Kernchemisches
Grundpraktikum
Wintersemester 2002/2003
Versuch: Radiomarkierung
Betreuung: Matthias Bauerfeind
Inhaltsverzeichnis
Radiopharmazie - eine Brücke zwischen Chemie und Medizin *
Nuklearmedizinische Grundlagen *
Versuch: Markierung eines Peptids *
Nuklearmedizinische Grundlagen
Radiologische Untersuchungen gehören heute zu den Standardverfahren der modernen medizinischen Diagnostik. Möglich wurde dies, weil seit der ersten Untersuchung 1927 die Strahlenbelastung für die Patienten kontinuierlich reduziert werden konnte. Einen besonders großen Beitrag leistete hierzu der Einsatz von künstlich produzierten Radionukliden, deren Halbwertzeiten zwischen 6 Stunden und 8 Tagen liegen.
Bei radiopharmazeutischen Verfahren werden radioaktiv markierte Substanzen verwendet, um verschiedene Erkrankungen (u. a. Tumore) diagnostizieren und therapieren zu können.
Hierbei kommt es darauf an, die Radionuklide schnell und selektiv in das interessierende Gewebe zu bringen, um die Strahlenbelastung für den Patienten gering zu halten und eine hohe Bildauflösung zu erhalten. Diese Aufgabe können bioaktive Moleküle wie Antikörper oder Peptide übernehmen, die sich an Antigene oder Rezeptoren an der Oberfläche von Tumoren anlagern und internalisiert werden. Somit lassen sich Stoffwechselvorgänge sichtbar machen, was mit anderen Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder CT nicht oder nur mit viel Aufwand möglich ist.Die sich anreichernde Aktivität kann von außen mittels geeigneter Messsysteme (Gammakameras) detektiert werden, was unter Verwendung von
b+- oder g-Strahlern eine diagnostische Anwendung ermöglicht. Die Verfahren, die für die Diagnostik Anwendung finden, sind PET (Positron Emission Tomography) und SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography). Bei der PET wird die Vernichtungsstrahlung von b+-Strahlern wie 18F detektiert, bei der SPECT die Gammaquanten der verwendeten Nuklide (typisch: 99mTc, 111In und 131I).Bei der Applikation von
a- oder b--Strahlern kann der Tumor durch die ionisierende Strahlung zerstört werden. Hierbei wird die Dosis so gewählt, dass das gewünschte Gewebe vollständig zerstört wird, gleichzeitig aber die umgebenden Organe keiner gefährlichen Dosis ausgesetzt sind. In der Therapie kommt es besonders auf eine hohe Selektivität der verwendeten Radiopharmazeutika an.Radiopharmazeutika bestehen in der Regel aus einem bioaktiven Teil (violett) und einem radioaktiven Element (gelb). Der bioaktive Teil übernimmt die Erkennung des Zielgewebes mittels Schlüssel-Schloss-Prinzip.

Abbildung 1 : Aufbau Radiopharmazeutika
Heute werden vermehrt Peptide für die Aufgabe der Erkennung eingesetzt, da diese Stoffklasse hohe Affinitäten ermöglicht. Die markierten Peptide werden in die Zelle internalisiert und somit im interessierenden Gewebe angereichert (getrappt).
DOTA-Gastrin als erprobtes Radiopharmakon
Als Beispiel soll das Peptid Gastrin dienen, welches hier mit dem Liganden DOTA gekoppelt wurde. DOTA ist in der Lage, eine Vielzahl von Metallen zu komplexieren, wie z.B. In, Y, Ga, Cu. Somit ist ein und dasselbe Molekül durch die Auswahl des passenden Metalls für eine Vielzahl von Anwendungen einsetzbar (Therapie, Diagnose: SPECT und PET).

Abbildung 2: DOTA-Gastrin
In diesem Beispiel dient eine Aminosäurensequenz (aus Glutaminsäure) zusätzlich als Linker zwischen Peptid und Ligand. Mit diesen Linkern lassen sich weitere Moleküleigenschaften bestimmen, wie Löslichkeit, Clearence (über Nieren) oder Einfluss auf die Affinität zum Rezeptor nehmen.
Im folgenden Beispiel ist ein Szintigramm eines Patienten mit einem medullärem Schilddrüsenkarzinom zu sehen, welches metastasiert hat. Das Ausgangskarzinom ist nicht sichtbar, aber zahlreiche Metastasen sind erkennbar. Der Magen ist sichtbar, da er über physiologische Rezeptoren verfügt, und die Nieren, da über sie die Ausscheidung stattfindet.

Abbildung 3: Szintigramm
Ziel der Forschung ist es, neue auf Peptiden basierende radioaktiv markierte Biomoleküle zu entwickeln, welche zur Diagnose und Therapie verschiedener Tumorerkrankungen eingesetzt werden können. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung neuer Therapien mit solchen Molekülen und vor allem die Auswirkungen verschiedener Strahler auf die Therapieerfolge und Nebenwirkungen. Die Kernchemie arbeitet in diesem Forschungsgebiet interdisziplinär mit der Nuklearmedizin der Philipps-Universität Marburg zusammen.
Versuch: Markierung eines Peptids
In diesem Versuch soll ein Peptid, welches in der Nuklearmedizin zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken verwendet wird, mit radioaktivem Indium markiert werden. Dieser Versuch ist an die Vorbereitung in einem nuklearmedizinischen Labor angelehnt, was die Markierung selbst sowie die darauf folgende Qualitätskontrolle betrifft. Verwendung findet eine Gastrin-Variante, wie oben vorgestellt. Das Peptid wurde bereits mit einem Liganden versehen, der das Metallion aufnehmen soll. Die eingesetzte Aktivität richtet sich nach dem Verwendungszweck: für diagnostische Anwendungen werden typischerweise 3-10 mCi eingesetzt, in der Therapie bis zu 1 Ci pro Patient.
Sicherheitshinweis
: Beim Umgang mit Chemikalien sind die entsprechenden Sicherheitsbestimmungen wie das Tragen von Schutzkleidung einzuhalten.Sicherheitshinweis: Beim Umgang mit radioaktiven Substanzen sind die bekannten Strahlenschutzmaßnahmen durchzuführen. Im Zweifel an den Assistenten oder Strahlenschutzbeauftragten wenden!
Das Peptid wird liegt in wässriger Lösung vor (1 mg/mL) und wird zunächst mittels HPLC auf seine Reinheit überprüft. Hierzu werden 10 µL der Lösung auf die Säule aufgetragen und das erhaltene Chromatogramm wird diskutiert.
Anschließend werden 10 µg des Peptids (10 µL der Lösung) in 500 µL NH4OAc-Puffer (0,5 mol/L, pH=5,4) gegeben und mit ca. 50 µCi (1,85 MBq) 111In-Lösung versetzt (Konzentration beim Assistenten erfragen). Das Reaktionsgemisch wird 30 min im Wasserbad bei 95 °C inkubiert. Anschließend wird eine Qualitätskontrolle unter den gleichen Bedingungen wie zuvor durchgeführt. Die erhaltenen Chromatogramme sind zu vergleichen und zu diskutieren.
Das markierte Peptid wird im nuklearmedizinischen Labor nun in eine Spritze aufgezogen und den Ärzten zur Applikation übergeben.
Welche Voraussetzungen muss ein Radiopharmakon erfüllen?
Bei einer erfolgreichen Markierung sollten mindestens 95 % des Radiometalls am Peptid gebunden sein. Warum?
Wieso wird ein Ammoniumacetatpuffer verwendet?
Technischer Anhang: HPLC-System
Millipore-Pumpen Typ Waters 510, Hochdruckgradient.
Säule: Merck C-18/2.
Flussrate: 1 mL/min. Laufmittel A: 50 mM NH4OAc pH=5,4, B: MeCN. Start: 100 % A, 5 min halten, innerhalb 20 min auf 50 % B, 5 min halten.
UV-Detektion: Jasco UV-970 bei 254 nm.
Aktivitätsdetektion: Raytest Ramona 90.