach dem Salbuch des Grafen Otto IV. von Waldeck (t 1495), in: Geschichtsblätter für Waldeck 52, 1960, S. 14-28.
25 Die Flechtdorfer Chronik des Priors Liborius Daniel aus Heiligenstadt. Wilhelm Dersch (Bearb.), in: waldecker Chroniken (s. Anm. 10), S. 269-383, bes. S. 303, 342, 247; ferner Jesch, Arnold: Festschrift anläßlich des 250jährigen Jubiläums des Landeshospitals und des 850jährigen Jubiläums des Klosters im 1100jährigen Flechtdorf. Korbach 1952, bes. S. 35; ferner Schwersmann, Aloys: Das Benediktinerkloster Flechtdorf in Waldeck. (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 51). Darmstadt, Marburg 1984, bes. s. 398, 400-411.
26 Jetzt GHB Ks 2 Ms. theol. 175.
27 Im NachlaBinventar des Flechtdorfer Hospitaliten und Lektors Steinrück vom 8.3.1800 (stAM 133g Flechtdorf 219) sind neben armseliger persönlicher Habe 165 Bücher aufgeführt, die aber sicher nicht aus dem Benediktinerkloster stammen. Ob einige in die fürstl. Bib. eingegangen sind, ist unklar.
28 Wilhelm von Humboldts Tagebücher. Albert Leitzmann (Hrsg.). Bd. 1, Berlin 1916 (Wilhelm von Humboldt: Gesammelte Schriften, Bd. XIV, 3. Abt.: Tagebücher, I), s. 1-13.
29 StAM 121, 3186.
30 Humboldt s. 11.
31 StAM 121, 3186.
32 FWHB Arolsen, rn 23 b 3.
33 Verzeichnis von Doubletten der fürstl. Waldeckischen Hofbibliothek in Arolsen, welche am 11. Juni 1856 versteigert werden sollen. T. 1 u. 2, Arolsen 1856.
34 Jetzt in der GHB Ks unter der sign. WaIdec. 1000.
35 Waldec.1000, 15.
36 Waldec.1000, 19.
37 StAM 118 a 1869.
38 Schultze, Victor: Das Tagebuch des Grafen Wolrad II. zu Waldeck zum Regensburger Religionsgespräch 1546, in: Archiv für Reformationsgeschichte 7, 1909/10, s. 135-184, 294-347.
39 Des Grafen Wolrad von Waldeck Tagebuch während des Reichstages zu Augsburg 1548. Carl Ludwig Philipp Tross (Hrsg.). (Bibi. des litt. Vereins in stuttgart 59). stuttgart 1869.
40 Schultze, Victor: Waldeckische Reformationsgeschichte. Leipzig 1903, bes. s. 425; ferner schultze, Victor, Graf Wolrad II. Ein Fürstenbild der Reformation, in: Waldeckische Geschichtsbilder. Festschrift zum 25jährigen Regierungsjubiläum [...] des Fürsten Friedrich [...]. Greifswald 1918, s. 10.
41 StAM 115, 23/3.
42 Inventar stAM 115, 27/3.
43 FWHB Arolsen, IV Hs. 96; s. dazu schultze 1903, s. 139 A.2.
44 Schultze 1903, 5.427.
45 Humboldt, Tagebuch s. 19.
46 StAM 118 a 1703.
47 Sophien-Ausg. 31,19, 35,78, 8,138.
48 Günthardt, Andreas: Der Bildhauer Alexander Trippel als Porträtist: Die Waldeckischen Idealbüsten. Lizentiatsarbeit der Philos. Fak. I der Universität Zürich. Zürich 1986 (Ms.), s. 12 u. Anm. 36.
49 StAM 118 a 3736, Feststellung des Sekretärs Christian Müller zum gedr. Bücherverzeichnis, Wien, 7.12.1798.
50 StAM 118 a 1768.
51 FWHB Arolsen, II 25 d 23.
52 Vgl. Stark, Carl Bernhard: Systematik und Geschichte der Archäologie der Kunst. München 1969 (Nachdruck
der Ausg. Leipzig 1880), s. 249-250.
53 FWHB Arolsen, II 33 a 2/21.
54 FWHB Arolsen, II 49 a 2/11.
55 FWHB Arolsen, II 42 a/7 .
56 FWHB Arolsen, II 33 a 2/27.
57 FWHB Arolsen, II 46 a 2/24.
58 FWHB Arolsen, II 43 a/1.
59 FWHB Arolsen, rn 39 a/43.
60 Bonnet, Rudolf: Beamte und Bedienstete aus der ehemaligen Herrschaft Schaumburg an der Lahn, in: Nassovica, Heft 4, Frankfurt 1938, 5.21-52.
61 Huberty, Michel (u. a.): L'Allemagne dynastique. T. 2: Anhalt-Lippe-Bernburg. Le Perreux 1979, s. 64-65, 82-83, 100-101, 116-117.
62 Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4, München 1981, S. 190-191.
63 Heck, Robert: Das Testament des Erzherzogs Stephan, in: Heimatblätter für den Unterlahnkreis. Beilage zur Emser und Diezer Zeitung 2, 1927, Nr. 3, S. 11-12. Ferner Faber, Rolf: Kloster Arnstein und Schloß Schaumburg im Lahntal, in: Wiesbadener leben 8, 1983, S. 28-30.
64 StAM 121, 8008 und 8006.
65 StAM 121, 8008.
66 FWHB Arolsen, 11149 a-d 4.
67 FWHB Arolsen, III 86 c 1.
68 FWHB Arolsen, III 49 a-d/l.
69 FWHB Arolsen, III 49 a-f/4.
70 FWHB Arolsen, I 75 b 4.
71 StAM 118 a 2508.
72 StAM 118 a 2508.
73 Bing, Hermann: Auf den Spuren Wilhelm von Humboldts. Fürst Friedrich und Fürstin-Witwe Christiane, in: Mein Waldeck. Beilage der Waldeckischen landeszeitung für Heimatfreunde Nr. 5, 1983, 1. Fortsetzung.
74 StAM 118 a 2507, Akten von 1754-1798. Übrigens hatte Esslinger in dem Arolser Ockel einen Vertragsbuchbinder.
75 Medding, Wolfgang: Literarische Beziehungen zwischen Arolsen und Weimar zur Goethezeit, in: Mein Waldeck 13, 1936, Nr. 9, S. 33-35.
76 StAM 118 a 2506, Akten von 1757-1795.
77 StAM 118 a 2509, Akten von 1776-1813.
78 StAM 118 a 2511, Akten von 1808-1816.
79 StAM 118 a 2510, Akten von 1766-1769.
80 StAM 118 a 2512, Akten von 1769-1780.
81 StAM 118 a 2505, Akten von 1771-1792.
82 Friedrich Nicolai. 1733-1811. Die Verlagswerke eines preußischen Buchhändlers der Aufklärung 1759-1811. Paul Raabe (Bearb.). (Ausstellungskataloge der Herzog-August-Bibliothek 38). Wolfenbüttel1983.
83 FWHB Arolsen, II 51 a 2 10.
84 Gabert, Adolf: Arolsen. Eine fürstliche Residenz des 18. Jahrhunderts, in: Geschichtsblätter für Waldeck und pyrmont 10, 1910, S. 1-82, hier S. 72.
85 Ex Bibliotheca Cassellana. 400 Jahre Landesbibliothek. Hans-Jürgen Kahlfuß (Hrsg.). Ausstellung und Katalog Hartmut Broszinski. Kassel 1980, S. 74, 166-169, 220-223.
86 StAM 118 a 2802.
87 ADB 4, S. 57-58; StAM 118 a 2802.
88 Dictionario biografico degli Italiani 5, 1963, S. 608-615.
89 StAM 118 a 2806.

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