Fundmeldungen zur hessischen Flora, genannt in Botanik und Naturschutz in Hessen 18: 75-77 (2005)

Atriplex micrantha / Verschiedensamige Melde

Atriplex micrantha TK 25 5218/22, Amöneburger Becken: ca. 200 m hinter dem Ortsausgang Schröck in Richtung Elisabethbrunnen am rechten Straßenrand der L3289, 222 m über NN (3487750, 5628112); auf einer Strecke von ca. 50 m sehr zahlreich; 28.09.2004, auch im Vorjahr; Herbarbeleg: Stephan Imhof.
Ludwig (1996, Hess. Flor. Br. 45: 59-65) nennt nur 5 Fundorte dieser Art abseits der Autobahnen, nämlich aus der Wetterau und Nordhessen. Nach Schwarz (2003, Jh. Ges. Naturkde. Württemberg 159:113-195) ist A. micrantha (noch) immer an die größeren Verkehrswege sowie neuerdings an Wasserwege gebunden. Der hier gemeldete Standort liegt jedoch recht fern von solchen, und ist von der ‚Stadtautobahn' Marburg durch die Lahnberge getrennt. Der auf eine auffällig kurze Straßenstrecke beschränkte Standort könnte mit erhöhtem Streusalzeintrag zusammenhängen. Die hier einmündende Straße zur Grundschule Schröck ist aus eigener Erfahrung stark glatteisgefährdet. Vermutlich wird wegen des Schulbusverkehrs aus Sicherheitsgründen an dieser Stelle im Winter konsequent gestreut, was der salzertragenden Melde eine Konkurrenzvorteil verschafft.


Cerinthe minor / Kleine Wachsblume

Cerinthe minor TK 25 5527/13, Grabfeldgau: westlich von Ostheim, rechts der Straße NES 34 Richtung Waldbehrungen, zwischen Ostheimer Warte und Dachsberg, am kurzen Ende eines schmalen Feldes vor einem lichten Kiefernwald, 350 m über NN (3585000, 5591400), 2 Exemplare, in der näheren Umgebung noch einige weitere Pflanzen; 17.06.2004; Fotobeleg: Stephan Imhof.
Die auch in Bayern, speziell in Nordbayern seltene Kleine Wachsblume wurde von Kimmel und Schäfer am 08.09.1980 gemeldet (in Meierott & Wirth (1982): Neuere Funde zur Flora Unterfrankens. Ber. Bayer. Bot. Ges. 53: 113-123). Diese Referenz nennt als Orientierungpunkt die ‚Stefansmühle', welche man allerdings vergeblich sucht. Erst der eigene Zufallsfund der Art am 17.06.04 und die anschließende Literatur- und Kartenrecherche (Dank an W. Ludwig, Marburg) ergab, dass es wohl ‚Stefanshöhle' heißen sollte, welche nordwestlich des aktuellen Fundortes liegt. Die Kimmel/Schäfer-Meldung der Art kann hiermit 24 Jahre später bestätigt und der Standort präzisiert werden. Die Umgebung zeichnet sich durch weitere bemerkenswerte Pflanzen aus, etwa Euphorbia verrucosa, Orobanche lutea, Campanula glomerata, Galium glaucum, Silaum silaus, Adonis aestivalis, Pulsatilla vulgaris, u.a. Nochmals 13 Jahre früher, nicht unweit der bezeichneten Stelle (vielleicht ist auch eben diese gemeint aber nur ungenau beschrieben) meldet auch Grossmann (1967, Abh. Naturwiss. Ver. Würzburg 8:29-36) Cerinthe minor.


Galeopsis pubescens
Galeopsis pubescens / Flaumhaariger Hohlzahn

TK 25 5218/22, Marburg-Gießener Lahntal: Lahnberge Marburg, ca. 500 m streng östlich des Lichten Küppels, am Rande einer Lichtung, 355 m über NN (3486335,5627875), rund 30 Exemplare; 03.10.2004; Foto- und Herbarbeleg: Stephan Imhof.
Ludwig (1986, Hess. Flor. Briefe 35: 35-44) hat das Vorkommen dieser Art in Hessen sehr genau untersucht und empfiehlt, sie in die Rote Liste aufzunehmen. Von den 6 von ihm genannten Fundorten auf dem MTB 5218 liegt keine in der Nähe des hier gemeldeten Standortes. Nach Ludwig ist die Marburger Umgebung eines der Verbreitungszentren der Art, vor allem in und um Dörfern kommt sie vor. Die hier genannte Fundstelle ist jedoch fern von aktuellen Siedlungen.


Genista pilosa / Heide-Ginster

TK 25 5018/42, Burgwald: westlich der Franzosenwiesen, links am Forstweg Richtung Bracht, 300 m über NN (3487560/5645600); 1 Exemplar; 29.05.2004.
Wahrscheinlich ist der Heide-Ginster im Burgwald noch häufiger zu finden, jedoch fehlen genauere Angaben darüber. In der Roten Liste für die Region Nordost-Hessen wird er als stark gefährdet (2) eingestuft.


Gypsophila muralis
Gypsophila muralis / Mauer-Gipskraut

TK 25 5118/33, Marburg-Gießener Lahntal: südlich Elnhausen, östlich der Wüstung Allershausen (Nähe Dammmühle), am Waldrand auf einem wenig frequentierten Feldweg, 240 m über NN (3478800 /5629650); viele hundert Exemplare; 06.09.2004; Foto- und Herbarbeleg: Stephan Imhof.

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Überarbeitet am 11. Januar 2005 durch Stephan Imhof
Email: imhof@staff.uni-marburg.de