ROTHAARSTEIG À LA CARTE
Die schönsten Wanderungen zum
Steig
vorgeschlagen von
Schon
kurz nach der Eröffnung des Rothaarsteigs wurde klar, dass ein Großteil der
Gäste den Steig lieber abschnittsweise in Form von kleinen Schnupperrunden im
Halbtages- oder Tagesformat als mit vollem Mehrtagesrucksack kennenlernen
wollen. Die folgenden Vorschläge für solche Schnuppertouren stammen aus den
Jahren 2001 und 2002 und sind leider bis heute noch nicht über eigenen
Markierungen ausgewiesen. Man muss sie also nach den jeweiligen Wegebeschreibung
erwandern, die möglicherweise nicht mehr in jedem Detail stimmen. Dennoch lohnt
sich der Versuch, weil die diese Touren – gerade weil sie der Natur so
besonders nahe kommen - vermutlich keine Chance haben, jemals zu offiziellen
"Rothaarsteig-Extratouren" zu avancieren. Sie werden also immer ein Geheimtipp bleiben.
Zwischen Sauerland und Wittgensteim
Elleringhausen: Der Steig als Steig
Willingen: Deutschlands höchste Heiden
Winterberg/Silbach: Winterberg von seiner schönsten Seite
Latrop: Der Wald der Stille
Wingeshausen/Jagdhaus: Wittgensteiner Waldwiesen
Oberhundem: Schwingende Silhouetten
Zinse: Wilde Auen
Zwischen Siegerland und Westerwald
Sohlbach/Lützel: Im Hochtal der Eder
Heiligenborn: Geheimtip Ilsetal
Wilgersdorf: Im Quellgrund der Weiß
Weißenberg/Fuchskaute: Auf dem Hohen Westerwald
Langenaubach/Breitscheid: Durchs wilde Aubachtal
Dillenburg: Das A und O des Rothaarsteigs
Elleringhausen
Der Steig als Steig
Ginsterkopf fordert Bergkondition ( 11 km, + 500 m)
Wer von Norden her mit dem Rothaarsteig anbändelt, kann hier seine
Feuertaufe bestehen: Die Variante über den Ginsterkopf ist zwar relativ kurz,
aber sie hat es in sich. Der Bergpfad hält sich unbarmherzig an die Kammlinie
und lässt sich auch nicht von felsigen Steilaufstiegen abhalten. Vor der
Einrichtung des Rothaarsteigs war er nur wenigen Eingeweihten bekannt und fast
unbegehbar, und immer noch bedarf es ein wenig Bergerfahrung, um seine
Herausforderungen zu bestehen.
Uli Lange, zuständiger Wegewart des Sauerländischen Gebirgsvereins, hat
denn auch lange mit zwei Seelen in seiner Brust, der des Wanderers und der des
Jägers, gerungen, ob er seinen Geheimnis preisgeben sollte. Schließlich hat der
Wanderer gesiegt: Ein Steig sei halt ein Steig, und dazu gehörten nun mal
schmale Trampelpfade über steile Gipfel. Gleich mehrmals hintereinander geht es
auf gut 660 m herauf und wieder herunter, und am Ende wartet oberhalb einer
Hangbrache eine der schönsten Aussichten des Steigs.
Der Weg
Elleringhausen, eine malerisch gelegene Gemeinde im Tal des
Gierskoppbaches zwischen Bruchhausen und Olsberg, hat sich in einem Maße mit
Asphaltwegen umgeben, dass es ein bißchen Mühe braucht, um einen wanderbaren
Einsteig in die Bergtour zu finden. Dazu verlässt man die Hauptstraße kurz vor
dem nördlichen, durch eine kantige Kirche gekennzeichneten Ortsende zwischen
den einander gegenüberliegenden Ortstafeln und Halteplätzen "An der
Schogge" in Richtung Limberg / Feriendorf Sonnenhang / Heisterstraße. Das
schmalen Sträßchen führt uns rund 1 km in ein Seitental hinein, das jenseits
der zu querenden Straßen "Am Limberg" / "Auf dem Heck" die
Siedlungsgrenze hinter sich lässt. Wo sich der Teerweg zum erstenmal gabelt,
bietet sich links ein Parkraum an, der zu der stattlichen Grillhütte dahinter
gehört (Km 0,0).
Hinter der Hütte wenden wir uns an der zweiten Asphaltgabel nach links,
um hinter dem Teich vor der drittel Gabel den Teer endgültig zu verlassen (Km
0,1). Rechts führt uns eine weicher Nadelweg unter dem Steilhang an einem
Tr3etbecken vorbei. Er mündet in einen links des Talgrundes aufstrebenden, mit
einem weißen Quadrat markierten Forstweg, der uns in zehnprozentiger Steigung
zu einer geschotterten Horizontale heraufbringt (Km 0,8). Ihr schließen wir uns
nach links an und bleiben ihr, gelegentliche Ausblicke genießend, bis zu einem
von links heraufziehenden Teerweg treu (Km 2,4).
Es bedarf nur weniger Meter nach links, um den Hochwald unterhalb des
Teerwegs ohne Spur, aber unaufwendig in Richtung auf die darunterliegende Wiese
durchqueren zu können. Am Waldrand erwarte uns ein aussichtsreicher Weg mit
Blick in das Gierskopptal und auf das Doppelgleis der Ruhr-Diemel-Bahn von
Hagen nach Warburg. die sich gerade auf ihr 1,6 km langes Tunnelabenteuer in
Richtung Brilon Wald vorbereitet. Der Waldrandweg führt uns rechts in Richtung
des Tunnels hinauf, um ihn im wahrsten Sinne des Wortes zu übergehen (Km 3,1),
dabei Blicke bis zu den Höhen des Arnsberger Waldes mit dem Sendeturm bei
Stimmstamm freigebend.
Auch den nächsten Teerweg kreuzen wir nur (Km 3,5) und folgen dem leicht
abschüssigen Weg, bis er jenseits eines Bachlaufes und Wendeplatzes in einen
horizontalen Pfad übergeht (Km 4,2). Auch dieser verliert sich im
folgenden Seitentälchen, das wir daher noch vor den Wasserrinnen im Hochwald
emporsteigen. Nach Erreichen des nächsthöheren Horizontalweges wenden wir uns
noch in der Kurve links aufwärts einem nur schwach sichtbaren Pfad zwischen
Eichen und Fichten zu, der uns über einige steile Meter auf einen von mehreren
historischen Hohlwegen durchfurchten Rücken bringt (Km 4,5). Mit dem hintersten
Hohlwegrest geht es auf der linken Seite des Rückens weiter bergauf. Er geht
auf der Höhe des nächsten Horizontalweges halblinks in einen Pfad über (Km
4,8), der sich dicht am steilen Abgrund der Betehohl hält. Wer die unbequeme
Wegpassage bis hierhin ohne Probleme gemeistert hat, darf sich als hinreichend
fit für den Ginsterkopf betrachten.
Mit einem verblichenen E als Wanderzeichen passieren wir bald eine
Jagdhütte, deren Bänke zu verdienter Rast einladen (Km 5,1). Der nunmehr
geschotterte Weg mündet nach einem Rechtsschwenk schließlich auf einem großen
Wegestern, wo uns das rote Quadrat des Rothaarsteigs begrüßt, dem wir uns nun
nach rechts anschließen (Km 5,5) .
Zusammen mit dem Europäischen Fernwanderweg X2 folgt der Steig zunächst
dem historischen Schnadeweg, auf dem noch heute alle zehn Jahre mit großem Pomp
die Briloner Grenze abgeschritten wird. Dann umgeht er den Habberg auf einer
Westhorizontale. Kurz nachdem der X2 nach rechts abgegangen ist, heißt es
aufgepasst: In der nächsten Einbuchtung nämlich teilt sich der Steig. (Km 7,1).
Während die bequeme Variante die Höhe hält, steuert die "nur für
Geübte" vorbehaltene Bergvariante halblinks durch den Wald auf die
eingangs beschriebene Kammhöhe zu. Mindestens dreimal sind dabei auf schmalen
Pfaden kräftige Anstiege zu bewältigen, für die man aber durch aufregende
Landschaftseindrücke belohnt wird, die man bestenfalls auf doppelt so hohen
Gebirgskämmen erwarten würde. Die Aussicht am Ende reicht denn auch vom tief
eingeschnittenen Gierskopp-Tal bis zu den Türmen auf der Hunau und dem
Arnsberger Wald einerseits und über die Briloner Hochebene bis zum
Egge-Gebirge/Teutoburger Wald andererseits (Km 8,3).
Nach steilem Abstieg vereinigen sich die beiden Varianten genau dort, wo
der X6 den Bergrücken kreuzt (Km 8,7). Noch ein Stück bergab, und wir sind
endlich wieder in der Horizontalen. Von rechts kommen mit dem X2 und X6 gleich
zwei Hauptwanderwege des SGV herbei (Km 9,0). Wenige Meter weiter verlassen wir
in einer Rechtskurve die prominenten Wanderwege und stürzen uns zunächst einen
schmalen unmarkierten und dann nochmals rechts einer markierten Waldweg (weißes
Quadrat) herab, um die nächstunterste Horizontal zu erreichen (Km 9,2). Hier
waren wir schon mal zu Anfang der Tour, doch statt direkt zum Parkplatz zurückzukehren,
gönnen wir uns einen genussvolleren Ausklang, indem wir zunächst links auf der
Höhe bleiben. Der breite, mit einem weißen Kreis markierte Weg senkt sich
langsam entlang zweier Hangwiesen herab, durchmisst dabei einen Zipfel des
Naturschutzgebietes Bruchhäuser Steine und schenkt, immer rechts haltend, uns
zum Abschied nochmals einen schönen Blick auf das Tal, aus dem wir aufgestiegen
sind (Km 10,5).
Willingen
Deutschlands höchste Heiden
Eine (fast) anstrengungslose Höhentour (13 km, +350m oder 15 km, +300m)
Größere Heiden sind selten in den deutschen Mittelgebirgen. Das
Hochsauerland kann immerhin drei beeindruckende Flächen mit der zart lila
blühenden Besenpflanze vorweisen, und alle drei befinden sich in Höhen um die
800 m. Hier verbindet sich die Romantik der kargen Vegetation mit prachtvollen
Aussichten inmitten eines schwingenden Bergwaldpanoramas.
Die bekannteste Hochheide findet sich am Kahlen Asten, die schönsten in der
Umgebung von Willingen. Gleich zwei solcher raren Plätze kann man bewundern,
wenn man sich für die kürzere Tour entscheidet. Als Zugabe gibt es einen klar
plätschernden Bergbach in einem zauberhaften Wiesental.
Wer den Bergwiesen mehr abgewinnen kann als den Bergheiden, für den hält die
etwas längere Variante statt der zweiten Heide ein zweites Bachidyll bereit.
Beide Bäche, die Hoppecke und die Itter, entspringen dicht nebeneinander in
alten früher vollends offenen Hutehängen, dem Neuen und dem Alten Hagen.
Dennoch finden sie getrennte Wege eine Tagesreise entfernten Diemel. Dabei
umschließen sie Willingen, das genau genommen auf dem Pass zwischen beiden
Tälern liegt, viel eindrucksvoller aber als tiefer Kessel zwischen den höchsten
Bergen des Sauerlandes beschrieben wird.
Da jede hier beginnende Wanderung folglich schon auf knapp 600 m losgeht,
verlangt selbst eine Bergtour nur mäßige Anstrengungen. Überdies steht für den
schnellen Abstieg eine Sesselbahn oder auch eine Skischanze bereit. Letztere
ist allerdings für Weltcup-Springer gebaut, wir schauen sie uns lieber von
unten an.
Der Weg
Die Tour beginnt an der Talstation der Sesselbahn auf den Ettelsberg, die
sehr leicht zu finden ist: Man verlässt einfach die durchlaufende B251 am
westlichen, in Richtung Brilon weisenden Ortsausgang von Willingen über die neue
Bahnbrücke südwärts und biegt hinter der Brücke nach links. 200m weiter finden
sich jede Menge Parkplätze, von denen ein Teerweg links an der Talstation
vorbei aufwärts führt (Km 0,0). Nachdem der Asphalt in Schotter übergegangen
ist, wenden wir uns ca 100m über dem Wasserbehälter bzw. unter dem
Fichtengürtel nach rechts in einen aussichtsreichen, mit einer alten Bank
gekennzeichneten Feldweg (Km 0,6). Für diejenigen, die nicht über den
Ettelsberg zurückkehren, lohnt sich hier der Rundblick über das Willinger
Panorama.
Vom Waldrand geht es halbrechts herab zur Lifthütte und weiter auf die
Zufahrtsstraße, der wir uns nach links anschließen (Km 1,1). Den Abfahrthang querend
bringt sie uns zum Waldhotel, oberhalb dessen sich hinter dem Spielplatz
nochmals vom Waldrand aus halbrechts ein steiler, bald geschotterter und
schließlich breiterer Pfad ins Tal der Hoppecke stürzt. (Km 1,6). Hier treffen
wir auf die Markierung des SGV-Hauptwanderweg X16, der bescheiden verbirgt,
dass er vor Ort mit dem europäischen Fernwanderweg Nr. 1 identisch ist.
Mit dem weißen X und der Altmarkierung W4 biegen wir nach 30 m gleich wieder
halbrechts von der soeben erreichten Forststraße ab und dürfen zum erstenmal
die Ursprünglichkeit des von Wiesen umsäumten Bergbaches genießen. Die Zeichen
führen uns durch ein nicht minder schönes Seitental und einen dunklen Waldhang
auf einen ausgesucht schönen Bachübergang: Hinter einer kieselreichen Furt, die
zum besinnlichen Rasten und Spielen einlädt, bringt uns ein Holzsteg trockenen
Fußes auf die andere Seite, wo wir die Rinder um dieses stille waldumsäumte
Weideparadies beneiden dürfen (Km 3,0).
Über eine geschotterte Fortsstraße erreichen wir mit dem unteren Teil des Neuen
Hagen ein weiteres Weide-Eldorado, wo wir uns vom X16 trennen (Km 3,5). Während
der Europa-Weg im Tal bleibt, wählen wir mit dem W4 den Waldrand oberhalb der
Koppeln in Richtung Hochheide/Niedersfeld. In einer spitzen Kurve am oberen
Wiesenende folgen wir erneut den Wegweisern mit diesen Zielangaben (Km 4,0).
Zusammen mit dem W4 weisen sie uns auf der linken Seite eines Tälchens mit
Namen "Der Keller" hinauf, der vermutlich weniger mit der
Vorstellungen eines Tiefgeschosses als der Kellerei (Verwaltung) des Kölner
Bistums zu tun hat. Denn nur 200 m weiter kreuzt der steinige Weg die
Landesgrenze, zu der uns eine alter Grenzstein wenige Meter rechts abwärts
mitteilt, dass hier früher die Herrschaften von Kurköln (Kreuz) und Waldeck
(Stern) aufeinanderstießen.
Während die auch heute noch gültige Grenzmarkierung steil nach rechts herauf
Nordrhein-Westfalens höchsten Punkt (den 843m hohen Langenberg) erklimmt,
steigen wir auf der linken Seite des Talgrundes weiter empor und wechseln dabei
auf einen breiten Schotterweg (Km 4,6). Dort, wo dieser 200m später das nur noch
schmale Rinnsal überquert, wartet eine verkrüppelte Buche mit einer
Überraschung auf: Zwei seiner getrennten Stämme sind in 3m Höhe wieder
zusammengewachsen. Schließlich erreichen wir auf der Höhe, indem wir uns am
rechten, teils geschotterten, teils vergrasten Rand der sich dort öffnenden
Lichtung halten, den Rothaarsteig (Km 5,4).
Mit dem weißen R auf rotem Grund geht es links den Wald herauf bis auf das
Naturschutzgebiet Neuer Hagen (Km 6,0), dessen Heiden wir zunächst zusammen mit
dem erneut getroffenen X des Europäischen Fernwanderweges durchwandern, um dann
aber nach rechts auf den Clemensberg abzubiegen. Der 838m hohe Gipfel ist wie
der schlaufenförmige Zugangspfad künstlich angelegt (Km 6,6), nachdem der
unersättliche Steinbruch dahinter den alten, östlicher gelegenen Naturgipfel
unterminiert hat. Nur das weiße Kreuz ist im wahrsten Sinne des Wortes
herübergerettet worden. Dafür gibt der neue Blick, von Steinbruch abgesehen,
ein größeres Sichtfeld frei, das die Höhen des Waldeckschen Uplands im Nordosten
mit den langgestreckten Höhenzügen des Sauerlandes im Südwesten vereint.
Am oberen Rand der Hochheide geht es nun ostwärts zur Hoppecke-Quelle und
weiter zu einem großzügigen, wenn auch ein wenig befremdlich nach einem Dr.
Müllmann benannten Rastplatz mit Hütte und Bänken, wo wir uns vom spitz rechts
zurückweichenden Rothaarsteig trennen (Km 8,2). Damit wieder in Hessen
angelangt, gilt es in Ruhe zu entscheiden, ob man die Höhentour über den
nordwärts weisenden Kammweg in Richtung der Ettelsberg-Heide fortsetzt oder
rechts hinter den Bänken durch das "Paradies" ins Ittertal absteigt.
Kammvariante 13 km
Der Weg in Richtung Ettelsberg wird von Wegweisern in Richtung Große Grube
sowie einem weißen Dreieck gewiesen. Über einen breiten Kammweg geht es in Gegenrichtung
zum Rothaarsteig zunächst bis zur nächsten Sitzgruppe am Wegedreieck
Lüttekefeld (Km 8,9) und halbrechts dahinter nicht weniger gefällig langsam
bergauf bis zur Großen Grube (Km 10,2). Von dem ehemaligen Meilerplatz zwischen
dem 843 m hohen Hegekopf und dem schanzenbewehrten Mühlenkopf gehen nicht
weniger als 8 Wege ab.
Wir folgen dem Weiserarm in Richtung Ettelsberg(er Hütte), indem wir uns kurz
halblinks, dann wieder halbrechts halten und bei der nächsten Gabelung erneut
die linke Alternative wählen. Somit stets der Kammlinie und dem Dreieck
folgend, erreichen wir rechts vom 638m hohen Ettelsberg-Gipfel die zweite
Hochheide (Km 10,9). Hier im Schutz des Waldes ist sie nicht ganz so überlaufen
wie an der Berghütte des blasenden Siggi neben der Bergstation der Sesselbahn,
wo an schönen Herbsttagen schon mal kaum durchzukommen ist. Wer die Wanderung
indes schon auf der Bergeshöhe zünftig ausklingen und das letzte Stück mit der
Sesselbahn herabschweben will, der lässt nicht nur das Gipfelkreuz und das
Startportal der Mountainbike-Downhill-Strecke links liegen, sondern wird sich
auch nicht von dem direkt vor der Hütte halblinks abzweigenden Heidepfad
verlocken lassen.
Naturgenießern dagegen sei der Abstieg durch den Heidehang empfohlen, der sich
zunächst bei wundervollem Bergpanorama nach links dem Waldrand nähert, um sich
dann im Rechtsbogen erneut zurückzuschwingen und unvermutet den Blick auf
Willingen zu eröffnen. Gut 100 m vor der Sesselbahn-Unterquerung (Km 11,9)
verlassen wir den immer noch mit dem Dreieck markierten Weg nach links über
einen Pfad, der uns im S-Bogen bis an den Schaftstall am unteren Rand der
Ettelsberger Heide bringt. Von dort geht es am rechten Rand eines
Fichtenstreifens herab geradeaus weiter zur Talstation der Seilbahn (Km 13,0).
Talvariante 15 km
Wer sich schon vom Müllmann-Platz (Km 8,2) aus wieder zu Tal begibt, kommt bald
ins Paradies, ein Naturschutzgebiet oberhalb des Ittertals. Hier empfiehlt es
sich, auf halber Strecke auf befestigtem Weg von der rechten auf die linke
Talseite zu wechseln (Km 9,4), so dass man den Blick auf die tiefer gelegenen
Weiden von oben genießen kann. Im Ittergrund treffen wir an einem wundersamen
Sitzpilz auf den X15 (Km 10,6), der allerdings auf denkbar drögem Weg nach
Willingen zurückführt. Statt des aussichtslosen Forststraße oberhalb der Itter
entscheiden wir uns daher für den talnäheren Waldrandpfad, der uns außer
wohlplazierten Ruhebänken zauberhafte Blicke in das Waldwiesental bietet.
Der Wandergenuss erfährt eine kurzzeitige Unterbrechung an der
Mühlenkopfschanze, die mit ungeheurem Denaturierungsaufwand weltcupfähig
gemacht worden ist und für Fußgängern einen unüberbietbar tristen Betontunnel
zum Unterqueren des Auslaufs offeriert (Km10,9). Statt dieser Zumutung
empfiehlt sich eine Schleife um den ganzen Auslauf herum, zumal man so die
gesamte Anlage bestaunen kann. Zurück auf der linken Itter-Seite halten wir uns
erneut vom X15 fern und dem Tal nahe. Ein verwunschener Mühlbach bringt uns zur
Stryck-Mühle, hinter der wir uns halbrechts in Richtung Straße halten. Mit ihr
queren wir die Itter und betreten unmittelbar hinter der Brücke durch ein
stattliches Portal den eigens angelegten Wanderweg nach Willingen (Km 12,2).
Der mit X6 markierte, teilweise recht enge Pfad hält innigsten Kontakt mit der
munteren Bach. Bald auf dieser, bald auf jener Seite bringt er uns zu einem
Park herab, dessen Kunstsee (Km 13,0) sich durchaus sehen lassen kann. an
seinem Ende wendet sich der X6 nach links (Km 13,7), um Willingen über
langweilige Straßen zu erreichen. Wir überqueren indes einfach die erste Straße
und bleiben der Itter noch ein paar Meter treu. Erst hinter dem sogenannten
"Abenteuergolfplatz biegen wir direkt vor dem eindrucksvollen
Eisenbahnviadukt, dem Wahrzeichen von Willingen, nach links (Km 14,0) und
brauchen uns von nun an nur noch direkt links der Bahn zu halten, um unser Ziel
zu erreichen. Dazu geht es über eine meandernde Treppe zunächst auf Gleishöhe,
dann über einen Pfad unterhalb des Lagungenbades und schließlich über die nun
wieder mit X6 gekennzeichnete Straße unterhalb des "Sauerlandsterns"
zur nächsten Bahnunterführung, vor der wir lediglich links halten müssen, um
der Sesselbahn aansichtig zu werden (Km 15,0).
Silbach / Winterberg
Winterberg
von seiner schönsten Seite
Stille Natur hinter hektischen Kulissen (18 km, + 350 m)
Wenn es touristisch rummelt im Sauerland, dann vor allem in Winterberg. Die
einmalige Lage auf dem Dach des Gebirges, der Skizirkus, die Schanzen, die
Bobbahn und der nach herkömmlicher Meinung höchste Berg Nordrhein-Westfalens
ziehen mit und ohne Schnee immer wieder Massen an, die die Flaniermeile der
Stadt und die riesigen Waldparkplätze bevölkern.
Wir schauen uns all dies aus wohltuender Distanz an, genießen die Aussichten
umliegender Siebenhunderter, entdeckcn die Schönheiten dicht hinter den
touristischen Kulissen und ziehen uns dann wieder in die abgelegene Stille der
Sauerlandberge und -täler zurück. Der Höhepunkt der Tour ist ein tiefes Tal -
das der Renau, in dem wir einen springlebendigen Bergbach in seinem
natürlich-wilden Umfeld über einen eigens angelegten Steg aus allernächster
Nähe bewundern dürfen.
Der Weg
Am besten beginnt man die Wanderung in Silbach, einem ebenso schmalen wie
hübschen Örtchen ("Bundesgolddorf") im engen Tal der Namenlose
nordwestlich von Winterberg, durch das sich auch die Eisenbahn dem
Wintersportzentrum nähert. Andere Einstiegsmöglichkeiten bieten die
Winterberger Schanzen oder der Nordhang-Parkplatz am Kahlen Asten, aber nur von
Silbach aus kann man gleich zu Anfang die Höhe erobern, um für den Rest der
Tour das Sauerland von oben bewundern zu können.
Wenn man mit der Bahn kommt, findet man den Einstieg in den Aufstieg, indem man
vom Bahnhof geradeaus auf die Hauptstraße zuhält und diese dann links
heruntergeht, bis nach gut 300m rechts ein Gässchen mit Namen "Am
Knäppchen" abzweigt. Autofahrer und Bustouristen biegen statt dessen in
der durch Kirche, Gasthäuser und Bushaltestelle ausgewiesenen Ortsmitte links
in die Burgstraße ab, wo sie an den Informationstafeln Interessantes über den
Ort erfahren und Parkplätze finden (Km 0,0). Von hier aus geht es in Richtung
Verkehrsbüro gleich nochmals links in den Erlenbachweg hinein und an dessen
Ende halbrechts auf den gepflasterten Parkweg, der an die Namenlose heranführt.
Weiter talaufwärts nutzen wir eine Straßenbrücke, um von der linken auf die
rechte Bachseite zu wechseln. Der bachbegleitende Weg endet hinter der
Schützenhalle, einem fensterreich-gesichtslosen weißen Kasten, von dem aus wir
die Namenlose über eine Holzbrücke nach links überqueren und über eine Treppe
die Hauptstraße genau dort erreichen, wo gegenüber die schon erwähnte Gasse
"Am Knäppchen" steil aufsteigt (Km 0,5).
Jetzt heißt es tief Luft holen, denn der vor uns liegende Aufstieg auf die Höhe
erweist sich als ebenso kurz wie schmerzhaft. Dabei ist "kurz"
relativ zu sehen, denn wir müssen immerhin auf einen Schlag 160 Höhenmeter
überwinden. Schon nach wenigen Metern erreicht die zum Friedhof heraufführende
Gasse die hierzu erforderliche Steigung von gut 15%, was den Hinterbliebenen
verstorbener Silbächer allerhand abverlangt. Dafür werden wir zunächst noch mit
einem schönen Blick über Ort und Tal belohnt. Jenseits des Friedhofs geht unser
Aufstieg indes in einen regelrechten Bußgang über. Denn der Pfad, der links an
der Krieger-Gedächtnis-Kapelle vorbeiführt, geht erbarmungslos weiter aufwärts
- ein Kreuzweg im doppelten Sinn des Wortes, liegen doch zwischen jeder Station
mindestens 10 Meter Höhenunterschied. Erst hinter Station XIII harrt die
Erlösung in Form von ein paar Bänken und einer fast ebenen Waldwiese (Km 1,1)
Der Wiesenpfad kreuzt den darüberliegenden Schotterweg (Km 1,3) und durchquert
als naturbelassene Doppelspur den anschließenden Wald, wobei wir erstmals die
700m-Grenze überschreiten. Indem man sich bei Gabelungen eher halblinks auf der
Hauptspur hält, erreicht man nach leichtem Abstieg eine Kreuzung (Km 2,0), von
der aus Wegweiser in Richtung "Winterberg" bzw. "Stadt" und
die Markierung 6 im weißen Kreis die weitere Führung übernehmen. Ihnen zufolge
geht es rechts herunter und nochmals rechts zum Naturschutzgebiet "In der
Strei", das über seine offene Brachfläche hinweg einen eindrucksvollen
Blick auf die Galeriewälder des Hochsauerlandes gestattet (Km 2,3). Der breite
Weg überschreitet die 700er Höhenlinie an der Kuhlenberghütte (Km 2,8), wo sich
die Markierung 7 der 6 hinzugesellt. Mit beiden geht es auf bequemen
Horizontalwegen zunächst geradeaus weiter und hinter der nächsten großen
Kreuzung im stückweisen Linksschwenk um den vorderen Kuhlenberg herum, wobei
junge Waldbestände immer mal wieder einen Vorgeschmack auf die bevorstehenden
Aussichten geben.
Wo die ehemalige Fichtenmonotonie durch junge, teilweise umzäunte
Laubwaldpflanzungen ersetzt wird, wendet sich der Weg zur Abwechslung zweimal
leicht nach rechts. Kurz vor einer erneuten Linkskurve zweigt entlang eines
Wildzaunes eine breite, zunehmend steile Schottertrasse vom markierten
Horizontalweg nach rechts ab (Km 4,6). Zwischen jungen Laub- und
Nadelpflanzungen erreichen wir die nächsttiefere, wesentlich aussichtsreichere
Horizontale, der wir uns vor einer Koppel nach links anschließen (Km 4,8). Über
das Tal Hinweg können wir gegenüber den 809 m hohen Bremberg mit seiner
Abfahrtsschneise sowie links davon die Winterberger Skischanzen bewundern, die
wir bald aus der Nähe kennenlernen werden. Dazu durchschreiten wir die unter
Horizontal fast bis zu ihrem Ende. Wo sich unter uns hinter einer
landwirtschaftlichen Lagerfläche ein letzter Fichtenbestand anschließt, biegen
wir rechts auf einen Grasweg ab und gehen zwischen den Fichten und einer
Tannenbaumkultur hindurch auf einen beschrankten Bahnübergang zu, an dem wir
auch die Landstraße überqueren können (Km 6,0).
Dahinter halten wir uns scharf links und noch vor der Hochspannungsleitung gleich
wieder scharf rechts. Der horizontale Grasweg unterhalb der Fichtensäume bietet
erneut raumgreifende Blicke in das Tal der Namenlose, diesmal allerdings in
Gegenrichtung. Die Namenlose heißt etwa nicht so, weil sich kein würdiger Name
für ihre Schönheit fand, vielmehr handelt es sich dabei um eine Verschleifung
der Dialektbezeichnung für lehmiger Bach ("Lahmelofe"). Vom Talgrund
kommt schließlich ein breit geschotterter, mit einer 8 markierter Weg hinauf
(Km 6,8), mit dem wir links den Kamm erklimmen. Die offene, den Blick nach
allen Seiten freigebende Kammwiese ist Ultraleichtflugzeugen vorbehalten.
Hier entscheidet die Jahreszeit über die weitere Route. Bei winterlichem
Skibetrieb bleiben wir jenseits des Kamms unserer Richtung und dem nunmehr geteerten
Weg treu, der uns am Campingplatz vorbei bis zur Umgehungs(bundes)straße
herabbringt. Vor der Fußgängerbrücke stoßen wir auf den Rothaarsteig, dem wir
uns nach rechts anschließen. Wenn wir uns im langsamen Aufstieg auf den Herrloh
öfter mal umdrehen, können wir einen der schönsten Blicke auf Winterberg und
die südliche Bergwelt des Hochsauerlandes genießen.
Die Sommervariante bietet uns diesen Genuß sehr viel früher, nämlich schon
dann, wenn wir noch auf dem Kamm den Grasweg direkt vor dem Zaun des Campingplatzes
nach rechts wählen (Km 7,2) und von der bald erreichten Kuppe zurückblicken.
Kurz dahinter biegen wir zweimal direkt vor Fichtengürteln links ab und
umrunden so eine große Wiese, bis wir erneut den Rand des Campingplatzes
erreichen (Km 8,0). 10 m hinter der Lifttrasse gehen wir rechts einen Fußpfad
inmitten der Abfahrtschneise herauf (Umschauen lohnt sich). Am oberen Ende der
Abfahrt brauchen wir nun nur noch mit dem Schotterweg ein paar Meter nach links
zu gehen, um das erwähnte Winterberg-Panorama ins Blickfeld und den
Rothaarsteig unter die Füße zu bekommen (Km 8,2).
Das rote Quadrat bringt uns noch ein wenig weiter den Herrloh hinauf und hält
dann die aussichtsreichen Höhe bis zur Ski-Schanze St. Georg mit ihrem 22m
hohen Turm. Bei guter Sicht reicht hier der Blick vom Kahlen Asten über das
Wittgensteiner Land bis ins ferne Hessen hinein. Um so unbarmherziger ist der
steile Abstieg bis ins Quelltal der Namenlose herunter. An Stelle weiter Blicke
wartet der Rothaarsteig hier mit einer fast schon klammartige Schlucht auf, die
wir zunächst auf schmalem Pfad begleiten. Ein erneuter Anstieg führt im Hang
des zuvor schon aus der Ferne bewunderten Bremberges an den einschlägigen
Tummelplätzen der Wintersportler vorbei, auf denen sich im Sommer ganze Ströme
roter Fingerhüte breit machen, bis auf fast 780m Höhe (Km 11,0). Über eine
Serpentine erreicht der Steig die Straße nach Altastenberg unmittelbar vor dem
Parkplatz und der Haltestelle Nordhang (Km 11,4).
Statt die Straße mit dem liegenden R zu überqueren, begleiten wir sie hinter
einem Betonmäuerchen lediglich für wenige Meter, um uns hinter dem Haus
Nordhang wieder in ruhigere Gefilde zurückzuziehen. Ein Wegweiser zum Lehrpfad
Renau weist uns noch vor dem Trafohäuschen nach rechts, hinter dem wir uns
gleich wieder nach links wenden. Der hier beginnende Lehrpfad ist mit dem
gelben Quadrat des Rothaarsteigzugangs und einem weißen A3 markiert und bringt
uns im Gegensatz zum Europäischen Fernwanderweg Nr.1 (Markierung X2) ganz nah
an das rasch an Tiefe gewinnende Renau-Tal heran. Der bequeme, mit vielen
belehrenden Schildern versehene Pfad wird bald durch eine Art Waldtreppe und
einen Holzsteg abgelöst, der uns sicher durch die sumpfige
Quellwiesenlandschaft geleitet und dabei mehrmals die mäandernde Renau
überquert. Selten kann man einen jungen, natürlichen Bachlauf so nah und
ungestört für alle Beteiligten studieren. Allerdings gilt auch hier: Kein
Genuss ohne Reue. Denn der Steig ist angesichts des dauerfeuchten Kleinklimas
sehr rutschig, was einen besonders dort zum Geländer greifen lässt, wo er sich
einseitig abgesenkt hat.
Auch wenn man daher froh ist, zwischendurch wieder festen Boden unter den Füßen
zu haben (Km 12,8), lohnt sich auch der links abzweigende zweite Teil des
Lehrpfades - zumal er uns am Ende auf eine zauberhaft wilde Waldwiese führt.
Oberhalb der Wiese erreichen wir wieder die mit dem weißen X markierte Trasse
des Europäischen Fernwanderweges (Km 13,2). Ihm bleiben wir nun bis nach
Silbach treu, da er uns nach so viel Landschafts- und Naturdramatik zum
wohlverdient-trödeligen Ausklang einer großen Tour verhilft und überdies mit
seiner dichten Markierung eine wesentlich sicherere Orientierungshilfe als das
gelbe Zugangs-Quadrat bietet. Eine mühelose gute Stunde durch wechselnde Waldszenerien
braucht es noch, vorbei an den schönen Solitärbuchen des
"Marktplatzes", dem tiefen Blick in das gegenüberliegende, sich
unaufhaltsam in den Berg fressende Schotterwerk und dem hübsch angelegten
Rastplatz Hagen, bis wir Silbach erreichen (Km 18,0) und vor der Entscheidung
stehen, in welchem Gasthaus wir uns für die unterwegs verlorenen 1.500
Bewegungs-Kalorien entschädigen.
Latrop
Der Wald der Stille
(16 km + 400 m, Abkürzung minus 5 km, Verlängerung plus 6 km)
Eigentlich fehlt dieser Tour über den hohen Rothaarkamm etwas: Außer Wald
sieht man so gut wie nichts von der Welt, selbst die Aussichten zeigen nur
Wälder in allen Varianten: Laub und Nadel, alt und jung, dicht und locker.
Dafür sind wir weit weg von jeder Zivilisation, nichts dringt auf uns ein außer
der gelassenen Stille und belebend-frischen Luft des großen Bergwaldes: Es ist
ein Weg zum In-Sich-Gehen.
Schon die Anfahrt führt uns in ein besonders abgelegenes, liebliches Seitental
des Hochsauerlandes. Vom Ende der Straße steigen wir gleich hinauf in den Wald.
Der anfänglich steile Aufstieg täuscht: Wenn man erst einmal die Höhe des hier
besonders breiten Rothaarkamms erreicht hat, geht es fast bequem weiter. Auf
dem befestigten Kammweg wird man sanft auf über 700 m Höhe geführt. Außer einem
anfänglichen Knacken in den Ohren, dem stets sausenden Bergwind und den
Geräuschen der Natur dämpft der ständig seinen Charakter wechselnde Wald jeden
terrestrischen Zivilisationslärm unter die Hörschwelle. Es kommen unweigerlich
besinnliche Stimmungen und persönliche Gespräche auf, zu denen ein
wolkenverhangener Himmel, leichte Nebelschwaden oder der erste Schnee am besten
passen.
Um ihre Besucher nicht ganz in Melancholie versinken zu lassen, haben die
Waldverwalter ab und an für Abwechslung gesorgt. Originelle Installationen von
drehbaren Rhomben und Erdfenstern über Grenzmarken und -monumente bis zu einer
abenteuerlich schwingenden Hängebrücke erwarten den Gast. Außerdem bieten sich
zwei verschiedene Varianten des Rothaarsteigs zum Vergleich an. Nach dem
Abstieg vom Kamm stoßen wir nämlich im tief eingeschnittenen Grubensiepen auf
die Talalternative. Auch in dem schmalen Wiesengrund zwischen steilen
Waldhängen herrscht natürliche Stille, die indes durch das Rauschen des
Schladebachs belebt wird.
Der Weg
Das Schmallenberger Dörfchen Latrop kann man nur einseitig von Fleckenberg
her durch das gleichnamige Tal erreichen. Am Ende der Dorfstraße treffen wir
beim 12armigen Wegweiser auf die Talvariante des Rothaarsteigs. Hinter der
Fachwerkschauwand quert sie über eine Holzbrücke den klaren Bach (Km 0,0) und
steigt dann auf schmalem Pfad den Hang empor. Der sich allmählich öffnende
Blick auf den Latropgrund ist postkartenreif.
Oberhalb eines idyllischen, tief eingekerbten Seitentälchens gewinnt der Pfad
an Steigung, bis er eine geschotterte Horizontale erreicht (Km 1,7). Hier
verlassen wir den Rothaarsteig nach rechts, um uns von dem Anstieg zu erholen
und der ursprünglich für den Steig geplanten Strecke zu folgen. Sie führt uns
zunächst auf breitem Forstweg auf einen Sattel (Km 2,2), von dem zwischen
Holzlagerplatz und Waldwiese vor einer roten Bank ein mit A1 markierter Pfad
nach links in Richtung Jagdhaus weist. Er beschert uns einige grandiose
Einblicke in die extrem steilen Hänge und Täler des farnreichen Waldes. An
seinem Ende treffen wir jenseits von Holzplatz und Schranke auf eine
Schutzhütte, an der sich die Berg- und Talvarainte des Rothaarsteigs
scheiden(Km 3,5). Bis zu diesem aus nicht eindeutig geklärtem Grund
"Millionenbank" genannten Punkt haben wir bereits über die Hälfte des
heutigen Gesamtaufstiegs hinter uns.
Nunmehr geht es mit der Bergvariante linker Hand weiter, die über weite
Strecken mit dem X6 von Hagen nach Bad Wildungen, aber auch dem Wanderweg der
deutschen Einheit und dem Großen Schmallenberger Rundweg parallel läuft. Schon
wenige Meter weiter stoßen wir auf eine ebenso aufwendige wie umstrittene
Forstinstallation, die die Besitzverhältnisse der nordrhein-westfälischen
Wälder veranschaulichen soll. Während die Kinder gerne mit den drehbaren
Aluminienrhomben spielen, können sich die Erwachsenen über eine Pause in der um
so ansprechenderen Blockhütte freuen. Die riesige eichene Vesperplatte in ihrer
Mitte zeigt einige hundert Jahresringe - das Forstamt Schmallenberg nimmt gerne
die Ergebnisse genauerer Zählungen entgegen.
Von nun an stört uns nichts mehr. Vom stillen Bergwald umfangen ziehen wir
langsam den Kamm herauf bis auf den Höhenpunkt der heutigen Tour, den 740 m
hohen Großen Kopf (Km 6,8), der für ein paar Jahre noch eine weite Sicht ins
Wittgensteiner Land bietet. Im folgenden Bergsattel, dem Zinser Eck, stoßen wir
auch den als X23 ausgewiesenen Schieferweg von Biedenkopf nach Meschede (Km
7,3).
Abkürzung - 5km
Wem die Stille jetzt schon auf die vibrationsgewöhnte Seele schlägt, der kann
mit dem X nach links durch den steilen Klotzlochsiepen nach Latrop absteigen
und "spart" so insgesamt 5 km Strecke und 100 m Aufstieg.
Für alle anderen geht es weiter auf die nächste Höhe. Wo sich der Weg nach
einer Linkskurve wieder leicht zu neigen beginnt und der dichte Fichtenwald in
offenen Laubwald übergeht, verlassen wir für eine Weile den Kamm und seine
Altmarkierungen (Km 8,7). Von rotbekopften Pfosten durch den Hochwald nach
links herabgeleitet, gelangen wir auf einen tieferen Horizontalweg, der
gleichwohl mehr Aussicht bietet - noch dazu eine ungewöhnliche über eine zerklüftete
Welt aus purem Wald: So ähnlich muss es hier auch vor 2.000 Jahren ausgesehen
haben.
Am Ende der Horizontalen erwartet uns auch das Ende des puren Waldes mit einer
Reihe von forstlichen, geschichtlichen und künstlerischen Installationen:
Zunächst ein über 40 m lange, abenteuerlich in sich schwingende Hängebrücke
über ein sich jäh herabstürzendes Kerbtal (Km 9,7), gleich dahinter zehn
Erdfenster, die den Blick auf die schiefrige Unterwelt des Rothaargebirges
freigeben. Durch den oberen Schluchtausläufer nach rechts auf den Kamm
zurückgekehrt, treffen wir auf die steinerne Dokumentation der historischen
Hassliebe zwischen den Volksstämmen links und rechts des Steigs (Km 10,0), die
sich nach Herkunft, Kultur, Verwaltung, Glauben und Sprache nachdrücklich
unterscheiden. Zu ihrer heute friedlichen Koexistenz hat am Ende vielleicht
auch das gemeinsame Rothaarsteigprojekt sowie der damit in Zusammenhang
entstandene Skulpturenpfad von Bad Berleburg nach Schmallenberg beigetragen,
der den Steig an dieser Stelle kreuzt und um monumentale künstlerische
Selbstdarstellungen bereichert hat. Der mühsam herbeigeschaffte Riesenkoloss
von Fels gleich hinter der Grenze zeigt indes, dass die beiderseitige
Freundschaft noch nicht den Zustand von Alltäglichkeit erreicht hat, sondern
nach wie vor größenfantastischer Beschwörungen bedarf.
Eine letzte lange Gerade, und wir erreichen die Wittgensteiner Waldalm Kühhude
(Km 10.6). Mit der schmalen Zugangsstraße kommen von rechts weitere Wanderwege
herbei, darunter der X2 Siegen-Brilon (zugleich Europäischer Fernwanderweg Nr.
1) und der Wittgensteiner Panoramaweg (W im Kreis).
Verlängerung +6 km
Wer die Kammhöhe hier noch nicht verlassen will, kann mit dem X2 eine Umweg
über Schanze machen. Noch empfehlenswerter ist es, dem Rothaarsteig weiter treu
zu bleiben. Denn rund 500 m, nachdem er sich von X2 und X6 getrennt hat, trifft
sich die Bergvariante in gut 750 m Höhe "auf der Gleiche" mit der
Talvariante. Sie braucht ein wenig länger nach Schanze als der X2, aber belohnt
den Wanderer mit guter Sicht und den Resten der Schanzenwälle an der
historischen Höhenstraße. Die Talvariante ist es auch, die uns den Rückweg nach
Latrop sichert. Zuvor lohnt sich jedoch eine Rast in einem der Gasthäuser mit
dem berühmten Sauerlandblick parat, von deren zünftigen Hütten- oder
Backhauszauber ganz zu schweigen, die allein schon für den Umweg von insgesamt
6 km zuzüglich 100 m Aufstieg entschädigen.
Für diejenigen, die nicht die volle Distanz beider Varianten an einem Tag
ausmessen wollen, beginnt der Abstieg vom Kamm bereits 20 m hinter dem
Parkplatz Kühhude gegenüber dem Verkehrsschild. Ein schmaler, unscheinbarer
Pfad führt links durchs Gebüsch und dann den Hang herab. Kurz hinter einer
Schranke treffen wir auf einen geschotterteten Horizontalweg (Km 10,7), dem wir
uns geradeaus anschließen. Tief unter uns hört man schon den Schladebach im
engen Grubensiepen rauschen, durch den auch die Talvariante des Rothaarssteigs
von Schanze herunterkommt. Um sie zu erreichen, müssen wir uns indes an zwei
hintereinander folgenden Weggabelungen jeweils talwärts halbrechts am Hang
halten (Km 11,4 und 11,8), bis wir nach einem leichten Linksschlenker des Weges
um einen Holzplatz herum an einer Schneise einen wenig begangenen, erst gras-,
dann laubreichen Abstieg nach spitz rechts finden (Km 12,3).
Im Tal angekommen, wenden wir uns auf der breiten Forststraße mit dem
Rothaarsteig nach links (Km 12,6) - es sei denn, wir wollen eine wohlverdiente
Rast am 400m wegaufwärts gelegenen Altarstein machen. Er wird von der Sage mit
der Treue der von christlichen Missionaren bedrängten Germanen zu ihren Göttern
in Verbindung gebracht und zeichnet sich abgesehen von einem barocken Denkmal
durch einen dunklen Teich aus, dessen klares Wasser samt entsprechender Flora
und Fauna man von einer Ruhebank genießen kann.
Wer auch diesen Umweg scheut, findet eine letzte Rastmöglichkeit talwärts an
der dicken Eiche (Km 13,7). Rund um den behäbigen Baum finden sich gleich eine
Reihe von Sitzgelegenheiten mit Blick auf dem schmal-stillen Wiesengrund im
Tal. Von hier an bedarf es nur noch eines kleinen Anstiegs, um auf bequemen Weg
durchs Tal Latrop mit seinen vielen wohlverdienten Einkehrmöglichkeiten zu
erreichen (Km 16,0).
Wingeshausen/Jagdhaus
Wittgensteiner Waldwiesen
(11 km, + 400 m, Verlängerung plus 3 km)
Wie in vielen Kammgebirgen so sind auch im Rothaar die Seitentäler oft
reizvoller als die Höhenlagen. Das gilt besonders für die aus dem ehemaligen
Fürstentum Wittgenstein an den Steig heranführenden Wiesengründe. Und hier ist
es wiederum Wingeshausen, das die größte Fülle solch romantischer Tälchen zu
bieten hat. Als Ausweis blühenden Lebens wagen sie sich weit in die dunklen Bergwälder
vor und fangen den Wanderer im Gefühl lieblicher Geborgenheit ein.
Nicht selten findet man in diesem Tälern verwunschene Forst- und Jagdhäuser,
die mit ihrer idyllischen Lage und Formgebung direkt aus dem Märchen
entsprungen zu sein scheinen. Sie sind indes alle noch echt und weisen ebenso
wie die großen Wildgatter darauf hin, dass wir uns nach wie vor in fürstlichen
Jagdgründen bewegen. Die vom Jagdherren angemahnte Ruhe und Umsicht passt indes
zur Stimmung dieser Landschaft, die einen auch innerlich ruhig werden lässt.
Der Wandervorschlag stellt relativ willkürlich zwei dieser waldumschlossenen
Wiesengründe zur Auswahl, die der Länge nach durchmessen werden. Sie machen
Appetit auf weitere Tälchen, die sich links und rechts öffnen. Die längere Strecke
ist besser markiert, hat aber in Ortsnähe ein Stück Asphalt zu verkraften.
Beide Touren finden ihren wortwörtlichen Höhepunkt in den Bergwiesen von
Jagdhaus, die von der Mitte des Gebirgszuges einen einmaligen Blick auf den
Zentralkamm des Hochsauerlandes freigeben.
Der Weg
Wingeshausen kann man von Süden kurvenreich durchs schöne Edertal, von
Norden steigungsreich von Fleckenberg über den Rothaarkamm bei Jagdhaus
erreichen. In beiden Fällen halten wir uns innerorts zunächst nordwärts, dann
aber an der zentralen Straßen- und Tälergabelung in Höhe von Bank und Sparkasse
links, um mit dem "Hellweg" weiter nach Norden zu fahren. Die Straße
führt uns an den letzten Häusern vorbei mehr als 1 km weiter ins Bortlingtal
hinein. Kurz nachdem sie den Bach gequert hat, kann man direkt hinter der
Pension Forellenhof gegenüber den Forellenteichen unterhalb der Festhütte das
Auto abstellen. Alternativ ist auch der Start in Jagdhaus mit seinen
reichlichen Parkplätzen möglich, sofern man inkauf nimmt, dass man den großen
Anstieg dann gegen Ende der Tour zu bewältigen hat.
Auf der Gegenseite des ersten Teichs (km 0,0) lockt ein Steg über den
Bortlingbach in den Wald, wo wir links auf einem Pfad kurz oberhalb des Baches
im Waldrand emporsteigen. Der nächsthöhere Horizontalweg trägt das gelbe
Zugangszeichen des Rothaarsteigs, dem wir uns halblinks anschließen (Km 0,7).
Von oben fällt der Blick auf den Zusammenschluss von drei anmutig geschwungenen
Waldwiesentälern, von denen wir, von der Markierung nach links heruntergeführt,
im lediglich eines queren. Beim zweiten Tal verlassen wir noch vor dem
einladenden Rastplatz des SGV den Zugangsweg nach rechts (Km 1,0).
Der Schotterweg am rechten Waldrand gabelt sich sogleich, doch bleiben wir dem
Talrand treu und erreichen bald ein erstes Wildgatter mit einer eigens dem
Wanderer zugedachten Fußpforte, die wir nach Durchschreiten sorgfältig wieder
schließen. Am inneren Gatterzaun geht es weiter talaufärts bis zu einer
undefinierbaren Hütte am Eingang eines Seitentälchens. Das linke Gartentörchen
in der Kurve ist wiederum für uns gedacht. Es gewährt Zugang zu einem Pfad, der
einen Fischteich umrundet und das Seitentälchen quert, um uns am
gegenüberliegenden Talrand durch ein weiteres Törchen wieder ins Gatter zu
entlassen (Km 2,1).
Hier treffen wir auf eine breite Talstraße, mit der wir nach links zunächst ein
zweites Seitental queren. Dahinter führt vor einer Linkskurve spitz rechts ein
Schotterweg in den Wald hinauf , der wieder das gelbe Quadrat des
Rothaarssteig-Zugangs trägt. Mit ihm erreichen wir nach fast 140 m Aufstieg
zunächst einen Sattel (Km 3,7) und dann, zusätzlich den Wegweisern nach
Jagdhaus und der dazugehörigen Markierung J5 folgend, eine aussichtsreiche
Stromleitungsschneise (Km 4,1). Hier finden wir noch vor der Schutzhütte hinter
einer Bank einen Graspfad, der uns nach rechts entlang der Schneise vollends
auf die Höhe und direkt dahinter auf den Rothaarsteig bringt, der hier die
Landesgrenze markiert (Km 4,5).
Links vor uns liegt nun eine der schönsten Rothaarsteigpassagen des
Hochsauerlandes. Jenseits der Hochspannungsleitung geht es mit einer
wunderschönen Raumsicht nach Norden, die ihre Grenze erst im konkurrierenden
Höhenzug der Hunau (Sender) findet, auf einem federnden Pfad wieder bergab, wir
passieren die waldverdeckten Häuser oberhalb der Biathlon-Anlage (Km 5,0) und
erreichen über eine Allee schließlich den Heidkopf mit seiner einmaligen
Aussicht auf den Hohen Rothaarkamm bis nach Schanze und das unglaublich tief
eingegrabene Latroptal. Wenige Meter oberhalb des höchsten Waldrandes versteckt
sich auch das Marienkappellchen mit seinem Kreuzweg (Km 5,8). Wer hier nicht
gerade von tiefhängenden Wolken überrascht wird, weiß ein- für allemal, warum
der Rothaarsteig an dieser Stelle eine so eigenartige Schlaufe macht.
Auf dem Rückweg zum Kamm laden mehrere Gasthöfe zur Rast ein. Dort können wir
in genussvoller Ruhe die Entscheidung reifen lassen, ob wir auf direktem Weg
zum Forellenhof zurückgehen oder noch Lust auf einen kleinen Umweg haben. Der
direkte Weg verabschiedet sich unmittelbar oberhalb des Jagdhaus Wiese bei
Onkels Pauls Gedächtnisbank vom Rothaarsteig (Km 6,5). Während dieser mit dem
X6 rechts im Wald verschwindet, halten wir uns an den X10, der uns zusammen mit
dem J4 und dem weißen Strich über die Kammhöhe geleitet. Jenseits des Kammes
weist der Wegweiser nach Wingeshausen über die Straße (Km 7,1), wo uns der
weiße Strich uns über eine aussichtsreiche Waldwiese bergab führt. Ganz an
ihrem untersten Ende (Km 7,7) geht rechts ein weicher Waldweg über den Rücken,
der in einer Art natürlicher Sprungschanze endet. Halbrechts vom Schanzentisch
ermöglicht ein kaum erkennbarer Pfad den weiteren Abstieg durch den Hochwald
bis ins Tal des Ihrigebaches (Km 8,0).
Obwohl fast unzugänglich tief eingegraben, erwartet uns hier der zweite
Höhepunkt der Tour. Indem wir nämlich den offenen Talgrund zunächst herauf- und
dann baldmöglichst in einer bewaldeten Linkskehre umgehen, entdecken wir auf
der Gegenseite einen grasigen Waldrandpfad, der sich bald als eine Art verwunschener
Allee oberhalb des elegant geschwungenen Wiesentälchens erweist. Mit ihm am
Wiesenrand herabzuschlendern, ist reiner Wandergenuss. Auf der Gegenseite zieht
kaum sichtbar das scheinbar direkt dem Märchen entsprungene Forsthaus Ihrige
vorbei (Km 9,0). Selbst wo das sich allmählich weitende Tal die uns bereits vom
Hinweg bekannte Stromleitung aufnimmt, bleibt es faszinierend, und man möchte
am liebsten immer weiter zwischen Wald und Weiden herabgleiten.
Nachdem indes die Leitung mit ihrem vierten Talmast bis auf fast 10 m an
unseren Wege herqangerückt ist, wird es Zeit, sich vom Tal zu lösen (Km 10.2).
Wer keine Lust mehr auf einen letzten Aufstieg hat, der mag dem Tal noch bis
zum Teersträßchen folgen, das ihn rechts sicher aber hart zum Ausgangspunkt zurückbringt.
Die Genießer gehen dort, wo sich am Mast der Wald ein paar Meter vom Weg
zurückzieht, scharf rechts eine Fahrspur hoch, um sich nach 100 m scharf links
einem nahezu horizontalen Waldweg anzuvertrauen. Er führt, bald von einem
Gatter begleitet, um den Bergausläufer herum und öffnet schließlich den Blick
auf das Bortlingtal und die ersten Häuser von Wingeshausen. In einer
Einbuchtung durchschreiten wir unser letztes Gattertor und lassen uns von einem
steilen Wiesenweg zum Forellenhof zurückbringen (Km 11,3).
Verlängerung + 3 km
Die genau 3 km längere, aber keinen zusätzlichen Höhenmeter erfordernde
Alternative folgt vom Jagdhaus Wiese weiterhin dem roten Quadrat (Km 6,5), das
hier mit dem pfadreichen X6 parallel läuft. In einem Sattel erreichen wir Kamm
und Landesgrenze (Km 8,8), mit denen der X6 den 756 m hohen Härdler in Angriff
nimmt. Der Steig umgeht indes den mächtigen Gipfel linker Hand und erreicht
nach kurzem Abstieg eine Forststraße mit den Markierungen X10, J4 und dem
gelben Zugangsquadrat (Km 8,9).
Ihnen folgen wir, den Steig verlassend, wenige Meter in südwestlicher Richtung,
um sogleich - jetzt nur noch mit dem Quadrat - im spitzen Winkel nach rechts
weiter abzusteigen. Vor uns liegen dreieinhalb schwerelose Kilometer in der
Gutmannssaat, einem anderen der typischen Wittgensteiner Waldwiesentäler. Nach
einem längeren Waldabstieg erreichen wir den romantischen Wiesengrund (Km 10,5)
und dürfen die Tier auf den geschwungenen Koppeln und in den frisch-klaren
Teichen um ihre gelassene Ruhe beneiden. Leider verwandelt sich der Wiesenweg
mit dem von rechts herankommenden, nicht weniger idyllischen Westerbachtal in
eine Teerstraße (Km 12,0).
Dieser können wir nur zeitweise entgehen, wenn wir an der nächsten Gabelung
abweichend von der gelben Markierung der rechten Forststraße weiter ins Tal
folgen (Km 12,5) und nach Querung des Bächleins am gegenüberliegenden Waldrand
halblinks den etwas zugewachsenen, steilen Waldweg emporsteigen (Km 12,7).
Jenseits des Waldstreifens treffen wir wieder auf den markierten Asphaltweg,
mit dem wir den aussichtsreichen Bergkamm samt Straße kreuzen (Km 13,2) und in
den Wingeshäuser Ortsteil Homberg hinabsteigen. In dessen Mitte verlassen wir
endgültig den asphaltreichen Zubringer vor der ersten steilen Rechtskurve an einer
Straßenlaterne nach links (Km 13,5), um oberhalb eines gelben Klinkerhauses
einen horizontalen Wiesenhangweg zu finden. Er bringt uns auf halber Höhe
mit schönem Talblick an den Waldrand und mit diesem im Bogen noch vor dem
Gatter zu jenem steilen Wiesenabstieg, mit dem auch die Hauptvariante den
Talgrund beim Forellenhof erreicht (Km 16,3).
Oberhundem
Schwingende Silhouetten
(12 km, + 400 m, Verlängerung 6 km, + 200 m)
Wenn in Zusammenhang mit dem Rothaarsteig von "schwingenen Silhouetten" die Rede ist, dann sind damit die lebhaft geschwungenen, vielfach hintereinander gestaffelten Kulissen gemeint, die die Aussichten vom Steig so lebendig und raumfüllend gestalten. Ganz besonders kurvig erscheinen die Umrisse der Saalhäuser Berge, wenn man sie von Süden betrachtet und mit dem wenig bewegten Profil des dahinter liegenden Arnsberger Wald vergleichen kann. Diesen ausnehmend schönen Ausblick kann man auf dieser Tour mehrmals genießen. Das erfordert allerdings einen anspruchsvollen Auf- und Abstieg von über 200 Höhenmeter am Beginn und Ende der Wanderung, wofür man dann mit einigen Kilometern schwereloser Höhenwege entschädigt wird.
Der Weg
Oberhundem liegt am oberen Ende des tief eingegrabenen Hundembachs, der sich
über Kirchundem bis nach Altenhundem durch die Berge kämpft, um dort die
weitere Arbeit der Lenne zu überlassen. In umgekehrter Richtung erreicht man
Oberhundem per Straße, es sei denn, man kommt von Südosten über die Serpentinen
des Rothaarkamms heran. In beiden Fällen vollführt die Landstraße mitten in
Oberhundem eine 180-Grad-Kehrtwende, und genau hier, in der Ortsmitte mit
Kirche und Park, zweigt am Eckgasthof "Zur Post" die Hauptstraße ab.
Sie bringt uns an der Bushaltestelle, der Volksbank und dem Verkehrsverein vorbei
talaufwärts in Richtung eines ausgewiesenen Wanderparkplatzes. An der Dorflinde
ändert sie ihren Namen in Grubenweg, bleibt aber dem Tal mit dem nun offenen
Bach treu und endet links oberhalb von "Haus des Gastes" auf einem
Sport- und Spielplatz, hinter dem man den besagten Parkplatz entdeckt (Km 0,0)
Noch im Dorf hat sich die Markierung X18 hinzugesellt, die uns jetzt auf
geschottertem Weg das teilweise mit Edeltannen bepflanzte Tal der Hundem weiter
hinaufführt. Rund 2 km geht es mit durchschnittlich zehnprozentiger Steigung
stetig bergauf, bis sich der Weg hinter der ersten großen Linkskurve etwas
einebnet. Nach der zweiten großen Linkskurve biegen im rechten Winkel kurz
hintereinander zwei Schotterwege in einen Jungfichtenbestand ab, bevor der X18
wieder an Steigung zulegt. Der erste der beiden Rechtsabbieger, gegenüber durch
ein paar verlorene Birken und Lärchen im Fichtenbestand markiert (Km 2,5),
bringt uns auf einen nur wenige Meter höheren Sattel. Jenseits davon gibt eine
rotweiße Schranke den Weg frei zu einem großen Wegestern (genannt
"Brie") mit zwei Bänken, vielen Wegweisern und Wanderzeichen
(darunter auch das des X6) sowie einem schmalen Vorgeschmack auf die kommenden
Aussichten (Km 2,7).
Verlängerung + 6 km
Schon vor dem Sattel ist indes die Entscheidung für oder gegen eine längere
Tour zu treffen. Wer sich gut 6 km und knapp 200 m Höhenunterschied mehr
zutraut, dem ist eine zusätzliche Schleife um den Kahleberg zu empfehlen, die,
statt den Sattel zu überschreiten, vor ihm dem X18 weiterfolgt, um hinter ihm
mit dem X6 zurückzukommen. Erstes Ziel ist bei diesem "Umweg" das
"Alpenhaus", eine gastlich-gemütliche Hütte der Essener Sektion des
Deutschen Alpenvereins mit einer schönen Hangsicht (Dienstags Ruhetag), die man
nach 2,6 km erreicht. Dazu muss man allerdings entsprechend dem Hinweisschild
kurz vom X18 nach links abweichen. Statt nach der Rast direkt zum X18
zurückzukehren, erreicht man den X-Weg auf sehr viel angenehmere Weise, wenn
man direkt oberhalb des Hauses dem mit einem H markierten Pfad nord- und
talwärts folgt.
Nach ziemlich genau der Hälfte des "Umwegs" kreuzt der X18 auf
geteerter Forststraße den X6, dem man sich nach rechts anschließt, um nach
wenigen hundert Metern den Heiligenborn zu erreichen. Die malerische Quelle
sprudelt aus begrüntem Fels und fängt sich wenig später in einem kleinen Teich.
Auf schmalem Pfad geht es danach mit dem X6 bergauf und in zahlreichen
Windungen um den Kahleberg herum bis auf die Höhe des Brie genannten
Wegesternes.
Der X6 weist auch zusammen mit dem L des Lennestadt-Rundweges und dem gelben
Quadrat des Rothaarsteig-Zugangs den weiteren Weg südwärts. Schon nach kurzem
Anstieg bietet er einen satten Blick auf das tief unten liegende Milchenbach
und die schwingenden Saalhäuser Berge dahinter, die sich gegenüber dem Block
des Arnsberger Waldes so charakteristisch abheben. Wir verdanken diesen Blick
ebenso wie die von Fachwerk gerahmten Informations- und Spieltafeln zur
Flurbereinigung im Wald dem Rothaarsteigprojekt, der beides geschaffen und
dauerhaft gesichert hat. Weiter geht es mit dem X6 und L an der Schutzhütte
Böhnenkamp vorbei (Km 8,6) zu einer weiteren schwungvollen Aussicht, bis sich
die beiden Markierungen unvermittelt trennen: Der X6 verlässt zusammen
mit dem A5 und J4 den horizontalen Hangweg scharf nach rechts, um kurz
darauf im knapp 700 m hohen Sattel zwischen Härdler und Wildhöfer am
Margarethenstein auf den Rothaarsteig zu treffen (Km 4,8).
Der Steig erweist sich in südwestlicher Richtung als ein nahezu ebener, stiller
und abwechslungsreicher Höhenweg mit unterschiedlichen Wald- und
Bodenformationen und weiteren prächtigen Aussichten in die Sauerländer
Bergwelt. Erst nach gut 3 km erreicht er an einem stählernen Sendeturm nahe der
Passtraße wieder die Zivilisation (Km 8,0). Hier nun ist zu entscheiden, ob man
sich gleich von ihm verabschiedet oder ihm noch rund 300 m bis zum Pass und
seinen freundlichen Höhengaststätten folgt, zumal der erneuerte
Rhein-Weser-Turm eine großartige Rundsicht über das südliche Sauerland und
nördliche Wittgenstein bietet.
Von dort erfrischt zurück, geht es nun westlich des Stahlturms, also auf der
dem Rhein zufließenden Seite der Wasserscheide, mit der Markierung X18 an einer
Schranke und einem Zaun vorbei fast endlos bergab. Die durchschnittlich 15%
Gefälle gehen ganz schön in die Knie, wenn überhaupt dann sind Wanderstöcke
hier am Platze. Erst wo der Wald nicht nur links, sondern auch rechts
zurücktritt, können wir uns von dem am Ende asphaltierten Abstieg erholen,
indem wir kurzzeitig der Markierung A4 nach rechts folgen (Km 9,5).
Oberhalb von Wiese, Festhütte und Wigwam führt der horizontale Weg in das
bewaldete Tal der Wigge, in das wir zuvor schon vom Rothaarsteig aus einen im
wahrsten Sinne des Wortes tiefen Blick hatten werfen können. Noch vor der
ersten großen Rechtskurve wird links ein kleiner Fischteich sichtbar, hinter
dem wir das Tal ohne Schwierigkeiten wegelos queren können (Km 9,9). Auf der
anderen Seite erwartet uns ein Graspfad, der uns links zurück auf den
nächsthöheren Forstweg mit den Markierungen A3, A4 bringt (Km 10,1). Mit ihnen
verlassen wir noch vor Teer und Straße das Tal über einen halbrechts über die
Steinbrüche emporsteigenden Pfad (Wegweiser "Kurpark"), der uns
schließlich an ungewohnten Zirbelkiefern vorbei auf einen offen Kamm mit eindrucksvollem
Blick auf Hundemtal und Oberhundem führt (Km 10,4). Nun brauchen wir nur noch
mit der Markierung hinter der Bank halblinks den breiten Weg ins Dorf
herunterzugehen, wo wir im Talgrund auf die uns schon bekannte Grubenstraße
treffen, die uns rechts zum Wanderparkplatz bringt (Km 11,5).
Zinse
Wo selbst der Steig zu Tale geht
(17 km +300m)
Natürlich geht es auch bei dieser Tour nicht ohne ein Stückchen Kammweg, und
ein recht geschichtsschwangeres sogar: Topologischer Höhepunkt ist der wohl
behüttete Dreiherrenstein, der seit Unzeiten Gewässer, Kulturen und
Herrschaften trennt. Bis heute treffen hier drei Bevölkerungsgruppen
aufeinander, die sich lange Zeit gegeneinander gefremdelt, mit der Schaffung
des Rothaarsteigs aber ein weiteres einigendes Band geknüpft haben:
Sauerländer, Siegerländer und Wittgensteiner.
Dennoch besteht der eigentliche Clou der Wanderung in den langgestreckten
Waldauen, die fast fünf Sechstel der Strecke ausmachen. Sie wurden in den
letzten Jahren in einen fast ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Mäandernde
Bäche suchen sich ihren Weg zwischen zahlreichen Tümpeln und Teichen durch wild
überwachsene Feuchtwiesen, in denen Binsen und Schachtelhalme, Farne und
Wasserlilien, Erlen und Moorbirken regieren. Mit einigem Glück kann man auch
ein paar Graugänse erspähen.
Ein Durchkommen ist bei dieser Tour der Teiche nur auf befestigten Wegen
möglich, die den Wirtschaftswald von den eindrucksvoll-unwirtlichen Auen
abgrenzen. Für den fast durchweg harten Fußkontakt wird indes das Auge mit
immer neuen Blicken in die teils filigrane, teils rauhe, in jedem Fall
ungewohnte Wildnis in den sanft geschwungenen, abgelegenen Waldtälern
entschädigt.
Der Weg
Den Waldweiler Zinse erreicht man nur über eine Stichstraße, die von
Erndtebrück über zwei Bergrücken ins abgelegene Tal des gleichnamigen Baches
führt. Die Wäldler siedeln entlang zweier offener Seitentälchen, die sich am
Ortseingang treffen. Dort starten wir gegenüber dem kleinen, durch Infotafeln
gekennzeichneten Dorfplatz in der S-Kurve unterhalb des Gasthofes Km 0,0).
Hier zweigt hinter der ersten Brücke ein Teerweg ("Am Hohlbusch")
nach rechts ab, mit dem wir sogleich eine zweite Brücke überschreiten und
nochmals nach rechts in Richtung Hang wenden. Nach einer Kurve, in der eine
malerische Hütte vergeblich zu früher Rast lockt, befinden wir uns auf halber
Wiesenhöhe oberhalb des von hohen Bergen eingeschlossenen Zinsetales. Durch den
Ausblick entschädigt, müssen wir bis zum Waldrand mit Asphalt vorliebnehmen. In
der Kurve nimmt uns indes ein mit einem weißen Strich markierter Waldweg auf
(Km 0,7), der zunächst steil auf eine Waldwiese herab- und dann unterhalb des
ersten von vielen idyllischen Teichen um die Wiese herum ins Tal führt.
Hier treffen wir auf eine Gabelung befestigter Wirtschaftswege (Km 1,1), an der
wir uns halbrechts für die Querung des Zinsetales entscheiden. Auf der
Gegenseite erwartet uns linker Hand ein mit einer Raute markierter Hangweg (Km
1,3), auf dem wir die Zinse etwas oberhalb des Talgrundes bis zu ihrer Mündung
in die Röspe begleiten. Der lichte Wald ermöglicht uns immer wieder Durchblicke
auf zahlreiche renaturierte Teiche - ein Paradies für Wasservögel.
Nachdem sich der letzte große Teich steil unterhalb unseres Weges zu einem
felsigen Wasserfall geöffnet hat, stoßen wir am Ende des Tales auf einen gelb
markierter Zugangsweg zum Rothaarsteig, dem wir uns nach links anschließen (Km
4,4). Nur kurz geteert, quert er das Zinsetal und bringt uns dann immer dichter
mit der wilden Röspe-Aue in Berührung. Auch hier wechseln sich stehende und
fließende Gewässer als Wegbegleiter ab. So etwa müssen diese Täler auch früher
ausgesehen haben. Just am Beginn des Naturschutzgebietes Schwarzbachtal, an der
Kreisgrenze zwischen Südsauerland und Siegerland-Wittgenstein erinnert uns ein
erneutes Stückchen Teerweg an die Zivilisationsmanie der Gegenwart (Km 6,1).
Wir können ihn indes mit dem gelben Quadrat zwischen den ruinösen Widerlagern
einer einstmals schönen Eisenbahnbrücke, der sich linker Hand in Richtung
Heinsberg ein 1,2 km langer Rothaartunnel anschloss, wieder verlassen, indem
wir mit Hilfe von zwei sehr viel kleineren Brücken die Talseite wechseln (Km
6,5).
Das stets von kühlen Winden durchwehte Schwarzbachtal wurde erst vor wenigen
Jahren von seinem Fichtenbesatz befreit, um sich nun von einer anderen, nicht
weniger baumreichen Natur erobern zu lassen. Auf dem Talweg zum Rothaarsteig
passieren wir ein hohe Felswand (Km 7,9), einen mit einem Kreuz
gekennzeichneten alten Hofplatz und gleich daneben eine rutschige Furt (Km
8,5). Der Treffpunkt mit dem uns entgegenkommenden Steig ist durch eine
Holzbrücke gekennzeichnet, die uns kurz vor einer zweiten Furt trockenen Fußes
über den Schwarzbach bringt. Dahinter macht das rote Quadrat eine Kehrtwende,
um uns auf der Gegenseite nochmals einen Blick zurück in das geschwungene
Wiesental zu gewähren, über dessen Geschichte eine Tafel Auskunft gibt.
Mit einer weiteren Spitzkehre strebt der Steig nun durch das Habecke-Tal dem
110 m höher gelegenen Kamm zu (Km 9,0). Während unterwegs eine Art Alm auf der
anderen Talseite den Blick erfreut, erwartet uns auf der Höhe links von der
willkomenen Schutzhütte mit ihrem halben Dutzend Bänken das Naturschutzgebiet
Habeck (Km 11,0). Es handelt sich um eine klassische Hochheide, die indes nur
von schweren Maschine durchwühlt, nicht jedoch von Menschen betreten werden
darf. Uns bleibt daher nur die zunächst geteerte, dann breit ausgewalzte
Forststraße zum Dreiherrenstein, die erst im letzten Aufstieg auf die 673 m
hohe Waldkuppe von einem Waldweg abgelöst wird.
Außer historischen Grenzsteinen verweisen hier innerhalb und außerhalb der
großen Schutzhütte allerlei Tafeln auf die Bedeutung des Schnade-Punktes (Km
13,1). Die Ausführlichkeit der Darstellung deutet darauf hin, dass die hier
zusammenfließenden geografischen, kulturellen, religiösen und politischen
Grenzen immer noch wirksam sind. Wir überschreiten sie indes unbeschwert und
wählen statt des links neben der Hütte abgehenden Zugangsweges nach Zinse den
direkt rechts davon beginnenden Abstieg ins obere Zinsetal. Der Weg ist mit
einem Kreis markiert und beschert uns mit dem sich bald öffnenden Tal den
ästhetischen Höhepunkt der heutigen Fußreise. Denn die erneut naturgeschützte
Wildnis ist hier weicher, malerischer als im rauhen Schwarzbachtal. Der sanfte
Abstieg ist daher ein Hochgenuss, er führt an schwellenden Moospolstern,
ausgreifenden Schachtelhalmwäldern und schließlich sogar an einem traumhaften
Ensemble aus wetterschützender Höhle, Teich und Hütte vorbei, die den Namen
Fuchshausen trägt (Km 14,7).
Wo weiter unten die Talkulisse am schönsten ist, müssen wir sie leider zusammen
mit den hinzugetretenen Wanderzeichen X18 und W des Wittgensteiner Panoramweges
verlassen (km 15,7). Ein letztes Mal geht es bergauf, bis ein Pfad uns nach
Zinse herunterbringt. Wer sich angesichts des bezaubernden Waldrandblickes
nicht so schnell von diesem paradiesischen Fleckchen Erde trennen kann, sollte
sich noch einen gemächlichen Abschiedstrunk in der guten Stube des Gasthauses
gönnen (km 16,8).
Sohlbach/Lützel
Im Hochtal der Eder
(11 km +300 m, Verlängerung plus 5 km)
Während die nahe Sieg und Lahn den Rothaarkamm so schnell wie möglich zu verlassen suchen, lässt sich die Eder Zeit. Gemächlich gluckert und sickert sie aus dem moorigen Quellbruch hervor und genießt in aller Ruhe ihren fast parkartigen Oberlauf, der sich als offener Flurstreifen durch die dichten Wälder der Hochebene zwischen Erndtebrück und Hilchenbach zieht. Wer diese Idylle von Westen erreichen will, muss allerdings hart ran: 220 m Höhenunterschied mit bis zu 20% Steigung sind auf einen Schlag zu bewältigen. Dafür laden allerdings unterwegs immer wieder kleinere und größere Bergteiche zum Verweilen zu besinnlichen Pausen ein. Und auf dem Rückweg ist es ein einmalig weiter Blick über die schwingenden Silhouetten des nördlichen Siegerlandes, der den nicht minder steilen Abstieg einleitet.
Der Weg
Den im Wald versteckten Weiler Sohlbach kann man mit dem Auto nur von Westen
her erreichen, die Gebirgswände im Osten sind zu steil für eine Zufahrt. Dort,
wo die B62 das Netphetal erreicht bzw. verlässt, zweigt in Afholderbach eine
schmale Straße in das ausweglose obere Nethpetal ab. Wir folgen ihr, Sohlbach
auf der "Weiherstraße" durchfahrend, bis zu ihrem Ende, um die letzten
Meter bis zum Wanderparkplatz "Sohlbacher Weiher" schon vom Wald
umgeben zu sein (Km 0,0). Der Einstieg in die Tour ist auch von den Parkplätzen
"Drei Fichten" und "Krämers Wiesen" an der
"Eisenstraße" zwischen Lützel und Lahnhof möglich, aber wanderdramaturgisch
nur begrenzt zu empfehlen.
Schon auf dem Weg durch Sohlbach haben uns die Markierung X3 des
"Talsperrenweges" von Hagen nach Biedenkopf und das gelbe Quadrat des
örtlichen Zugangsweges zum Rothaarsteig begleitet. Sie führen uns zunächst noch
recht unschuldig entlang idyllischer Teichwiesen das Netphetal aufwärts. Erst
hinter dem grünstillen Sohlbacher Weiher (Km 1,0) wir es ernst. Der Wanderweg
steigt nun das nicht enden wollende, wilde Kerbtal der "Hohen Netphe"
empor, das uns bis zu 20% Steigung abverlangt. Wenn die Raute des
Siegerland-Höhenringes von links dazukommt, ist zwar das Schlimmste überstanden
(Km 2,0), aber es geht weiter aufwärts. Wo schließlich X3 und Raute im engen
Rechtsbogen das nun wieder offene Tal umgehen, biegt unser Zugangsweg halblinks
ab (Km 2,4), um auch noch die letzten Meter zum Parkplatz "Krämers
Wiese" an der historischen Eisenstraße zu nehmen (Km 2,7).
Jenseits der Straße werden wir von einem luftigen Waldweg belohnt, der uns an
zwei versteckten Quellteichen vorbeiführt. Hinter dem zweiten Teich biegen wir
nicht mit dem gelben Quadrat nach links, sondern auf breitem Weg nach rechts
ab. Wenig Meter später erreichen wir den Rothaarsteig - zunächst allerdings nur
gastweise (Km 3,7). Denn da wir das eindrucksvolle Ederquellmoor auf keinen
Fall auslassen wollen, müssen wir eine kleine Schleife bergwärts machen. Dazu
lassen wir den Steig bald wieder rechts liegen, um mit der Markierung XE des
Ederhöhenweges auf bequemem Waldweg zunächst die volle Höhe zu gewinnen. 632m
über NN verzeichnet die Karte für den Standort des vielschildrigen Wegweisers
an der ebenfalls historischen Kohlenstraße (Km 4,7), auf dem wir erneut die
Rothaarsteigmarkierung entdecken. Nunmehr schließen wir uns dem Steig endgültig
nach rechts an erreichen mit ihm sogleich die Ederquelle (Km 5,0).
Aufwendige Informationsschilder erklären auf den folgenden Metern den
Biotopcharakter des großflächigen "Hangquell-Niedermoors", aus dem
die Ederwässer hervorquellen. Der Steig führt weichem Pfad um den immerfeuchten
"Bruch" mit seinen Moorbuchen und vielfältigen Moosarten herum, für
besonders Neugierige ist sogar ein Holzsteg errichte worden.. Auch wenn sich
der Wanderer an keiner künstlichen Quellschüttung erfrischen kann, beeindruckt
dieses "echte" Stück Natur. Wenn aus alledem irgendwie doch ein
richtiger Bach geworden ist, verlässt der Steig den Bruch zugunsten fester, die
Eder wieder sich selbst überlassender Wege (Km 5,4).
Ein Stück des nunmehr zusätzlich mit XE (sowie N und W) markierten Talrandweges
mit seinen blau und weiß blühenden Vergissmeinnicht kennen wir schon vom
Hinweg. Diesmal lassen wir jedoch den Zugangsweg links liegen (Km 6,0) und
geben uns ganz dem Zauber der offenen, buschdurchsetzten Naturwiesen des
Eder-Hochtals hin, das, eingebettet in dunkle Wälder, eine ungemein beruhigende
Wirkung ausübt. Unterwegs lädt nochmals ein Holzsteg zu genauerer Besichtigung
und Belehrung zum Thema Naturgewässer ein. Schließlich erreichen wir nach
ausgiebigem Talgenuss eine der charakteristischen Ruheinseln des Rothaarsteigs,
die sich mit ihren bequemen, nach dem Vorbild des Steiglogos geschwungenen
Bänken und Liegen als Rastplatz geradezu aufdrängt (Km 7,3).
Während das rote Quadrat samt dem W des Wittgensteiner Panoramaweges dem
Edertal noch ein Stückchen seines 140 km langen Weges treu bleiben, verbleibt
uns lediglich das N des Netphener Rundweges, wenn wir den direkt vor der
Ruheinsel nach links abzweigenden Weg in Richtung "Drei Fichten"
einschlagen. Jenseits des Edertals blüht im Frühjahr für Kenner der unscheinbare,
eigenartig unsymmetrische Siebenstern. Das N bringt uns zunächst bis vor die
Eisenstraße (Km 8,5), um sich dort, mit der Raute des Siegerland-Höhenringes
vereinigt, nach rechts zu wenden und wenig später links aus dem Wald
herauszutreten (Km 8,6). Hier kann man dem Wanderer nur gute Sicht wünschen.
Denn der Waldrand oberhalb einer Weide bietet eine extrem weite, kulissenreiche
Sicht über nahezu das gesamt Siegerland und die dahinterliegenden Bergwelten
vom nahen Giller bis zum fernen Westerwald.. Dabei umgehen wir die Siedlung
Lützel, um uns ihr linker Hand über einen abschüssigen Teerweg und mit dem N
nochmals scharf links ein kleines Stück Straße von Norden her zu nähern. Vor
dem Ortsschild biegen wir rechts in den Buchenweg (Km 9,7) wo wir uns vor den
Wertstoffkontainern entscheiden müssen, ob wir kurz und steil zu unserem
Ausgangspunkt herabsteigen oder mit dem N noch eine großen sanften Bogen ins
Gillertal samt Weiher machen wollen.
Auch die Kurzstrecke ist (mit A2 und einem Winkel) markiert und zweigt hinter
der letzten Siedlungszeile vom Netphen-Rundweg nach links ab (Laufschild Graf
Gerlachs Burg / Sohlbach). Sie verbleibt zunächst auf der Höhe, um sich hinter
dem letzten Haus vor einer Holzschranke halbrechts mit durchschnittlich 15% Gefälle
steil ins Tal der Netphe herabzustürzen (Km 10,1). Dabei passiert das schmale
Zugangstälchen einen steilen Bergkegel, der ehemals als Wallburg fungierte (Km
10,5). Am Ende finden wir uns wieder auf der Sohlbacher Weiherstraße kurz vor
unserem Parkplatz, den wir linker Hand mit dem X erreichen (Km 11,2).
Verlängerung +5 km
Demgegenüber verliert die längere Alternative über den Netphener Weg nur sehr
zögernd an Höhe. Das N führt uns lange Zeit in Windungen entlang eines immer
steileren Hangs mit eindrucksvollen Durchblicken ins Tal nach Nordwesten statt
nach Süden. Erst in einer Art Kessel mit steilen Waldwänden, durch die sich
irgendwo oberhalb die Lahn-Sieg-Bahn kämpft, wechselt es abrupt die Richtung
(Km 12,4). Zusammen mit dem X des Talsperrenweges geht es scharf links in ein
wildes, fast dschungelhaftes Seitental der Netphe hinab. Wir queren es kurz vor
einem Zaun mit der Markierung A5 (Km 13,4), um den dahinter liegenden Afholder
Weiher auf der schöneren rechten Talseite zu passieren. Das stille, von dicken
Karpfen bewohnte Trinkwasserreservoir wird nach ein paar Metern Wald von einem
romantischen Wiesental abgelöst.
Vor einer einladenden Wiesenbank quert der A5 das nunmehr breitere Tal erneut
(Km 14,2). Auf der anderen Seite treffen wir wieder auf das X, dem wir bald in
spitzem Winkel aus dem Nebental heraus über ein Waldpfädchen nach Sohlbach
hinein und sodann auf der Weiherstraße das Netphetal aufwärts bis zu unserem
Parkplatz folgen (Km 15,8). Dabei laden uns gleich zwei stattliche Sohlbacher Gasthäuser
zu einer wohlverdienten Abschlussvesper ein.
Heiligenborn
Geheimtip Ilsetal
Noch schöner als die junge Lahn (15 km, +250 m)
Schon vor hundert Jahren galt das Tal der Ilse, eines der ersten
Nebenflüßchen der Lahn, als Geheimtip für passionierte Wanderer. So empfahl
etwa Emil Schneider in seinen berühmten Wanderbüchern, den Weg zum Lahnhof von
Feudingen aus statt durch das obere Lahntal über Heiligenborn zu nehmen -
dieser sei "zwar ¾ Std. weiter, aber landschaftlich lohnender, da er durch
das liebliche romantische Ilsetal führt". Das gilt auch heute noch. Nicht
umsonst zählt das Ilsetal zu den heimlichen Höhepunkten des Europäischen
Fernwanderweges Nr. 1.
Sind es heute nur kaum begangene Wege und Pfade, die den Bach in die stillen
Waldberge hinaufbegleiten, so war das vor Jahrhunderten ganz anders. Damals
wanderten Kranke und Gebrechliche in Massen bis zur Quelle hinauf, deren Wasser
Wunderkräfte zugeschrieben wurde. Von den in diesem Zusammenhang errichteten
Badeeinrichtungen ist heute nur noch ein Tümpel und die steinerne Quellfassung
erhalten, die ehemals auch einen äußerst ergiebigen Almosenstock umschloss.
Was den modernen Wanderer in das Ilsetal lockt, sind abgesehen vom starken,
frischen Quell die steilen, teilweise felsigen Hänge, die blumenreichen Wiesen
und Weiden im Unterlauf und die wilde Schlucht im Oberlauf. Fast noch
eindrucksvoller ist das einzige Seitental der Ilse: Der Weidelbach schneidet
sich tief in das Schiefergebirge hinein, öffnet sich aber auf halber Strecke
unvermutet zu einem Talgrund, durch den eine Allee auf einen stillen,
seerosenreichen Weiher hinaufführt. Das ist der eigentliche Geheimtip der
heutigen Tour, für den wir auch in Kauf nehmen, dass wir vom Rothaarsteig
selber nur jene eigenartige Schlaufe kennenlernen, die er eigens zur Ehre der
Ilse macht.
Der Weg
Schon die Anfahrt nach Heiligenborn lässt erahnen, durch welch stille,
abgeschiedene Landschaft der Rothaarsteig südlich der Lahn zieht. Vom
Siegerland wie aus Hessen kommt man nur über Hainchen, nach dem die gebirgige
Wasserscheide hier Haincher Höhe heißt, auf die Höhe. Hat die schmale Straße
den Kamm erreicht, so biegt man nicht links zum Lahnhof, sondern rechts in
Richtung Heiligenborn ab. Schon nach weniger als einem Kilometer können wir das
Auto auf dem Parkplatz "Schulweg" abstellen, an dem die Straße nach
Heiligenborn halblinks von der historischen alten Kammstraße abzweigt. Von
Norden ist die Anfahrt nicht viel bequemer: Noch schmaler als die von Sieg- und
Lahnquelle herkommende Eisenstraße ist das Sträßchen, das von Feudingerhütte
das Ilsetal heraufkommt und den nur noch von wenigen Menschen bewohnten Weiler
Heiligenborn durchmisst.
An unserem Parkplatz kreuzt der Rothaarsteig die Straße (Km 0,0) und führt uns
zusammen mit dem Siegerland-Höhenring (Markierung Raute1), dem Wittgensteiner
Panoramaweg (Markierung W) und dem Talsperrenweg (Markierung X3) auf dem
breiten, geschotterten Kammweg ostwärts. Doch schon bald weichen die anderen
Zeichen nach rechts ab (Km 0,3) während uns das rote Quadrat durch den hohen
Fichtenwald des Jagdbergs zum kleinen, holzumzäunten Friedhof von Heiligenborn
bringt (Km 1,5). Kurz danach kommt von Heiligenborn der mit X2 markierte
Europäische Fernwanderweg Nr.1 herauf (Km 1,7). Mit ihm geht es rechts in das
Ilsetal herunter. Von der neu angelegten Ilsefurt sind es nur noch 200 m bis
zur Ilsequelle (Km 2,3).
Der kräftigen Felsquelle am Fuße des mit 694m in weitem Umkreis höchsten,
gleichwohl namenlosen Berges entströmt selbst im heißesten Hochsommer ein
klares, eiskaltes Wasser. Chenische Untersuchungen haben keinen Hinweis auf
eine mögliche Heilwirkung ergeben. Aber vielleicht geht diese ja auch eher von
den unscheinbaren Sickerquellen des oberen Tales aus, die sich dem Quellwasser
im nassen Wiesengrund beimischen, deutet ein leicht schwefliger Geruch und
ausfallendes Eisen doch auf mineralische Ingredienzien
An der Quelle sagen wir dem Rothaarsteig Ade und gehen zurück zur Furt, um von
dort mit dem X2 das Ilsetal herabzuwandern. Dessen zunächst liebliche Szenerie wechselt
in der anschließenden wilden Schlucht ins Unheimliche, um uns auf dem unteren
Talboden mit blumenreichen Wiesen wieder zu besänftigen. Auf einem Pfad ziehen
wir an den Weidegründen von Lindenfeld vorbei, der einzigen Ansiedlung, derer
wir heute ansichtig werden (Km 5,5). Nach kurzem Wechsel auf dass
Begleitsträßchen bringt uns eine kleine Holzbrücke wieder auf die sichere Seite
(Km 6,5). Dem nun fast tunnelförmigen Pfad gesellt sich unvermutet von links
der mit einem weißen L markierte Lahnhöhenweg zu, der mittels eines eigens
angelegten Steges das Ilsetal quert.
Hier verabschieden wir uns (vorläufig) vom X2 und überqueren mit dem L Bach und
Straße (Km 7,1). Dahinter öffnet sich das tiefe, schluchtartige Tal des
Weidelbaches (Km 7,1). Das L bringt uns über eine alte felsgepackte Fahrstraße
in den offeneren Weidelbacher Grund, wo uns eine zauberhafte Ahornallee
erwartet (Km 7,8). Sie begleitet uns durch offene Wiesen und lichte Wälder zum
Weidelbacher Weiher (Km 8,5), einem im Schatten hoher Berge tiefdunklen Wasser
mit einer märchenhaften Kulisse aus alten Bäumen, Schilf und einem
galerieartigen offenen Wald. Er strahlt eine tiefe Ruhe aus, die im Sommer
durch zahlreiche Seerosen eine heitere Note gewinnt. Kaum ein Wanderer kann
sich seinem Zauber entziehen, weshalb man am besten gleich hier eine Rast
einplant.
Während der Lahnhöhenweg von hier aus den seitwärtigen Hang erklimmt, bleiben
wir der Alle mit ihrem historischen Packlager treu und ziehen mit ihr das
Weidelbachtal weiter hinauf. In einem klaren Tümpel am Wegesrand werden wir von
Goldfischen überrascht, die hier sei Jahren überleben. Kurz danach deutet ein
braunes Rinnsal auf eine weitere Mineralquelle. Schließlich wird der Wald immer
dichter, bis wir nach einem Rechtsschlenker plötzlich auf eine offene
Wegespinne hinaustreten (Km 9,8),
Hier wählen wir den rechtesten der drei nach links abgehenden Wege, weil er uns
wir uns einen Blick in das Lahntal gestattet. Mit ihm steigen wir langsam bis
auf den Bergeskamm, dem wir folgen, bis wir an einer offenen Wiese erneut auf
den Fernweg X2 (Km 11,7) treffen. Mit ihm nähern wir uns rechter Hand erneut
dem Lahntal. Der windungsreiche Weg bringt uns schließlich bis zur Eisenstraße
(Km 14,8), von wo aus wir uns nur noch dem Rothaarsteig nach links anschließen
müssen, um nach weiteren 600 m unseren Ausgangspunkt zu erreichen (Km 15,4).
Wilgersdorf
Im Quellgrund der Weiß
(17 km +400 m)
Siegerland - das ist für den Fremden zunächst einmal der Industriegürtel im oberen Siegtal, ein fleißiges, von geschäftigen Straßen und Hochspannungsleitungen durchzogenes Ländchen. Wer hier wandern will, muss indes nur die Talhänge emporsteigen, und schon befindet er sich in einem wundervoll offenen, abwechslungsreichen Bergland. Seine trotz mittlerer Höhen ungeahnt weiten Ausblicke verdankt es den vielen, oft birkengesäumten Waldrandwegen oberhalb almenhaft geschwungener Weiden sowie seiner traditionellen Haubergswirtschaft, die mit ihren regelmäßigen Kahlschlägen von Jahr zu Jahr neue Blicke gewährt. Hinzu kommen zahllose klare Schieferquellen, die nicht nur die Wanderer erfrischen, sondern auch die Bierbrauer groß gemacht haben. Ein besonderes schöner Quellgrund ist das Tal der oberen Weiß, die vom Rothaarkamm kommend nach knapp 20 km mitten in Siegen in die Sieg mündet. Sie entspringt in einem Steilhang oberhalb von Wilgersdorf, einem ehemaligen Bergmannsdorf am Fuß der Kalteiche, wo auch unsere Wanderung ihren Ausgangspunkt nimmt. Der Weg führt in weitem Abstand um das Dorf herum und erfreut die Wanderseele durch eindrucksvollen Waldszenen, aussichtsreiche Wiesenhänge und stille Täler, in die sich weitere Naturquellen ergießen. Gegen Ende wartet auf dem walddunklen Rothaarkamm unvermutet einer der schönsten Fernblicke des ganzen Siegerlandes.
Der Weg
Man erreicht den Startpunkt der Wanderung am besten, wenn man von der Höhe der
B54 auf halber Strecke zwischen den Autobahnabfahrten Wilnsdorf und Burbach in
Richtung Rudersdorf/Wilgersdorf abbiegt und 30 m vor dem Ortsschild von
Wilgersdorf rechts einen breiten, zum Parken geeigneten Schotterweg herabrollt.
Das Bächlein vor dem gegenüberliegenden Waldrand ist bereits die junge Weiß (km
0,0), der wir direkt nach ihrer Überquerung mit der Markierung A1 bergauf
folgen. Der naturnahe Bach- und Waldcharakter wird unterstrichen durch die
Klassifizierung als Trinkwassereinzugsgebiet. Bald nach einem Stollenmund
verweist ein Holzschild des vor Ort sehr aktiven Sauerländischen Gebirgsvereins
(der hier gelegentlich mit Siegerländischer Gebirgsverein übersetzt wird) auf
die Weiß-Quelle oberhalb des Weges (Km 0,5). Sie sieht genauso aus, wie man
sich eine Quelle schon immer vorgestellt hat: In einer Steilmulde hat sich das
Wasser eine Bahn durch den Schiefer gebrochen, um sich an allerlei Quellflora
vorbei in den talseitigen Quelltümpel zu stürzen.
Der A1 folgt dem Tälchen weiter bergauf, bis er die Wilgersdorfer Landstraße
erreicht. Hier kommt man um ein paar Straßenmeter bergwärts nicht herum, doch
wendet sich der A1 schon in der nächsten Kurve nach spitz rechts. Hier wechseln
wir vom A1-Zeichen auf die abwärts weisende Doppelmarkierung: das gelbe Quadrat
des Rothaarsteigzugangs und das weiße X des Schlösserweges ? X19.
Zweifach gesichert geht es so am Hang der mächtigen, 579 m hohen Kalteiche
entlang westwärts durch einen teilweise lichten Wald mit Durchblick zum
Wilgersdorfer Kessel. Wir passieren u.a. zwei weitere Quellen, zunächst den
gefassten Goldschmiedsborn und kurz danach eine unbenannte Naturquelle (Km
2,0), sowie eine aussichtsreiche Wiese mit einer ungewöhnlich breit einladenden
SGV-Bank (Km 2,3).
Nach einem Links-Rechts-Schlenker (Km 2,9) wird der Wald dichter und jünger.
Der abschüssige Pfad durchquert einen ehemaligen Hauberg, wo wir unsere beiden
Markierungen nach einer längeren Geradeausstrecke unversehens an einem
einkreuzenden Pfad verlassen müssen (Km 3,5). Neben dem schon bekannten A1 ist
nunmehr das weiße W im Kreis des Wilgersdorfer Ortsrundweges für uns maßgebend.
Mit ihm geht es um den Holzwegweiser "Wilgersdorf" herum spitz rechts
aufwärts und dann wieder links bis fast auf den Hemmersberg. Nachdem uns der A1
verlassen hat, führt uns die zusätzlichen Markierung A2 links auf einen typisch
siegerländischen Waldrandweg herab, der uns vor der zu querenden Landstraße (Km
4,4) einen freien, danach einen birkenumrahmten Blick in Richtung Wilnsdorf und
seine Bergwelt gestattet.
Nach einem weiteren Anstieg folgen W und A2 einer Reihe alter Buchen talwärts
und biegen auf einen breiten Horizontalweg ein (Km 5,3). Hier heißt es
aufgepasst: Wo sich zwischen die dichten Fichten linker Hand eine
Eichenschneise drängt, trennen sich die beiden Markierungen (Km 5,5). Wir
bleiben dem W treu und lassen uns von ihm am hinteren Schneisenrand auf eine
riesige Hangwiese herabgeleiten, über die der Blick hinaus bis zum Ederkopf-Sender
reicht - ein prächtiger verschwiegener Rastplatz! Von hier aus führt uns das W
über einen kaum erkennbarem Wiesenpfad traumhaft duftig am Waldrand bis in den
Talgrund der Weiß hinab (Km 6,3).
Gleich hinter der Brücke geht es rechts auf einen groben Schotterweg das
binsenreiche, zum Teil versumpfte Tal aufwärts. Bald können wir den Hauptweg
zugunsten eines schmalen, baumverstellten Bachrandpfades verlassen (Km 6,7).
Der schmale Steig bietet höchsten Wandergenuss, und niemand kann es uns
verübeln, wenn wir den unmotivierten Ausstieg des W aus dem Talgrund ignorieren
und statt dessen dem Pfad weiter ins allmählich offenere Tal folgen. Zwar wird
er immer holpriger und vergraster, so dass uns bei Feuchtigkeit nur gute Schuhe
vor nassen Füssen retten, aber die gelassene Ruhe des schmalen Weidegrundes mit
seinen darin herumtollenden Pferden wiegt die eventuellen Widrigkeiten mehr als
auf. Wer sich nicht traut oder unzureichend gerüstet ist, dem bleibt nur der
rechtzeitige Abgang mit dem W, den die Mutigeren erst zwei Kilometer später
wieder treffen.
Letztere verlassen das Weißtal am Ende der langen Pferdekoppel direkt vor dem
ersten, wenig einladenden Haus (Km 7,5) mit einem steilen Weg nach links und
halten sich vor der Hochweide rechts in Richtung Straße (Km 7,6). Nach nur 15 m
Straßenasphalt halbrechts weist erneut linker Hand ein verwachsener Steilpfad
aufwärts. Er trifft im Rechtsbogen auf einen Horizontalweg mit Telefonleitung
(Km 7,7), dem wir uns kurzfristig nach links anschließen. Mit dem nächsten Feldweg
nach rechts lösen wir uns vom Waldrand und ersteigen die grüne Höhe, auf der
eine idyllisch unter einer Solitäreiche platzierte Bank auf uns wartet (Km
8,0). Der Blick auf Wilgersdorf ist kaum zu übertreffen und fast schöner als
der Ort selber.
Mit zunehmend vollem Rundumblick geht es nun den Kammweg durch die Feldflur
links bergauf. Dem einkreuzenden Teerweg folgen wir kurz rechts und gleich
wieder links (Km 8,3) und gehen nun, uns immer wieder umsehend, gerade über die
Kuppe. Dahinter öffnet sich das Panorama zur anderen Seite. Im Abstieg
passieren wir eine kleines Wäldchen, hinter dem wir das W im Kreis
wiederentdecken (Km 8,9). 200 m weiter nimmt uns ein nahezu horizontaler
Grasweg nach rechts bis zu einem unvermeidbaren Asphaltweg auf. Dieser schwingt
in einer S-Kurve links herab bis zur Brücke über die tief verschluchtete
Sieg-Lahn-Bahn (Km 9,8), die hier gerade in ihren 2,6 km langen Tunnel
einfährt.
Jenseits der Brücke überqueren wir im Linksbogen den Wahlbach, hinter dem eine
langer Aufstieg über insgesamt fast 200 Höhenmeter beginnt. Dazu verlassen
abermals die W-Markierung, um mit den Zeichen A2 und A3 spitz rechts dem
Bachgrund aufwärts zu folgen. Hinter einem kopfweidenumstandenen Seerosenteich
(Km 10,6) füllt sich das Tälchen vollends mit Wald. Für den immer steileren
Anstieg werden wir bei Erreichen eines breiten Horizontalwegs mit einer
erfrischenden Kostprobe aus dem idyllisch umrahmten Jägerborn belohnt (Km
11,5).
Erneut vertrauen wir uns dem W im Kreis an, das uns nach rechts sanft aufwärts
bringt. Auch hier heißt es indes wieder aufgemerkt: Hinter einem eingezäunten
Mischwaldaufwuchs verlässt er unversehens den bequemen Forstweg (Km 12,3), um
durch einen hohen Nadelwald am weniger eindrucksvollen Hermerichsborn vorbei
die Kammhöhe zu erreichen. Endlich sind wir auf dem Original-Rothaarsteig (Km
12,5), dem wir uns nach rechts anschließen. Er wird hier von Grenzsteinen mit
der Aufschrift KP (Königreich Preußen) GWGF (Gemarkung Wilgersdorf) einerseits
und HN (Hessen Nassau) GDBT (Gemarkung Dillbrecht) andererseits als
historischen Grenzweg ausweisen. Bis heute markiert der Kamm die Grenze
zwischen den besagten Gemeinden, den Anliegerkreisen Siegen-Wittgenstein und
Lahn-Dill und den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Hessen.
Entgegen manchen Karten folgt der Rothaarsteig nunmehr exakt dem Grenzverlauf.
Auf grasigem Grund erklimmt er den Doppelgipfel der Tiefenrother Höhe, unter
deren Sattel sich die Bahn hindurchbohrt. Auf der zweiten, höchsten Höhe (551m)
empfiehlt sich am Schild "Wanderweg - Reiten verboten" (Km 13,8) ein
kleiner Abstecher nach rechts auf einen Hochsitz zu. Hier öffnet sich über eine
junge Schonung hinweg ein atemberaubender Blick auf das Siegerland, den man,
dem Rand der älteren Schonung nach links folgend, für 200 m schwebend kann.
Hier ist eine Rast im weichen Gras fast zwingend.
Wieder zurück auf dem Steig (Km 14,2), gestattet im Abstieg eine
Hochspannungsleitung nochmals einen eingeschränkteren Blick (dafür allerdings
auch in hessische Richtung). Der Rothaarsteig trödelt nun behäbig die
Höhe hinab, um sich vor einer Bank links in die Horizontale zu begeben (Km
15,0). Wenig später passiert er linker Hand eine größere Lichtung mit einer
weiteren SGV-Bank, wo einmal mehr das vertraute W im Ring zu uns stößt (Km 15,4).
Knapp 100 m danach, dicht vor seiner Verzweigung in seine Dill- und
Westerwald-Variante, verlassen wir den Steig an einer Gabelung nach rechts (Km
15,5). Die Richtung weist uns hoffentlich noch lange ein just in diese Richtung
gebeugter Eichenwipfel. Der unmarkierte Waldweg gibt allmählich immer mehr
Sicht frei, bis er kurz nach einer Biegung auf eine breite Talwiese mit
einzigartigen Weißdornsolitären stößt (Km 16,0). An der linken Seite der
letztmalig aussichtsreichen Wiese geht es nun immer steiler bergab, vorbei an
einer eigenartigen Altfichtenallee und dem nicht minder alten
"Wasserwerk", bis wir mit dem von links herabkommenden gelben
Wanderzeichen eines zweiten Zugangsweges zum Steig und dem schon bekannten A1
sicher zum Ausgangspunkt der Tour geleitet werden (Km 16,7).
Weißenberg/Fuchskaute
Auf dem Hohen Westerwald
Vom Dreiländereck zum höchsten Punkt des Westerwaldes (11 km, + 200 m)
Hier hält der Westerwald, was er verspricht: Auf Höhen um die 600 m setzen die vielen Wiesen und Weiden dem Blick, aber auch dem Wind kein Hindernis entgegen, dafür gibt es aber dazwischen immer auch wieder schützende Waldpassagen. Tiefster Punkt ist der gemeinsame Grenzpunkt aller drei am Rothaarsteig beteiligten Bundesländer im Ketzerbachtal, höchster Punkt die Fuchskaute, die mit 657 m über NN alle anderen Kuppen des Westerwaldes überragt.
Der Weg
Als Ausgangspunkt empfiehlt sich ein Stückchen Altkurve der Kreisstraße 80 auf
halber Strecke zwischen Rabenscheid und Weißenberg - dort, wo der Rothaarsteig
die ausgebaute Straße in der ersten Rechtskurve hinter Rabenscheid überquert.
Man kann die Tour aber auch in Weißenberg oder auf der Fuchskaute beginnen.
Ungewöhnlich genug geht es vom Startplatz (Km 0,0) an der K80 erst einmal
bergab in den Talgrund des opportunistischen Ketzerbaches, der sich nicht nur
drei Bundesländern andient, sondern seinen Namen, bis er in Haiger die Dill
erreicht, laut Messtischblatt auch noch viermal ändert. Mit von der Partie ist
neben unserem Rothaarsteig-Signet auch die weiße 7 des Westerwaldweges von
Weilburg nach Würgendorf-Wasserscheide.
Bald hinter der ersten Waldpassage verlässt das R den Talgrund über einen
steilen Weidehang nach rechts (Km 0,7), während wir uns an die weiter talwärts
weisende 7 halten. Mit ihr überqueren wir den basaltklar plätschernden Bach
exakt am unerwartet verschwiegenen Dreiländereck von Nordrhein-Westfalen,
Hessen und Rheinland-Pfalz (Km 1,0) und ziehen von hier aus westwärts, um die
große Rothaarsteig-Südschleife an ihrer Engstelle zu überschleifen. Wo die 7
zum zweitenmal nach Durchschreiten eines Wäldchens einen geteerten Feldweg
erreicht (Km 2,3), verlassen wir sie und gehen mit der Markierung X des
Europäischen Fernwanderweges Nr. 1 nach links auf die schon erkennbaren Häuser
von Weißenberg zu. 200m später tritt das R des Rothaarsteiges hinzu den wir für
heute nicht mehr zu verlassen brauchen.
Mit ihm geht es in Weißenberg an der riesigen Esche (Km 2,9) links zum
Ketzerstein empor, der nicht nur einen schönen Blick und eine hübsche Legende,
sondern auch eine meist offene Hütte zum Rasten bereithält (Km 3,5 - 610m üNN).
Von hier aus bietet der Weg zur Fuchskaute einen ständigen Wechsel von Wäldern
und Wiesen, heimlichen Pfaden und offenen Wegen. Dabei ist ein offensichtlicher
Umweg zum Waldrand oberhalb von Willingen eingeschlossen, weil man hier einen
einmaligen Blick über fast den gesamten Westerwald hat (Km 6,8). Leider wird
das ursprünglich ruhig dahinschwingende Panorama durch zahllose von
Windkraftwerke gestört, deren unruhig-bewegte Propeller die harmonische
Horizontlinien zerstückeln.
Der eigentliche Gipfel der Fuchskaute, besser ihre flache Gipfelkuppe (Km 7,2),
verfügt leider nicht über eine solche Aussicht. Dafür aber lädt ein
Traditionsgasthaus samt Hotel zur Einkehr (Ruhetag). Nach der Rast geht es auf
zunächst schmalen Pfaden wieder nach Norden. Direkt hinter einer
naturgeschützten Baumheide überschreiten wir die Landesgrenze
Rheinland-Pfalz/Hessen (Km 8,1) und legen die letzten Kilometer unserer
Rundwanderung großenteils breiten, dafür aber aussichtsreichen
Waldrand-Höhenwegen zurück.
Langenaubach/Breitscheid
Durchs wilde Aubachtal
Eine Kostprobe der Vielfalt des Westerwaldes (10 km, + 200m)
Auf der einen Seite ein wildes, verschwiegenes Tal, in dem sich ein Naturschutzgebiet an das andere reiht, auf der anderen Seite eine fast parkartige, offene Szenerie, in der eine Aussicht die andere übertrifft: Das bietet der Westerwald vorzugsweise an seinem besonders abwechslungsreichen und steilen Ostrand. Und dazu gibt es jede Menge geologischer Besonderheiten: Unter der für den Westerwald typischen vulkanischen Basaltdecke brechen vielfältige Formationen hervor, die teilweise heute noch als Bodenschätze abgebaut werden. Unsere vorletzte Rothaarsteigrunde bietet von jedem nicht nur etwas.
Der Weg
Idealer Startpunkt ist ein kleiner Wiesenparkplatz auf halber Strecke zwischen
Langenaubach und Breitscheid - dort, wo die Kreisstraße 41 von Norden Höhe und
Wald erreicht und der Rothaarsteig sie quert (man kann aber auch in Breitscheid
an der oberen Kirche oder in Langenaubach am Wildweiberfelsen beginnen).
Östlich der K41 trifft unser weiß-rotes Wegesymbol auf die weiße-schwarze 8 des
Westerwaldvereins (Km 0,0), die Haiger im Norden mit Weilburg im Süden
verbindet. Mit ihr wenden wir uns nach rechts bzw. Süden, wo uns zunächst eine
vollständige Parade der "Bäume des Jahres" erwartet. Danach geht es
auf breiter Horizontale durch einen schönen Hochwald, unter dessen klare
Rinnsale sich auch eine Mineralquelle gemischt hat - erkennbar an ihrem ausgefallenen
Eisenoxid und leicht schwefligen Geruch.
Dort, wo der Wegbelag von Schotter in Teer übergeht (Km 1,1), gehen wir
asphaltiert rechts durch die Wiesen aufwärts. Gleich hinter dem ersten
Waldstreifen nehmen wir den Grasweg (oder 150 m weiter den Schotterweg) nach
links, nicht ohne aber zuvor das Panorama in unserem Rücken zu genießen, bietet
sich hier doch das gesamte mittelhessische Wanderparadies vom Schelderwald bis
zum Dünsbergsender dar. In leichter Rechtskurve geht es horizontal in den Wald
hinein, der sich allerdings bald wieder öffnet. Mit dem ersten Teerweg nach
links verlassen wir den Wald endgültig (Km 1,7) bleiben ihm aber mit dem ersten
Grasweg nach rechts für eine Weile nahe. Dieser Waldrandweg oberhalb der
Breitscheider Wiesen ist mit seiner ungebrochenen Weitsicht vom Schelderwald
bis zum Vogelsberg ein Stückchen Wandertraum. Mit ihm überqueren wir am Marterl
für Jörg die uns schon bekannte Straße Langenaubach-Breitscheid (Km 2,4) und
genießen in großer Linkskurve den Waldrandblick bis zur Ortsberührung (Km 3,2).
Direkt vor der neuen Kirche führt ein Grasweg an Hintergärten vorbei zu einer
riesigen Hutebuche, an der das Schild "Schutt abladen verboten" etwas
deplaziert wirkt. Unmittelbar dahinter kommt vom Wasserhochbehälter linker Hand
die Westerwaldmarkierung I (römische 1) des Fernweges
Herborn-Fuchskaute-Königswinter herauf, dem wir uns nach rechts bergwärts
anschließen (Km 3,4). Er führt uns über den offenen Bergkamm herab ins obere
Aubachtal. Unterhalb einer Baumschule links und einer Weide rechts trifft die I
nach einem kleinen Rechtsschlenker auf das R des Rothaarsteiges (Km 4,8), mit
dem wir nun an der besagten Weide entlang den Rückweg durchs Tal antreten.
Schon bald wird klar, warum dieser Teil des Aubachstals weitgehend unter
Naturschutz steht. Die Talaue ist überwuchert von wildem Buschwerk und
Graspolstern, der urwüchsige Sumpfcharakter lässt selbst den Wanderweg nicht
unberührt, von allen Seiten sammelt der Aubach quirlige Quellbäche, im Wald
kugeln sich dicke, übermooste Basaltbrocken, und im Frühjahr ist der Boden mit
einer bunten Vielzahl von Frühblühern übersät. Hinter dem einsamen Waldhaus mit
seinem erfrischenden Brunnen (Km 7,0) öffnet sich der Talblick kurzzeitig bis
zu einer fernen Hochbrücke des Sauerland-Autobahn, die von hier winzig klein
erscheint.
Gegen Ende unserer Talstrecke ändert der über Basaltterassen abwärts sprudelnde
Aubach seine Farbe von klar in milchig. Ursache hierfür sind einige Rinnsale
die direkt neben gänzlich klaren Bächen fast weiß den Berg herunterkommen. Sie
stammen aus den Absinkbecken der oberhalb gelegenen Tongrube, die ihnen die
mikrofeinen Partikel des weißen Goldes mit auf den Weg gegeben haben.
150 m unterhalb des zweiten dieser weißen Tonbäche passieren wir ein
flächenhaftes Naturdenkmal, das einen kleinen Abstecher lohnt (Km 8,0). Es
handelt sich um einen aufgelassenen Basaltbruch, der durch den alten Tunnel
wegen Überflutung nicht mehr zugänglich ist. Statt dessen kann man eine kleine
Rampe rechts heraufgehen und gelangt nach der Wegebiegung auf eine Felsterasse,
die wie die Loge in einem Amphitheater wirkt: Rund um einen
wassergefüllten, verschilften Kessel erheben sich steile Wände mit den
charakteristischen Sechseckresten der hier abgebauten Basaltsäulen. Abgesehen
von der enormen Raumwirkung der Szenerie besteht deren geologische Besonderheit
darin, dass hier ein erdgeschichtlich eher junger, in Basaltform erstarrter
Vulkanschlot einen sehr viel älteren, als Diabas verfestigten Vulkan
durchbrochen hat.
Der an dieser Stelle besonders eindrucksvolle, tief eingegrabene Aubachgrund
wird 500 m weiter von einer alten Eisenbahnbrücke überspannt, hinter der sich
ein weiterer lohnender Abstecher anbietet. Folgt man nämlich dem Bach trotz
Schranke weiter auf seiner rechten Seite abwärts, so steht man nur 150 m weiter
unter dem beeindruckenden "Wildweiberhäuschen", einem plötzlich hoch
aufragenden Kalkfelsen, der einmal mehr als Naturdenkmal ausgewiesen ist. Es
handelt sich um den höhlenreichen Überrest eines vorzeitigen Korallenriffs, der
von allerlei Geschichten um gute Hexen und eiszeitliche Bären umrankt ist.
Der Rothaarsteig indes begibt sich gleich hinter der Eisenbahnbrücke bergauf.
Wo der Weg Schienenhöhe erreicht, sollte man einen Blick durch den langen
Tunnel riskieren (Km 8,7). Die Strecke wurde vor allem um des fast reinen Kalks
jenseits des Berges willen gebaut, bei dessen Abbau jüngst ein riesiges
Tropfsteinhöhlensystem entdeckt worden ist.
Gegenüber dem Tunnelportal folgt der Rothaarsteig links hinter den
Wildweiberfelsen dem überwachsenen Waldrand bergauf, bis er auf der Höhe die
traumhaft schön gelegene Hütte der heimat- und Wanderfreunde Langenaubach
erreicht (Km 9,5). Obwohl es nur noch wenige Meter bis zu unserem Parkplatz
sind, wird man bei guter Sicht kaum der Verlockung einer letzten Rast auf den
aussichtsreich-einladenden Bänken widerstehen können.
Dillenburg
Das A und O des Rothaarsteigs
Ein würdiger Ausklang der Westerwald-Variante (13 km, + 400m)
In dieser letzten Tour präsentiert der Westerwald noch mal alles, was er zu bieten hat: Schmale Pfade, naturnahe Wälder und Wiesen, weite Aussichten auf langgezogenen Bergkämmen und die schönsten Szenen der Fachwerk- und Oranierstadt Dillenburg. Zwar muss man zweimal die Sauerland-Autobahn überqueren, doch die naturnahe Strecke und die eindrucksvolle Stadtpassage entschädigen für den Lärmpegel. Allerdings: Einen halbwegs klarer Tag sollte es schon sein, wenn man die vielen Aussichten genießen will.
Der Weg
Startpunkt ist das Rothaarsteigportal im Hofgarten, wo sich die Dill- und
Westerwald-Variante des Rothaarsteigs vereinigen. Man erreicht es, wenn man vom
Bahnhof den roten Symbolen folgt oder aber von der Frankfurter Straße, der
geradlinigen Ausfallstraße Dillenburgs nach Süden (B277), gegenüber der Abfahrt
zum Bahnhof erst westwärts in die Jahnstr. und gleich danach rechts in die
Wilhelmstr. abbiegt. Unmittelbar hinter Landgestüt und Reitbahn findet sich ein
kleiner Park, in dem sich der Wanderer entscheiden muss, welcher der beiden
Steigvarianten er fortan folgen will (Km 0,0).
Unser Weg führt uns zurück auf die Wilhelmsstr. und dann südwärts, wo das
liegende R die Führung übernimmt. Kurz hinter der nächsten Kreuzung geht es auf
Pfaden den Waldhang hinauf , bis wir schließlich nach einem relativ steilen
Aufstieg die Höhe der A45 erreichen und diese überqueren (Km 1,9).
Hier begegnen wir zum erstenmal mit dem orangeroten O auf blauem Grund dem
Oranierpfad. Er hat etwas mit dem aus Dillenburg stammenden niederländischen
Freiheitshelden Wilhelm von Oranien, aber auch mit Horst Fingerhut zu tun, dem
ehemaligen Vorsitzenden der Wanderabteilung des Dillenburger Sportvereins: Er
hat nicht nur diesen Wanderweg entworfen und markiert, sondern zeichnete auch
für die Streckenführung und Markierung des gesamten hessischen Rothaarsteigs
verantwortlich und hat dieses Projekt bis kurz vor seinem Tod entscheidend
vorangetrieben. Sein Grab liegt nur wenig Meter unterhalb seiner beiden großen
Wanderwege.
Jenseits der Autobahn trennen wir uns scharf rechts vom O und lassen uns vom
Rothaarsteig an aussichtsreichen Rastplätzen (Km 2,5) vorbei durch ein hübsches
Garten- und Wiesentälchen (Km 3 - 4) und über einen beidseitig sichtfreien
Kammweg (Km 5 - 6) bis auf den 554 m hohen Kornberg oberhalb von Donsbach
führen. Bis hierhin haben wir bereits drei Viertel des Gesamtaufstiegs der Tour
hinter uns. Die Sicht in den nördlich gelegenen Schelderwald, ein ebenso
unbekanntes wie lohnendes Wandergebirge, ist gewaltig.
Wo der grasige Abstieg vom Kornberg auf das Teersträßchen trifft, verabschieden
wir uns vom Rothaarsteig (Km 7,1) und schließen uns nach rechts dem
wiederaufgetauchten roten O des Oranierpfades an. Wir befinden uns auf der
Alten Rheinstraße, die wie alle früheren Handelsstraßen nach allen Seiten Sicht
gewährt, leider aber bis zum Modellflugplatz (Km 7,6) geteert ist. Danach
jedoch geht es halblinks auf Schotter weiter, bis sich der Weg am Waldrand
gabelt (Km 8,1). Hier wechseln wir die Markierung und folgen nun halbrechts dem
D des Dillhöhenweges und dem X des Schlösserweges X19. Mit ihnen geht es weiter
über die teils bewaldete, teils wieder offene Rheinstraße ostwärts.
Je näher wir uns über offene Heiden wieder der A45 nähern, desto großartiger
wird der Blick. Die zweite Querung der Autobahn (Km 10,3) verlangt nur ein
kurzes Stück Asphalt, dann geht es weiter auf Graswegen bis zu den ersten
Häusern von Dillenburg. Hier kommt nach einer S-Kurve von links die
Dillvariante des Rothaarsteigs (Km 11,1) herauf. Vor dem Hintergrund des
beeindruckenden Schloßberg-Panoramas müssen wir uns bis zum Abstieg ins
Marbachtal (Km 11,5) entscheiden, ob wir weiterhin dem D und X oder aber als
Rothaarsteigfans dem R folgen wollen - beides führt zum Ziel.
Die R-Alternative ist um 800 m und einen nochmaligen Anstieg länger, doch der
"Umweg" lohnt sich. Der Schloßberg mit seinen Befestigungsresten,
unterirdischen Kasematten und dem Wilhelmsturm, der Park samt
wirtschaftsgeschichtlichem Museum und natürlich der Blick auf Stadt und Dilltal
sind die touristischen Höhepunkte Dillenburgs. (Km 12,3). Zurück geht es dann
an der Stadtkirche herab und durch das fachwerkreiche Fußgängerzentrum zum
Hofgarten hinaus.