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Zu Beginn des Jahres 1997 gehörten den rund 40 jüdischen Gemeinden in Deutschland etwa 55 000 Mitglieder an. Die jüdische Gemeinde in Berlin zählt dabei allein mehr als 10 000 Mitglieder. Weitere große jüdische Gemeinden befinden sich in Frankfurt, München, Hamburg, Düsseldorf und Köln. Die selbständigen jüdischen Gemeinden und die Landesverbände haben 1950 den Zentralrat der Juden in Deutschland als Dachorganisation ins Leben gerufen. Der Zentralrat mit Sitz in Berlin ist Mitglied des World Jewish Congress.
Die Zahl der Juden, die keiner Gemeinde angehören, kann nur grob geschätzt werden, sie beträgt etwa 20 000. Die Struktur der jüdischen Gemeinden ist einem ständigen Wandel unterworfen, da seit 1989 mehr als 25 000 Juden aus Osteuropa eingewandert sind. Die jüdische Gemeinde in Deutschland ist stark überaltert, es sterben siebenmal so viele Mitglieder wie hier geboren werden. Die jüdische Bevölkerung nimmt aber aufgrund der stetigen Einwanderung weiter zu. Entgegen der Hoffnung der jüdischen Gemeinden, dass die Einwanderer aus Osteuropa den religiösen Traditionen des Judentums näher stehen würden, als die eingesessenen Gemeindemitglieder, ist bei den Juden, die in den ehemals sozialistischen Staaten gelebt haben, die Säkularisierung weit fortgeschritten. Die Gemeinden sind mehr und mehr dazu gezwungen, den von Arbeitslosigkeit, Behördenwillkür und anderen Problemen bei der Integration überforderten Neubürgern Hilfestellung zu leisten. Ihrem Selbstverständnis nach sehen sie sich aber eher als Bewahrer der jüdischen Glaubenstradition, denn als soziale Hilfsorganisation. Der ehrenamtliche Kulturdezernent der jüdischen Gemeinde in Berlin formulierte Ende 1996 seine Ängste in einem Zeitungsinterview: »Wir verdünnen uns ins Nirwana! Wenn es so weitergeht, wird es in vierzig Jahren hier kein Judentum mehr geben, höchstens eine Interessengemeinschaft der zum Judentum positiv Eingestellten.«
Stefan Krämer, Toni Koch